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Rettungsdienst

SOS-Signal löst Einsatz der Bundeswehr aus

Ein Hubschrauber der Bundeswehr sorgte gestern Vormittag für viel Verwunderung im Vaihinger Stadtteil Ensingen sowie im Nachbarort Illingen (Enzkreis). Dabei handelte es sich keineswegs nur um ein Manöver, sondern um einen skurrilen Einsatz.

Über einem kleinen Wäldchen zwischen Vaihingen-Ensingen und Illingen (Enzkreis) dreht der SAR-Hubschrauber seine Runden. Foto: privat
Über einem kleinen Wäldchen zwischen Vaihingen-Ensingen und Illingen (Enzkreis) dreht der SAR-Hubschrauber seine Runden. Foto: privat

Illingen/Vaihingen. Im Tiefflug schwebt der olivfarbene Hubschrauber minutenlang über der Kreisgrenze. Die Türen sind orange gestrichen und mit den schwarzen Buchstaben SAR versehen. Sie stehen für „Search and Rescue“ und signalisieren, dass es sich dabei um den Such- und Rettungsdienst der Bundeswehr handelt. Gegen 10 Uhr landet der Hubschrauber in unmittelbarer Nähe der Firma Südrec in Illingen. Dabei handelt es sich um ein Recycling-Unternehmen, das in der Enzkreis-Gemeinde Elektroschrott aufbereitet und die dabei anfallenden Schadstoffe entsorgt. Der Grund des Einsatzes ist sehr ungewöhnlich, wie bei einem Anruf in dem Unternehmen zu erfahren ist.

Demnach wurden bereits seit Donnerstagabend SOS-Signale aus dem Unternehmen heraus gesendet, wie Mitarbeiter Jan Lagodka erklärt. Die ganze Nacht hindurch störte dies offensichtlich weiträumig den Funkverkehr, so dass der SAR-Dienst der Bundeswehr auf den Plan gerufen wurde. Der Dienst ortete die Signale und ordnete sie einem Funkgerät eines Schiffes zu. Da durch Illingen lediglich der Schmiebach fließt, muss den SAR-Leuten schnell klar gewesen sein, dass es sich nicht um ein Schiff in Seenot handelte, das die Signale aussendete. Vielmehr ermittelten sie das Recycling-Unternehmen als Quelle.

Gleich zu Arbeitsbeginn um sieben Uhr klingelte dort gestern das Telefon. Wie Jan Lagodka mitteilt, baten die Rettungskräfte darum, im Betrieb nach dem Funkgerät zu suchen. Allerdings gibt es bei Südrec buchstäblich viele Schrotthaufen mit tonnenweise Elektromüll. Da das Schiffsfunkgerät sein SOS-Notsignal zudem heimlich, still und leise vor sich hin sendete, war es den Mitarbeitern des Betriebs schlichtweg nicht möglich, das Gerät zu finden. Also machten sich die Mitarbeiter des Such- und Rettungsdienstes per Hubschrauber und zusätzlich mit einem Auto auf den Weg nach Illingen. Ein Novum auch für die Belegschaft des Unternehmens, bei dem sonst eher die Feuerwehr Stammgast ist, weil es dort entweder brennt oder Fehlalarme ausgelöst werden.

Gestern Vormittag war also der SAR-Dienst der Bundeswehr zu Gast. Mit einem Messgerät machten sich die Rettungskräfte auf die Suche und wurden schließlich fündig. „In einem Haufen mit Elektroschrott lag das Funkgerät in einer Tiefe von etwa einem halben Meter“, sagt Jan Lagodka. Um 11.45 Uhr war der Einsatz im Ensinger Nachbarort beendet, und der Hubschrauber flog mitsamt dem Funkgerät wieder weg.

Bei Südrec fragen sich die Mitarbeiter unterdessen, wie das Schiffsfunkgerät dort stranden konnte. „Das Teil kam auf irgendeinem Weg bei uns an – auf welchem, wissen wir nicht“, sagt Jan Lagodka. Es stamme von einem der vielen Wertstoffhöfe und sei „fälschlicherweise bei uns gelandet“.

Von welchem Schiffstyp das Funkgerät stammte, wie weit das Signal zu vernehmen war und wie der SAR-Dienst bei der Suche vorging, bleibt offen. Eine Anfrage bei der Bundeswehr konnte bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beantwortet werden.

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