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Stadt dreht wegen Krawallmachern das Netz ab

Zwischen 21 und 6 Uhr gibt es im Freiberger Zentrum seit Mitte November auf unbestimmte Zeit kein öffentliches WLAN mehr

Die Pedelec-Station beim Freiberger Rathaus ist immer wieder Ziel von Vandalismus. Indem das öffentlich zugängliche Internet im Zentrum gekappt wird, erhofft sich die Verwaltung Besserung. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Pedelec-Station beim Freiberger Rathaus ist immer wieder Ziel von Vandalismus. Indem das öffentlich zugängliche Internet im Zentrum gekappt wird, erhofft sich die Verwaltung Besserung. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Seit rund fünf Jahren ist es im Freiberger Ortszentrum zwischen Rathaus und Prisma möglich, umsonst im Internet zu surfen. Jetzt wird der freie WLAN-Zugang teilweise wieder gekappt. Zwischen 21 und 6 Uhr wird das Angebot „im Sinne der Einhaltung der Nachtruhe“ abgeschaltet, wie es die Stadtverwaltung formuliert. Auf diese Weise soll den zunehmenden Ruhestörungen und Sachbeschädigungen bei Nacht entgegengewirkt werden.

Die Stadt Freiberg war in Sachen öffentlich zugänglicher Internetverbindungen einst Vorreiter im Landkreis Ludwigsburg. Seit Anfang 2015 können sich die Passanten dort per Smartphone oder Tablet im Stadtzentrum zum Nulltarif ins Internet einklinken. Das Angebot wird von der Bürgerschaft und Besuchern der Stadt gut angenommen. So verzeichnete die IT-Abteilung der Freiberger Stadtverwaltung allein im vergangenen Oktober 3547 Anmeldungen ins freie WLAN-Angebot. Ein Wert, den die Stadt in den künftigen Monaten nicht mehr erreichen wird, denn seit Mitte November wird das Rund-um-die-Uhr-Angebot deutlich zurückgefahren. Der Grund: Vor allem in den Sommermonaten hat sich das Zentrum zu einem beliebten Treffpunkt für Jugendliche entwickelt. Dieser Umstand alleine hätte nicht dazu geführt, das öffentliche freie WLAN nachts zu kappen. Doch zunehmende Lärmbelästigungen und Sachbeschädigungen durch Jugendliche ließen der Stadt praktisch keine andere Wahl.

„Die Abschaltung erfolgte auf Anregung der Polizei“, teilt Peter Müller, Leiter des Fachbereichs Recht und Ordnung, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Es handele sich dabei um einen „Versuch auf unbestimmte Zeit“. Er begründete das Vorgehen mit zunehmendem Vandalismus im Ortszentrum vor dem Rathaus und im Bereich der VR-Bank Neckar-Enz. So werden laut Müller beispielsweise Pedelecs aus ihrer Verankerung gerissen und demoliert. Schlösser werden aufgebrochen und Displays abgeschraubt. Und das, nachdem es die Pedelec-Station am Rathaus erst seit gut einem Jahr gibt.

Doch selbst wenn sie nichts zerstören, fallen die Jugendlichen immer wieder negativ auf. Mit lauter Musik und Gegröle sorgen sie regelmäßig für Ruhestörungen. Laut Peter Müller finden die einzelnen Gruppierungen reichlich Gefallen daran, sich bei ihren Taten zu filmen und die Videos anschließend ins Netz zu stellen, um damit zu prahlen. „Ohne WLAN ist das allerdings nicht mehr so einfach möglich“, macht Müller deutlich. Er hofft, die Jugendlichen auf diese Weise vom Zentrum fernhalten zu können. „Mal sehen, ob es Erfolg hat oder lediglich eine Verlagerung an andere Orte gibt“, sagt Müller.

Die meisten Anmeldungen ins öffentliche WLAN im Oktober verzeichnete die Stadt in der Mittagszeit gegen 13 Uhr (über 400). Um 21 Uhr waren es immerhin noch rund 150 Anmeldungen. Der Betrieb des öffentlichen WLAN-Netzes kostet die Stadt im Jahr knapp 630 Euro.

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