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Energieverbrauch

Stoßlüften wegen Corona an Schulen treibt für Kommunen die Energiekosten nach oben

Die Pandemie hat das Leben in vielen Bereichen auf den Kopf gestellt. Wäre man vor Corona nicht auf die Idee gekommen, an den Schulen im Herbst und Winter die Fenster regelmäßig sperrangelweit aufzureißen, so ist das mittlerweile Normalzustand. Die Kommunen bekommen die Rechnung in Form höherer Heizkosten

Unterricht am offenen Fenster: In der kalten Jahreszeit kostet das die Kommunen als Schulträger viel Geld. Archivfoto: Daniel Bockwoldt/dpa
Unterricht am offenen Fenster: In der kalten Jahreszeit kostet das die Kommunen als Schulträger viel Geld. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Marbach. Lüften, lüften, lüften: So lautet an den Schulen das Credo, seit Kinder und Jugendliche Mitte vergangenen Jahres zumindest teilweise wieder in den Präsenzunterricht zurückkehrten. Geändert hat sich ein gutes Jahr später nicht viel: Zahlreiche Schulen haben Luftfilter nur für jene Räume angeschafft, die schlecht oder gar nicht zu belüften sind. Ansonsten lautet der Rat der Experten weiter: Alle 20 Minuten die Fenster öffnen und frische Luft hereinlassen.

Energetisch und ökologisch, aber auch ökonomisch ist das eine Empfehlung mit Folgen. Die Stadt Marbach zum Beispiel hat es jetzt schwarz auf weiß, was es kostet, wenn gerade in den kalten Monaten in den Schulen immer wieder die Fenster aufgerissen werden müssen: Der Heizenergieverbrauch in den Schulen (und Kindergärten) stieg im Pandemiejahr 2020 um rund 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; und das, obwohl die Einrichtungen zeitweise ja sogar ganz geschlossen waren. Diesen Wert hat Marco Leissner vom Büro Bauphysik 5 ermittelt, das die städtischen Liegenschaften alljährlich auf ihren Energieverbrauch hin untersucht und Einsparempfehlungen erarbeitet.

Dass unterm Strich – und witterungsbereinigt – in allen kommunalen Immobilien der Heizenergieverbrauch im vergangenen Jahr „nur“ um 2,7 Prozent anstieg, ist laut Leissner lediglich dem Umstand zu verdanken, dass Einrichtungen wie das Jugendhaus, Sporthallen oder Gebäude für kulturelle Zwecke in der Pandemie gar nicht oder kaum genutzt werden konnten. In solchen Liegenschaften sank der Heizenergieverbrauch sogar um elf Prozent. Aufgrund der geringeren Nutzung vieler Gebäude ist auch der Stromverbrauch im Jahr 2020 um genau diesen Wert gesunken. Alles in allem hat die Kommune gut 440000 Euro für die Stromversorgung und die Heizung ihrer Liegenschaften ausgegeben. Das sind – wegen des deutlich geringeren Stromverbrauchs – rund 17000 Euro weniger als im Jahr 2019.

Dass die Energiebilanz für 2021 besser ausfällt, ist kaum zu erwarten, auch im kommenden Winter werden Schüler wieder in dicken Anoraks vor offenen Fenstern sitzen, um dem Virus keine Chance zu geben. Abgesehen davon, müssen auch die Städte und Gemeinden als Schulträger in der aktuellen Heizperiode höhere Preise für Öl und Gas zahlen.

Hinzu kommt der „Kostentreiber Strom“ (Leissner), gewissermaßen als Kehrseite der fortschreitenden Digitalisierung. Das wird vor allem Städte mit vielen beziehungsweise großen Schulen treffen – so wie die Stadt Marbach, deren weiterführende Schulen mehr als 3000 Kinder und Jugendliche besuchen. „Digitalisierung bedeutet einen höheren Stromverbrauch, eine bessere Technik kompensiert die höhere Zahl an Geräten nicht“, so die Prognose des Fachmanns.

Was das bedeuten wird, zeigt ebenfalls ein Blick ins Jahr 2020: Obwohl der Strombedarf pandemiebedingt niedriger war, wurden in den städtischen Gebäuden 980 Megawattstunden Strom verbraucht. Immerhin hat die Kommune mit Hilfe von Photovoltaikanlagen und der 33-prozentigen Beteiligung am Solarpark Königsbronn 500 Megawattstunden und somit etwa die Hälfte des Bedarfs selbst produziert.

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