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Klima

Solaranlagen sind Standard

Serie Klimaschutz lokal: Kommunen im Bottwartal unternehmen unterschiedliche Anstrengungen

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Bottwartal. Klimaschutz ist derzeit eines der Megathemen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Was aber tun die Gemeinden im Bottwartal für das Klima? Wir haben nachgefragt: Die Maßnahmen reichen vom Papier sparen im Rathaus über einen Bürgermeister, der Heizungen herunterdreht, bis zu Photovoltaikanlagen auf den Dächern kommunaler Gebäude. LED-Straßenbeleuchtung ist bei allen Gemeinden bereits umgesetzt oder in Arbeit.

Marbach: Bereits vor sieben Jahren hat der Gemeinderat ein Klimakonzept verabschiedet, dessen zentrales Ziel es ist, den CO2-Ausstoß städtischer Gebäude bis zum Jahr 2040 um 80 Prozent unter den Wert von 1999 zu drücken. „Dafür nehmen wir viel Geld in die Hand“, sagt Bürgermeister Jan Trost. Grundsätzlich gilt das Bestreben, in den Liegenschaften einen Standard unter den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erreichen. So wird beispielsweise bei der jetzt angelaufenen Erweiterung des Kindergartens „Im Gässle“ in Rielingshausen die 20 Jahre alte Ölheizung ausgetauscht. Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden sind in Marbach Standard; mehr als 20 Dächer sind entsprechend bestückt. Trost zieht folgenden Vergleich: Gemessen an der Einwohnerzahl, müsste Stuttgart auf 800 Gebäuden Photovoltaikanlagen haben, um den gleichen ökologischen Standard zu erreichen. Die Stadt ist mit zwei weiteren Kommunen am Solarpark in Königsbronn beteiligt, dem zweitgrößten landesweit. Die Fraktion der Grünen und die Gruppe Puls im Gemeinderat fordern zwar immer wieder die Stelle eines Energiemanagers, Jan Trost findet aber, dass die Zusammenarbeit mit einem externen Büro, das regelmäßig Strom- und Wärmebedarf der städtischen Liegenschaften überprüft, ausreicht. Die Stadt tut aber auch auf anderen Handlungsfeldern etwas fürs Klima: So setzt die Stadtgärtnerei nur noch beim Befall von Bäumen mit dem Eichenprozessionsspinner Pestizide ein, ansonsten sind diese Chemikalien verbannt. Außerdem wird sich die Stadt für das Programm „Naturnah dran“ bewerben, das unter anderem die Anlage von Blumenwiesen und Grünflächen fördert. Konsequent ist das Verbot von Stein- und Schottergärten in neuen Bebauungsplänen.

Murr: Dezentral arbeitende Blockheizkraftwerke, in denen Strom und Wärme erzeugt wird, spielen in Murr eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Das BHKW in der Gemeindehalle, das die Halle, den Bauhof, die Sporthalle, die Grundschule und den Kindergarten Lindenweg versorgt, wurde vor zwei Jahren erneuert und hat jetzt einen deutlich höheren Wirkungsgrad. Auch das Feuerwehrgerätehaus, das saniert wurde, wird an das BHKW angeschlossen. Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Bürger- und Rathause und auf dem Dach des Kinderhauses Regenbogen produzieren Solarstrom. Besonderen Wert auf den Klimaschutz hat die Gemeinde beim Bau des neuen Jugendhauses gelegt, das derzeit an der Murr gebaut wird. „Der Neubau besteht weitestgehend aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz und ist mit Luft-Wasser-Wärmepumpe und eigener Photovoltaikanlage nahezu energieautark“, sagt Bürgermeister Torsten Bartzsch. Seit dem vergangenen Jahr können die Besitzer von E-Autos an einer Ladesäule auf dem Dorfplatz Strom tanken. Für Flachdächer gilt in den Bebauungsplänen grundsätzlich die Vorgabe zur Begrünung.

Steinheim: Kommende Woche fängt die neue Klimamanagerin Rebecca Roller bei der Stadt an. Über die Zusammenarbeit mit der Ludwigsburger Energieagentur Lea ist die Verwaltung darauf gestoßen, dass eine solche Stelle gefördert werden kann. Das Thema war zwar bereits durch das Klimaschutzkonzept des Landkreises und auch im Stadtentwicklungsprozess ISt 2030 präsent, „aber uns fehlt der rote Faden“, sagt Bürgermeister Thomas Winterhalter. Rebecca Roller soll in den nächsten drei Jahren Konzepte für die Stadt als Eigentümerin von Liegen- schaften, aber auch für die Bürger entwickeln. Für die Gebäude der Stadt läuft gerade ein „Lichtaudit“. Dabei wird untersucht, wo es wirtschaftlich sein könnte, neue LED-Lampen einzusetzen, danach erfolgt eine Priorisierung. Die Stadt hat ein Elektroauto im Bauhof und eines für die Mitarbeiter des Bauamtes. Der Gemeinderat hat bereits die Aufstellung von Schnellladesäulen für E-Autos genehmigt. Die Holzhackschnitzelanlage am Campus dient zur Wärme- erzeugung, auch das neue Jugendhaus wird angeschlossen. Auf der Riedhalle wird eine Solaranlage für den Eigenstromverbrauch installiert. Auf der Bottwartalhalle und der Blankensteinschule gibt es Solaranlagen. Im Rathaus ist jeder angehalten, Strom und Papier einzusparen. „Ich selbst schätze das Tablet“, sagt Winterhalter.

