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Trinkverhalten im Trollingerland verändert sich

Experten rechnen mit einem guten Weinherbst – doch das Konsumverhalten der Menschen hat sich nach Ansicht der größten Vermarktungsinstanz für Württemberger Wein verändert.

Foto: kishivan/stock.adobe.com
Foto: kishivan/stock.adobe.com

Möglingen. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat „günstige Voraussetzungen für gute Weinqualitäten nach einem warmen Sommer ausgemacht“. Auf der Herbstpressekonferenz des Weinbauverbandes Württemberg in Weinstadt im Rems-Murr-Kreis sagte der Minister in dieser Woche: „Glücklicherweise gab es im Juli auch kühlere Phasen und vereinzelt Niederschlag, der die Trockenheit abmilderte.“ Hauk erwartet 2019 deshalb einen in der Menge durchschnittlichen Jahrgang – „der aber von großer Güte sein dürfte“.

Für die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen, mit mehr als 40 Mitgliedern eine der größten weit und breit, dürften das gute Nachrichten sein. Vorstandschef Dieter Weidmann und seine Önologen haben die WZG in den vergangenen Jahrzehnten auf Qualität statt Quantität getrimmt. „Gerade die deutschen Anbaugebiete, und insbesondere Württemberg, haben gewaltige Fortschritte gemacht“, so Weidmann.

Die WZG hat bereits ein gutes Vegetationsjahr 2018 hinter sich mit einer Gesamteinlagerungsmenge von mehr als 24 Millionen Litern – nach der historisch niedrigen Ernte 2017 (wir berichteten). Allerdings bewegen sich die Herrscher des Trollingerlandes Württemberg in einem Umfeld, das sich verändert. Das Problem: Die Deutschen trinken immer weniger Wein.

Das Gesamtmarktvolumen ist laut WZG zum zwölften Mal infolge rückläufig. 2018 stand unter dem Strich ein Minus von 3,3 Prozent. Offenbar ist der Wein damit nicht allein. „Bei sämtlichen Nahrungsmitteln wird kein Wachstum mehr erzielt“, sagt Weidmann. Das habe auch mit der demografischen Entwicklung zu tun. „Wenn die Bevölkerung immer älter wird, trinken und essen die Menschen auch weniger.“

Darüber hinaus beobachten die württembergischen Weingenossen seit einigen Jahren, einen kritischeren Umgang der Konsumenten mit Alkohol, hier nennt Weidmann insbesondere die jüngere Generation unter 40, die immer häufiger auf Alkohol (und damit auch auf Wein) verzichte. Keine Hilfe ist in den Augen der Möglinger offenbar auch die Politik. „Dort steht Alkohol ebenfalls nicht hoch im Kurs“, so der Vorstandsvorsitzende.

Anrüchig ist er gar in den islamisch geprägten Heimatländern vieler Flüchtlinge. Vor allem in Afghanistan gelten alkoholische Getränke als haram, sind also verboten. „Wir haben mittlerweile jede Menge Menschen aus anderen Kulturkreisen in unserem Land“, sagt Weidmann, auch das habe Auswirkungen auf den Konsum. Syrien ist zwar berühmt für seinen Weinanbau, der auch dem seit Jahren tobenden Bürgerkrieg trotzt. Für die württembergischen Weinbauern ist es aber wohl schwierig, Syrer für Lemberger, Trollinger, Riesling und Co. zu gewinnen. „Die Menschen greifen, soweit sie auch aus Weinanbaugebieten kommen, auf ihre Heimatprodukte zurück.“

Mittlerweile haben deutsche Weine in Deutschland einen Anteil von kaum mehr als 40 Prozent. Innerhalb der deutschen Anbaugebiete hat Württemberg wiederum einen Anteil von elf Prozent, rechnet die WZG vor. Das heißt: Der Anteil Württembergs am Gesamtmarkt liegt bei weniger als fünf Prozent.

Weidmann fordert nun, „den Stier bei den Hörnern zu packen“ – und sich an das geänderte Konsumverhalten und die Erwartungen der Verbraucher anzupassen. Mit der Reihe „Rosé Royal“ etwa will die WZG bei den „modernen Frauen von heute mit einem klassischen Roséwein-Konsumentenprofil“ punkten. Zu den WZG-Stars gehört auch die Linie „Süß & fruchtig“ mit den Rebsorten Riesling, Trollinger Rosé und Samtrot. Positiv entwickelt sich offenbar auch der Absatz der sieben heimischen Rebsortenweine. Der Vorstandschef Weidmann ist überzeugt: „Den Kopf in den Sand zu stecken oder gar zu resignieren, hilft weder uns noch unseren Mitgliedsgenossenschaften – und schon gar nicht unseren Erzeugern weiter.“

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