Logo

Tarifrunde

Trotz zweiter Welle: Verdi will in Kliniken streiken

Auch im Kreis wird es morgen – wie hier in Potsdam – zu Streiks an den Kliniken kommen. Foto: Fabian Sommer/dpa
Auch im Kreis wird es morgen – wie hier in Potsdam – zu Streiks an den Kliniken kommen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Kreis Ludwigsburg/Berlin. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst auch das Pflegepersonal in den Kliniken zu Warnstreiks auf. Am Dienstag und Mittwoch werden auch die Krankenhäuser in Ludwigsburg und Bietigheim sowie die Orthopädische Klinik Markgröningen bestreikt. Dabei soll nicht nur das Pflegepersonal in den Normalstationen die Arbeit niederlegen. In Ludwigsburg werden auch Beschäftigte in der Aufnahmestation in Streik treten, wo Patienten der Notaufnahme vor der Verlegung in die Fachabteilungen beispielsweise auf Corona getestet werden.

Landrat Dietmar Allgaier verurteilte die von Verdi angekündigten Aktionen angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen im Kreis. Tatsächlich gib es in Ludwigsburg und Bietigheim wieder Corona-Intensivpatienten. Die Streiks erschwerten die Notfallversorgung, warnte Klinikenchef Jörg Martin. Heftige Kritik gab es auch vom Deutschen Städtetag. In Coronazeiten seien die Menschen genug belastet, sagte dessen Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Rheinischen Post. Streiks in Krankenhäusern empfinde er gerade jetzt als unpassend. Marc Kappler, der die Aktionen von Verdi im Kreis Ludwigsburg leitet, spricht mit Blick auf die Kritik dagegen von einem „Arbeitskampf mit Augenmaß“, der den Arbeitnehmern aufgezwungen werde. Denn gerade das Pflegepersonal, das die erste Coronawelle im Frühjahr unter größten Anstrengungen bewältigt habe, sei besonders streikbereit. Verdi wolle bewusst ein Zeichen setzen, bevor die zweite Welle auch auf den Intensivstationen ankomme. Unterstützung kam von der Kreistagsfraktion der Linken, die sich solidarisch erklärte.

Das Bundesinnenministerium und die Arbeitgeber von Bund und Kommunen sahen am Montag Chancen auf eine Tarifeinigung und damit ein Ende der Warnstreiks in Kliniken, Behörden oder Kitas. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sei zuversichtlich, „am Verhandlungstisch einen Abschluss zu finden“, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Vor der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag zeigte sich auch der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber, Ulrich Mädge, optimistisch. „Wir wollen diese Woche durchkommen – möglichst in zwei Tagen“, sagte er laut Medienberichten. (pro/jsw/dpa)