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So bereitet sich der Landkreis auf die Omikron-Welle vor

Die Notfallrettung ist im Landkreis nach Auskunft des DRK auf jeden Fall gesichert. Archivfoto: Daniel Karmann/dpa
Die Notfallrettung ist im Landkreis nach Auskunft des DRK auf jeden Fall gesichert. Archivfoto: Daniel Karmann/dpa
Der Landkreis Ludwigsburg bereitet sich auf die nächste Coronawelle vor. Damit die Arbeit von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Kliniken sichergestellt werden kann, werden jetzt die Notfallpläne aktiviert. Landrat Dietmar Allgaier hat den Krisenstab wieder einberufen, der sich ab Januar täglich einen Überblick über die Lage verschaffen soll.

Kreis Ludwigsburg. Der Landrat ist sauer: „Wir rasen auf eine Wand zu und gehen nicht vom Gaspedal.“ So drastisch kommentiert Dietmar Allgaier die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz zur Pandemiebekämpfung vom Dienstag. „Das reicht wahrscheinlich alles nicht aus“, fürchtet er mit Blick auf die Prognosen der Wissenschaftler, die Inzidenzen im 1000er Bereich vorhersagen, wenn Omikron zuschlägt. „Wir müssen präventiv Maßnahmen ergreifen, die bisherigen Pläne sind viel zu zögerlich“, ist er sich mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann einig. Man dürfe der Bevölkerung nicht suggerieren, dass ein Beschluss über einen möglichen Lockdown am 7. Januar ausreiche. „Wir laufen sonst der Entwicklung hinterher.“

Krisenstab kommt täglich zusammen

Deshalb trommelt Allgaier jetzt den Krisenstab wieder zusammen. In den vergangenen Wochen hatten die Verantwortlichen für Feuerwehr, Gesundheitsamt, Bevölkerungsschutz , Kliniken und Polizei sich nur einmal pro Woche getroffen, um Maßnahmen gegen die Pandemie zu besprechen. „Das müssen wir angesichts der Bedrohung durch Omikron ab Anfang Januar aber wieder täglich machen“, so Allgaier. Schon jetzt erarbeitet eine Arbeitsgruppe im Landratsamt unter Führung von Kreisbrandmeister Andy Dorroch Empfehlungen für die Hilfsorganisationen. Dabei soll ein Stufenplan für die kritische Infrastruktur entwickelt werden, welche Mitarbeiter wann und wie eingesetzt werden. Dazu gehören das Gesundheitsamt genauso wie soziale Dienste, der Katastrophenschutz und die Leitung des Landratsamtes. Maßgabe ist dabei, dass möglichst immer zwei Teams aufgestellt werden, die sich nicht persönlich treffen und gegenseitig ersetzen können. Für die Feuerwehren sind die Kommunen zuständig. Aber auch mit diesen ist man in engem Kontakt.

Sehen Sie hier die Fallzahlen für den Landkreis Ludwigsburg im Überblick

Quarantäneregeln fürs Gesundheitsamt

Die Behörden im Landratsamt sind schon seit einigen Wochen nur noch nach der 3G-Regel und mit vorherigem Termin erreichbar. Die Mitarbeiter, die keinen Kundenkontakt haben, arbeiten im Homeoffice. Besonderes Augenmerk wird auf das Gesundheitsamt gelegt. „Die Kontaktnachverfolgung ist schon jetzt eine riesige Herausforderung für uns“, so Allgaier. Sollten sich Mitarbeiter infizieren und die Arbeitsfähigkeit nicht mehr gewährleistet sein, könnte eine Ausnahme bei den Quarantäneregeln beantragt werden. „Dann müssen unter Umständen auch Infizierte in Einzelbüros oder von zu Hause arbeiten.“ Es werde auf jeden Fall eine Prioritätenliste erstellt. „Deshalb kann es zu längeren Bearbeitungszeiten auf den Ämtern kommen.“

