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Weltkriegsgeschichte

Sechs Pulverhäuschen im Wald

Sechs solcher Gebäude stehen nahezu unverändert seit fast 90 Jahren im Brandholz zwischen Bietigheim und Ingersheim. Fotos: Alfred Drossel
Sechs solcher Gebäude stehen nahezu unverändert seit fast 90 Jahren im Brandholz zwischen Bietigheim und Ingersheim. Foto: Alfred Drossel

Im Brandholz, einem kleinen Wald an den Markungsgrenzen zwischen Bietigheim und Großingersheim, stehen nahezu unveränderte Weltkriegsrelikte, die zu einem Munitionslager des in Ludwigsburg stationierten Luftabwehrregiments gehörten. Die sechs in zwei Gruppen getrennt voneinander stehenden Gebäude waren Teil einer früher größeren Anlage. Beim Rückzug der deutschen Wehrmacht wurden Teile der Gebäude gesprengt. Die Weltkriegsrelikte und das Waldstück wurden am 2. Juli 2011 von der Bundesvermögenstelle im Bieterverfahren an die Markungsgemeinde Ingersheim verkauft, obwohl ringsherum Bietigheimer Stadtwald ist.

Die Besitzverhältnisse des Brandholzes seien kompliziert, vermerkt Forstrevierleiter Axel Armbruster. Auch der Stadt Freiberg gehört ein kleines Stück des Waldes. Der größte Teil ist Bietigheimer Stadtwald, obwohl er auf Ingersheimer Markung liegt. Bietigheim hatte den Wald seinerzeit vom Freiherrn von Sturmfeder erworben.

Das Munitionslager wurde drei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs angelegt. Betreiber des Depots war das am 1. Oktober 1936 aufgestellte Erste Flakregiment 25 Ludwigsburg, das über drei Batterien mit 8,8-Zentimeter-Geschützen verfügte. Das Regiment war bis März 1938 in der Ludwigsburger Flakkaserne stationiert und wurde dann nach Wien verlegt und zur Mobilmachung am 25. August 1939 neu aufgestellt, um die Stellungen rund um Stuttgart zu besetzen.

Ringförmige Anlage

Das Depot im Brandholz wurde zur Lagerung von Munition für die Flakkanonen benutzt. Während die Geschütze in Friedenszeiten in Hallen von Ortschaften untergebracht waren, wurden die Munitionsniederlagen außerhalb in nahe liegenden Wäldern angelegt. Die Lagergebäude wurden an einem ringförmigen Fahrweg angeordnet. Am von Süden nach Norden verlaufenden Hauptweg des Brandholzes befinden sich jetzt noch drei baugleiche Munitionsgebäude und an einem anderen Waldweg nochmals drei Gebäude.

Die ersten drei Gebäude unterscheiden sich baulich von den anderen drei. Die Gebäude haben ein flaches Betondach, das sich zur Bepflanzung eignete, um eine natürliche Tarnung zu erreichen. Große Tore an der Vorderseite ermöglichten eine zügige Be- und Entladung. Auf der rückwärtigen Wand gibt es Fenster, die mit Metallläden verschließbar waren.

Im Brandholz befinden sich außerdem Reste von Betonfundamenten militärischer Bauwerke. Während der Nutzung als Munitionsdepot war das Gelände wohl umzäunt und bewacht. Till Kiener und Norbert Prothmann von der Forschungsgruppe Untertage, die sich auch mit den Bunkern des Westwalls beschäftigt, haben über das Brandholz-Munitionslager recherchiert und herausgefunden, dass die Gliederung des Lagers und die Bauart der Lagergebäude Ähnlichkeiten mit anderen Munitionsniederlagen der Luftverteidigungszone West aufweisen.

Nach Kriegsende nutzte die Stadtverwaltung Bietigheim die Gebäude im Brandholz zum Einlagern von militärischem Material wie Munition und Panzerfäusten. Das Material wurde an die Militärregierung in Ludwigsburg gemeldet und danach in deren Auftrag vernichtet. Nachdem die Gebäude wieder frei waren, dienten sie kurzzeitig der Unterbringung von Vertriebenen und Flüchtlingen. Später hat sie der Bund an Firmen vermietet, was wegen der Zufahrt in den Wald zu Problemen führte. Die letzten, fast noch unveränderten Relikte des Krieges in unserer Gegend scheinen weitgehend vergessen zu sein. Im Rathaus Ingersheim laufen Waldstück und „Pulverhäuschen“ als Liegenschaft. Teilweise sind sie vermietet. An einen Abbruch ist nicht gedacht.

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