Großbottwar: Rein rechnerisch ist Großbottwar bei den erneuerbaren Energien vorne mit dabei, hier schlägt aber die Biogasanlage im Sauserhof zu Buche. Die Stadt hat zudem Solaranlagen auf den städtischen Liegenschaften. Beginnen d mit der Anlage auf dem Schulzentrum hat die Stadt die Bürger-Solar gegründet. Die Anlage wurde über Anteile von Bürgern finanziert. Bei Sanierungen achtet man darauf, die Energiestandards einzuhalten, auch sollen verstärkt Pelletanlagen eingebaut werden, zum Beispiel im Schulzentrum und im Kindergarten, auch die neue Stadthalle und die alte Schule Hof und Lembach bekommen eine. „Wir sind eine waldreiche Kommune, da machen die Anlagen Sinn“, betont Bürgermeister Ralf Zimmermann. Auch im Rathaus wurden die alten Neonlampen durch LED ersetzt. Als Mitglied der Lea gibt es in der Stadt Beratungstermine für Bürger. Elektrofahrzeuge hat die Stadt keine, auch keine Ladesäulen. „Autos haben wir im Blick, wenn der Bedarf da ist. Bei den Ladesäulen warten wir auf verbindliche Standards“, so Zimmermann. Die Energietage in der Schule sollen in Zukunft auch im Kindergarten angeboten werden. Die Stelle eines Klimaschutzmanagers sei so Zimmermann ein „gutes Konzept, aber man muss den auch auslasten und das Ergebnis muss man finanziell umsetzen können“.

Oberstenfeld: Auf dem Bauhof und dem Bürgerhaus sind Solaranlagen installiert. Da auch Oberstenfeld eine waldreiche Kommune ist – 600 Hektar Wald – gibt es ein Blockheizkraftwerk im Freibad und eines bei der Kläranlage. Die Gemeinde hat zwar keine Elektrofahrzeuge, aber ein E-Bike für die Mitarbeiter für kleine Dienstwege im Ort. „Auch ich versuche vermehrt, mit dem E-Bike zu fahren“, sagt Bürgermeister Markus Kleemann. Mitten im Ortszentrum wurde zudem vor kurzem eine Elektroladesäule aufgestellt. Im Rathaus wird Papier doppelseitig bedruckt, außerdem gibt es ein digitales Ratsinformationssystem. Langfristig soll im ganzen Rathaus digital gearbeitet werden.

Beilstein: Für Bürgermeister Patrick Holl ist der Klimaschutz eine Daueraufgabe. Bei neuen Projekten müsse die Prüfung auf Nachhaltigkeit immer ein Element sein. Steingärten und Innenentwicklung müssten beim Thema Bauen immer im Auge behalten werden. Über das Blockheizkraftwerk werden Hallenbad, Halle und Schulen beheizt. „Wir haben mit dem Hallenbad einen großen Energiefresser“, so Holl. Auf der Sporthalle befindet sich eine Photovoltaik-Anlage, bei den anstehenden Dachsanierungen soll die Installation weiterer Anlagen geprüft werden. Der Bauhof achtet zudem darauf, zum Insektenschutz Wildblumen zu säen.

Erdmannhausen: In vier Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) betreibt die Gemeinde zusammen mit den Bürgern fünf Solaranlagen, die erste ging bereits 2004 an den Start. Eine eigene Solaranlage hat die Gemeinde auf dem Kinderhaus. Nächstes Jahr kommen Anlagen auf dem neuen Kinderhaus und der neuen Schulturnhalle hinzu. „Wir erzeugen auf den Gemeindedächern in etwa so viel Strom wie wir als Kommune verbrauchen“, sagt Kämmerer Eberhard Immel. Ebenfalls nächstes Jahr sollen zwei Blockheizkraftwerke im Strom-Wärme-Verbund in Betrieb genommen werden – eins für Schule und Kindergarten, eines für Halle auf der Schray und Jugendhaus.

In der Schulturnhalle gibt es eine Holzpellets-anlage, in der neuen Halle wird ebenfalls eine eingebaut. Elektrofahrzeuge hat die Gemeinde nicht, aber seit sieben Jahren ein Pedelec, das von der Amtsbotin, aber auch von den Rathausmitarbeitern genutzt wird. „Das Thema ‚Licht aus‘ im Rathaus ist ein ständiger Kampf, aber es wird besser“, betont Immel.

Affalterbach: Das Blockheizkraftwerk am Schulzentrum versorgt Kindergarten, Schule, das Schwimmbad und zukünftig auch noch die Schulturnhalle. Auf der Herbert-Müller-Halle ist eine Bürgersolaranlage installiert, andere gemeindeeigene Dächer sind statisch nicht geeignet, wie eine Untersuchung ergeben hat. In allen Liegenschaften der Gemeinde wurden die Heizungen von Öl auf Gas umgestellt, Ausnahme ist der Brodbeck-Kindergaren, der noch eine Stromheizung hat. Bei der Sanierung des Rathauses, aber auch der anderen Liegenschaften wird auf Wärmedämmung gesetzt. In Affalterbach gibt es zudem neu eine private Windkraftanlage. Eine Elektroladesäule soll in Zusammenarbeit mit der Firma AMG in deren Parkhaus entstehen. Für die Amtsbotin gibt es ein E-Bike. Im Rathaus achtet Bürgermeister Steffen Döttinger auf Energieeinsparungen: „Wenn ich in überhitzte Räume komme, drehe ich die Heizung herunter“, so Döttinger. Auch Papier sparen ist Thema. Noch gibt es kein digitales Ratsinformationssystem. Am Ausgang des Rathauses befindet sich ein Generalschalter für das Licht, den der letzte, der geht, drückt. „Das alles bringt in Summe viel“, betont Döttinger.

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