DRK stellt Notfallrettung sicher

Das Innenministerium hat am Dienstagabend den Rettungsdiensten weitgehende Vorgaben gemacht, wie die Versorgung sicherzustellen ist. Danach können Notarzteinsatzfahrzeuge kurzfristig im Einzelfall mit erfahrenen Rettungssanitätern als Fahrer besetzt werden. Rettungsassistenten dürfen Patienten betreuen und versorgen. Laut Steffen Schassberger, Bereichsleiter Rotkreuzdienste im Kreis Ludwigsburg, kann der Rettungsdienst auf ehrenamtliche Strukturen und auf das komplexe Hilfeleistungssystem des DRK zurückgreifen, wenn größere Ausfälle kompensiert werden müssten.

Kurzfristig könnte es zwar zu Ausfällen in der Notfallrettung kommen und die Hilfsfristen nicht eingehalten werden. Aber: „Eine Verminderung der Leistungen ist planerisch ausgeschlossen und würde nur im Extremfall kurzfristig entstehen“, so Schassberger. Im Notfall würde der Krankentransport in Richtung Arzt oder Krankenhaus reduziert werden, um mit den freiwerdenden Kapazitäten die Notfallrettung aufrecht zu erhalten. „Der Bevölkerungsschutz kann durch die dreifach Besetzung mit ehrenamtlichem Personal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer gewährleistet werden“, versichert Schassberger.

Kliniken richten Ersatzteams ein

Die RKH-Kliniken arbeiten schon seit Beginn der Pandemie im Krisenmodus. „Entscheidend ist jedoch, wie viel Personal zur Verfügung steht“, so Klinikensprecher Alexander Tsongas. Dafür seien Vorkehrungen geschaffen worden. Zum einen müssten sich alle Mitarbeiter täglich testen lassen. Dadurch könnten diejenigen sehr früh und schnell identifiziert werden, die sich mit Omikron angesteckt haben. Eine weitere wichtige Maßnahme sei der Aufbau von „Ersatzteams“. Zunächst werden nur Mitarbeiter eingesetzt, die unbedingt notwendig sind. Alle anderen blieben im Homeoffice und würden im Ernstfall aktiviert. Fällt eine Gruppe aus, könne die andere die Arbeit übernehmen. Im medizinischen Bereich, seien Mitarbeiter geschult worden, die bislang nicht in Coronabereichen arbeiten, damit sie bei Bedarf eingesetzt werden können. „Wie schon in der aktuell vierten Pandemiewelle wird bei einer Zuspitzung der Situation das geplante Programm bis auf eine Notfallversorgung zurückgefahren und damit eine Priorisierung und eine Sub-Standardmedizin erfolgen müssen“ so Tsongas.

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Stadtwerke mit Notfallplan

Zur Sicherung der Stromversorgung haben die Stadtwerke einen Notfallplan aufgestellt, falls massenhaft Mitarbeiter in Quarantäne müssten. „Um die Versorgung sicherzustellen, ist aber nur ein kleines Team notwendig“, heißt es von dem Unternehmen. Deshalb seien die Mitarbeiter der Leitwarten voneinander getrennt worden. Außerdem hätten die SWLB mit anderen Stadtwerken ähnlicher Größe Hilfevereinbarungen für Krisenfälle abgeschlossen. Die Leistung für die Bürger müssten aber in keinem Fall zurückgefahren werden. „In Extremsituationen schränken wir unsere nicht notwendigen Dienstleistungen sowie möglicherweise Bauprojekte ein“, so eine Sprecherin.

Polizei arbeitet nach Stufenplan

Die Polizei Baden-Württemberg konnte bislang zu jeder Zeit ihre Aufgaben voll erfüllen, heißt es aus dem Innenministerium. Und man ist zuversichtlich, dass das auch bei Omikron so bleibe. Schon jetzt arbeiten die Beamten auch im Polizeipräsidium Ludwigsburg nach einem Stufenplan. Dieser soll die Handlungsfähigkeit sicherstellen. Sofern in einzelnen Bereichen personelle Engpässe würden diese von anderen Dienststellen ausgeglichen.