Logo

Deutsch-Französische Freundschaft
Schüleraustausch: Inzwischen ist Alltag eingekehrt

Gemeinsames Kicken verbindet. In Bietigheim-Bissingen sind immer wieder junge Fußballer aus Sucy en Brie zu Gast.Archivfoto: Alfred Drossel
Gemeinsames Kicken verbindet. In Bietigheim-Bissingen sind immer wieder junge Fußballer aus Sucy en Brie zu Gast.Archivfoto: Alfred Drossel
In Marbach gibt es eine Freundschaftsbank mit der Partnerstadt L’Isle Adam. Archivfoto: R. Theiss
In Marbach gibt es eine Freundschaftsbank mit der Partnerstadt L’Isle Adam. Archivfoto: R. Theiss
De Gaulles Rede an die deutsche Jugend war ein Meilenstein in der deutschen und natürlich auch in der Ludwigsburger Geschichte. Mit den jungen Menschen wollte er ein neues Europa aufbauen. Doch was ist heute aus den Ideen von damals geworden? Wir haben bei Schulen nachgefragt.

Kreis Ludwigsburg. Vor 60 Jahren stand der französische Präsident Charles de Gaulle vor dem Ludwigsburger Schloss und sprach vor allem die Jugend an. Und weil er den Sachverhalt für so bedeutend hielt, hielt er sie auch gleich auf Deutsch. Seine Rede war aber nicht nur rückwärts gewandt, sondern bot auch einen Blick in eine deutsch-französische Zukunft – einer möglichen Freundschaft. Deutschland und Frankreich befänden sich in einer durch den Kalten Krieg in zwei Lager aufgeteilten Welt. Doch dabei stünden beide Länder auf der gleichen Seite.

Was ist inzwischen geworden aus der Freundschaft, die hauptsächlich von der Jugend aufgebaut und gehalten werden müsse? Wie wird heute an den Schulen mit den Nachbarn aus Frankreich umgegangen? Wie eng sind die von de Gaulle 1962 geforderten Bande noch geknüpft?

Dabei zeigt sich, dass zumindest an den Gymnasien inzwischen die Beziehungen zu Frankreich Alltag geworden sind. In den Klassen 5 bis 11 wählten 2019/2020 im Land insgesamt 138396 Schüler Französisch als zweite Fremdsprache. Und im vergangenen Schuljahr blieb das Niveau mit 138310 Französischschülern fast konstant. „Es zeichnet sich keine Entwicklung in die eine oder andere Richtung ab“, heißt es im Kultusministerium.

Um die Beziehungen nach Frankreich weiter zu verbessern, hat Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Institut Français Stuttgart das Sprachdiplom DELF (diplôme d’études en langue française) entwickelt. Damit soll die Sprache in Klasse zehn auf einem internationalen Niveau geprüft werden. Dafür gibt es im Anschluss auch eine Bescheinigung, die beim späteren Arbeitgeber vorgelegt werden kann und auch genutzt wird. Die Sache findet großen Zuspruch. Inzwischen wird es auch an Realschulen und Gemeinschaftsschulen angewandt. Corona hat dem DELF-Erfolgskonzept einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch die beteiligten Lehrer sind überzeugt, dass dieses Diplom sich weiter durchsetzt.

Noch recht frisch machen jetzt auch die Realschulen sowie die Gemeinschaftsschulen mit. Dem Staatlichen Schulamt fehlen allerdings die Zahlen, wie viele Schüler bei Französisch als zweiter Fremdsprache dabei sind. „Wir haben bisher noch keinen negativen Rücklauf bekommen. Doch beim Französischunterricht haben wir auch noch keine 50 Prozent erreicht“, so Sabine Conrad, Leiterin des Schulamtes in Ludwigsburg. Die zweite Fremdsprache ist Voraussetzung, um hinterher auf dem Gymnasium weiterzukommen. Daher wird auch beim DELF-Programm mitgemacht. Bisher sind es vier Gemeinschaftsschulen und fünf Realschulen im Landkreis. Im nächsten Schuljahr werden es weitere drei Schulen sein.

Wie sieht es an den Gymnasien selbst aus? Martin Stickel war bis zum Sommer Französischlehrer am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach und betreute das DELF-Programm. Hier steht mit 2590 Schülern die größte Schule in Baden-Württemberg und das größte allgemeinbildende Gymnasium in Deutschland. Entsprechend groß ist das Angebot – auch bei den Fremdsprachen. „Französisch muss sich hier mehr durchsetzen, denn es kommen mit Chinesisch, Latein oder Russisch weitere Zweitsprachen hinzu“, so Stickel. Bei zwölf bis 13 Eingangsklassen nehmen in Marbach später etwa vier Klassen Französisch als Zweitsprache. Diese Anzahl sei in den vergangenen Jahren recht konstant geblieben.

Auch der Austausch mit der Partnerstadt L’Isle Adam laufe in den vergangenen Jahren recht gut. Das hängt jedoch weniger mit dem deutschen Interesse an der französischen Sprache zusammen. In der Partnerstadt gibt es ein Collège und die dortige Deutschklasse kommt komplett nach Marbach. Und die Marbacher natürlich nach L’Isle Adam. Doch das Interesse hat nachgelassen. „Früher mussten die Schüler noch ausgewählt werden. Heute sind wir froh, wenn man eine Gruppe voll bekommt“, sagt Martin Stickel.

Solche Erfahrungen macht man auch in Bietigheim-Bissingen. „Das Interesse hat nachgelassen. Das Verhältnis ist selbstverständlicher geworden“, sagt die Sprecherin Anette Hochmuth. Doch man spüre, dass der Einfluss der englischen Sprache deutlich zunehme. Entsprechend lasse das Interesse an Deutsch und Französisch nach. Doch der Austausch mache sich stets an Personen fest, daran habe sich nichts geändert.