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Gesundheit

Statt zur Praxis erst ans Telefon

Die Nase trieft, der Husten plagt und das Fieber zwingt einen in die Knie. Liegt ein grippaler Infekt vor, die Grippe oder gar eine Covid-19-Erkrankung? Wer solche Symptome verspürt, sollte nicht direkt den Hausarzt aufsuchen, sondern dort anrufen. Ob ein Coronatest notwendig ist, wird während des Gesprächs mit dem Arzt entschieden.

Beim Telefonat mit dem Patienten kann der Arzt anhand der beschriebenen Symptome oft schon erkennen, ob ein Coronaabstrich erfolgen muss oder lediglich eine Erkältung vorliegt. Foto: Minerva Studio /stock.adobe.com
Beim Telefonat mit dem Patienten kann der Arzt anhand der beschriebenen Symptome oft schon erkennen, ob ein Coronaabstrich erfolgen muss oder lediglich eine Erkältung vorliegt. Foto: Minerva Studio /stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. Hausärzte haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Nachdem seit Ende September die Infektionskrankheiten wie in jedem Jahr wieder stark zunehmen, steigt auch die Zahl der Coronatests an. „Wir haben täglich eine große Zahl von bis zu 100 Abstrichen pro Tag“, sagt Dr. Marcus Michna von der MVB Allgemeinarztpraxis in Oberstenfeld. Fünf bis zehn Prozent der getesteten Patienten seien positiv. In der Corona-Schwerpunktpraxis können die infektiösen Patienten in einem separaten Container untersucht werden.

Mit der Zunahme insbesondere von infektiösen Atemwegserkrankungen wächst bei den Patienten die Sorge: Ist das etwa Corona? Wie verhalte ich mich jetzt? Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Ärzteschaft im Landkreis Ludwigsburg, rät, bei Erkältungszeichen vom Arbeitsplatz fernzubleiben und soziale Kontakte zu vermeiden. Es sollte auf körperliche Schonung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und lindernde Mittel wie etwa Tees, Flüssigkeit geachtet werden. „Bei schwereren Symptomen, insbesondere Fieber mit Temperaturen über 38,5 Grad und starker Schwächung, sollte zunächst telefonisch die Hausarztpraxis kontaktiert werden“, sagt Carola Maitra. Das unterstreicht auch Joachim Kolb, Facharzt für Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Benningen. „Es ist der Super-GAU, wenn jemand mit schweren Infektsymptomen an der Empfangstheke steht“, sagt er. Deshalb sei es wichtig, sich vorher telefonisch zu melden. Nach ihrer ersten Kontaktaufnahme werden Patienten der Gemeinschaftspraxis zurückgerufen. Für eine telefonische Beratung seien eigens Zeitfenster eingerichtet worden. „Dann wird beispielsweise geklärt, ob die Patienten zu Hause bleiben müssen oder ob ein Abstrich erforderlich ist“, sagt Kolb. Oft sei es notwendig, für eine genaue Diagnose einen Tag später nochmals zu telefonieren. Personen, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19-Erkrankung sehr hoch ist, würden zum Test eingeladen. In einer Corona-Schwerpunktpraxis wie in Benningen und Oberstenfeld ist das ohne Umwege möglich. Hausärzte, die keine Tests durchführen, verweisen auf die Schwerpunktpraxen.

„Wir haben im Landkreis Ludwigsburg ein sehr gutes Netz spezialisierter Corona-Schwerpunktpraxen aufgebaut, in denen nach Voranmeldung gegebenenfalls auch Patientinnen und Patienten anderer Praxen untersucht werden können“, teilt Carola Maitra mit. Die Corona-Praxen seien im Internet unter der Adresse https://www.kvbawue.de/buerger/notfallpraxen/corona-anlaufstellen/corona-karte zu finden. Darüber hinaus können Tests laut der Medizinerin auch in der Abstrichstelle am Klinikum Ludwigsburg durchgeführt werden, die vom MVZ Dr. Kolepke und der Ludwigsburger Ärzteschaft betrieben wird. Hierzu kann ein Termin vereinbart werden unter https://corona-teststelle-ludwigsburg.de/terminreservierung.

Beim telefonischen Kontakt mit dem Hausarzt können die Patienten bis Ende des Jahres wieder die Gelegenheit nutzen, sich ohne Besuch der Praxis krankschreiben zu lassen. Eine Möglichkeit, welche die Ärzteschaft begrüßt und unterstützt. „Gerade in den Zeiten der Coronapandemie wird hiermit die Möglichkeit geschaffen, die Anzahl unnötiger Kontakte zu minimieren“, sagt Carola Maitra. Die Erfahrung zeige, dass die allermeisten Patienten bei Erkältungssymptomen die Schwere ihrer Erkrankung durchaus selbst einschätzen können. Das sieht auch Marcus Michna so, bei dem derzeit ungefähr jeder fünfte Patient per Telefon arbeitsunfähig geschrieben wird. Bei ihm gibt es sogar die Option einer Video-Sprechstunde über das Internet. Joachim Kolb weist darauf hin, dass mit der Möglichkeit, sich über das Telefon krankschreiben zu lassen, die Krankmeldungen zugenommen haben. Ein Grund dafür ist laut dem Arzt, dass die Arbeitgeber an dieser Option interessiert sind. So sei die Hemmschwelle erkrankter Mitarbeiter niedriger, sich einen gelben Zettel zu holen. Laut Carola Maitra gilt die Regel nur für Erkrankungen der oberen Atemwege, also für leichte Erkältungskrankheiten. Bei anderen Erkrankungen ist dieser Weg nicht möglich, und die Arztpraxis muss aufgesucht werden. Anhand der am Telefon gemachten Angaben könne sich der Arzt davon überzeugen, dass eine Krankheit vorliegt, die so leicht ist, dass eine telefonische Behandlung ausreicht.

Mediziner Joachim Kolb befürchtet, dass bis Ende November die Zahl aller Infektionskrankheiten – auch ohne Corona – stark ansteigen wird. „Durch die Schutzmasken hätten sich die Infektionszahlen eigentlich verringern müssen, das ist aber nicht der Fall“, sagt er. Bereits jetzt würde die Benninger Corona-Schwerpunktpraxis bei den Tests an die Kapazitätsgrenze stoßen. Deshalb würden Coronaabstriche künftig nur noch bei ganz typischen Symptomen erfolgen können.

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