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LÄRMAKTIONSPLAN

Tempo 30 bis zur Sommerpause?

Jahrelang hat die Gemeinde vergeblich um eine durchgehende Tempo-30-Zone in der Beihinger und der Ludwigsburger Straße gekämpft. Mit dem Lärmaktionsplan, dessen Entwurf der Gemeinderat am Montagabend beschlossen hat, ist das Tempolimit nun in greifbare Nähe gerückt und könnte noch vor der Sommerpause in Kraft treten.

In der Ludwigsburger Straße erreicht der Lärmpegel tagsüber mehr als 70 Dezibel.Archivfoto: Holm Wolschendorf
In der Ludwigsburger Straße erreicht der Lärmpegel tagsüber mehr als 70 Dezibel. Foto: Holm Wolschendorf

Benningen. Bereits vor einem Jahr hatte der Gemeinderat bei dem Ludwigsburger Planungsbüro BS Ingenieure einen Lärmaktionsplan in Auftrag gegeben. Die Ingenieure erstellten daraufhin eine Lärmkartierung an den beiden Ortsdurchfahrten. Sie untersuchten zudem mögliche Auswirkungen lärmmindernder Maßnahmen auf Verkehrsströme und auf die Sicherheit von Fußgängern und Radlern. Die Ergebnisse stellte Projektleiter Christian Fiegl jetzt im Gemeinderat vor.

Laut Fiegl wird die zulässige Lärmbelastung im Ortszentrum zum Teil deutlich überschritten. An der Kelterkreuzung etwa wurden tagsüber bis zu 74 Dezibel gemessen. In der Beihinger Straße erreichte der Lärmpegel bis zu 73,5 Dezibel, in der Ludwigsburger Straße über 70 Dezibel. Auch nachts sei die Belastung mit teilweise deutlich über 60, zum Teil sogar bis zu 65 Dezibel außerordentlich hoch, berichtete der Ingenieur. Somit seien die zulässigen Grenzwerte, bei denen die zuständigen Straßenverkehrsbehörden Gegenmaßnahmen wie ein Tempolimit bewilligen müssen, deutlich überschritten.

In die Hände spielt den Benningern ein Urteil des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs aus dem Jahr 2018. Damals senkten die Richter die tagsüber zumutbare Lärmbelastung von 70 auf 65 Dezibel, in der Nacht von 60 auf 55 Dezibel ab. Sowohl in der Beihinger als auch in der Ludwigsburger Straße wurden nun eine wesentlich höhere Lärmbelastung gemessen.

Die Benninger haben ihre Hausaufgaben mit der Erstellung des Lärmaktionsplans erledigt, der Gemeinderat stimmte dem Entwurf ohne Ausnahme zu. Jetzt startet die Öffentlichkeitsbeteiligung: Das Planwerk wird voraussichtlich vier Wochen lang ausgelegt, in dieser Zeit können Bürger und Behörden Einwendungen und Stellungnahmen abgeben.

Anschließend arbeitet das Ingenieurbüro diese Anregungen in den Lärmaktionsplan ein. Zentraler Bestandteil ist die Einführung einer durchgehenden, letztendlich vom Ludwigsburger Landratsamt anzuordnenden Tempo-30-Zone, die in der Beihinger Straße von der Einmündung Schafwiesen bis zur Kelterkreuzung und in der Ludwigsburger Straße von der Kelterkreuzung bis zur Einmündung der Merkurstraße reichen soll.

Als weitere mögliche Maßnahmen nannte Fiegl zusätzliche stationäre oder mobile Geschwindigkeitskontrollen. Zudem soll bei künftigen Sanierungen der Beihinger beziehungsweise Ludwigsburger Straße geprüft werden, ob ein lärmmindernder Fahrbahnbelag infrage kommt. „Bei den Lärmwerten sollte das nur eine Formsache sein“, so der Ingenieur. „Die Frage ist eher, wann die nächste Sanierung ansteht.“ Als Formsache dürfte sich laut Fiegl auch die Zustimmung des Landratsamts zu Tempo 30 in den genannten Bereichen erweisen. Nach der öffentlichen Auslegung soll der Gemeinderat den Lärmaktionsplan endgültig verabschieden, danach wird die Gemeinde das Tempolimit beim Landratsamt beantragen. Die Straßenverkehrsbehörde werde diese Maßnahme „mit hoher Wahrscheinlichkeit mittragen“, meinte der Planer.

Auch Bürgermeister Klaus Warthon zeigte sich zuversichtlich. „Das Landratsamt kann unseren Lärmaktionsplan nicht einfach so entkräften, sondern müsste erst mal nachweisen, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen ungeeignet sind.“ Somit könnte die Gemeinde das jahrelang vergeblich beantragte Tempolimit doch noch bekommen, und zwar schon bald: „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir noch vor der Sommerpause durch sind“, lautete am Montagabend die Einschätzung von Ingenieur Fiegl.

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