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Stadtplanung
Umstrittenen Egelsee-Plänen in Tamm nun doch zugestimmt

Anstelle des ehemaligen Hotels soll es künftig Wohnraum, auch für Senioren, und ein Restaurant geben. Foto: Ramona Theiss
Anstelle des ehemaligen Hotels soll es künftig Wohnraum, auch für Senioren, und ein Restaurant geben. Foto: Ramona Theiss
Der Knoten ist durchschlagen. Nach langem Hin und Her gab der Gemeinderat doch noch grünes Licht für die Neuordnung des Geländes am Egelsee. Einige Stadträte haben aber immer noch den Eindruck „eine Kröte schlucken zu müssen“.

Tamm. Mit der nun erfolgten Ratsentscheidung ist der Weg für den Investor frei für ein gehobenes Restaurant, das auch für größere Feiern geeignet ist, betreutes Wohnen für Senioren sowie drei Penthousewohnungen. Die Tennishalle wird dafür um zwei Spielfelder verkleinert, bekommt aber neue Duschen und Umkleiden. Die Stadt übernimmt im Gegenzug 1600 Quadratmeter Grundstück für 70 Euro pro Quadratmeter, auf dem später einmal eine neue Sporthalle gebaut werden könnte.

Bürgermeister Martin Bernhard war von Anfang an von diesem Konzept überzeugt (nicht aber die Mehrheit des Gemeinderats). Er sah darin eine Bereicherung und Zukunftschance für die Stadt. Denn fast jeder Tammer wünsche sich seit Jahren einen größeren Ersatz für das geschlossene Restaurant. Der Bedarf an Wohnraum für Ältere ist vorhanden, die Geschäftsleitung des benachbarten Kleeblattheimes zeigt Interesse, exklusives Wohnen ist gefragt – und so eine große Fläche für nur etwas über 100000 Euro ein echtes Schnäppchen, üblich wäre in der Lage ein Preis von 1,6 Millionen Euro. Man müsse gegen alle diese Argumente abwägen, ob einem ein Tennisplatz mehr dagegen wichtiger sei, so Bernhard.

Investorpläne contra Sport

Den forderte Jürgen Hottmann von den Freien Wählern bereits in der vorangegangenen Gemeinderatssitzung Ende Mai und scharte mit seinem Antrag eine große Tenniskoalition hinter sich. Auch in der Sitzung vom Montag beharrte er auf seiner Meinung, dass der Sport nicht über Gebühr beschnitten werden dürfe, „so begrüßenswert das ganze Projekt an sich auch sei“. Lizzy-Belinde Jökel von den Grünen lobte die gute Jugendarbeit beim Tennis. „Das ist ein kommerzieller Anbieter und kein Verein“, erwiderte Bernhard, und Robert Malessa (CDU) meinte: Wenn dort erst einmal eine weitere Sporthalle für die Allgemeinheit stehe, sei eine deutlich effektivere Nachwuchsförderung möglich. Günter Hofmann von der LLT betonte nochmals, dass man voll hinter dem Vorhaben des Investors stehe.

Den dritten Tennisplatz lehnt der Ilsfelder Investor Rewied ab. In einer weiteren planerischen Untersuchung sei herausgekommen, dass bei dem Erhalt eines dritten Feldes in der Bestandshalle gewaltig Fläche verloren gehe. Dann sei das Gebäude für seniorengerechtes Wohnen mit Atrium nicht mehr umsetzbar. Der hierdurch entstehende Flächenmangel führe auch zu einer kleineren Tiefgarage, wurde dem Gemeinderat in der Beschlussvorlage erklärt. Fazit: Ein dritter Tennisplatz würde den geplanten Neubau architektonisch unmöglich machen. Es würde bedeuten, mit Gebäudekonzept und Entwürfen noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen. Das Unternehmen ist aber nicht bereit, dafür noch mehr Zeit und Geld einzusetzen. Alternativ wäre die notdürftige Sanierung des Bestandes.

SPD bezweifelt Ernsthaftigkeit der Pflegepläne

Blankes Misstrauen schlägt dem Investor seitens der SPD entgegen. Angesichts des Pflegenotstands sei es unsicher, ob wegen des Personalmangels dort überhaupt betreutes Wohnen umgesetzt werden könnte. Alexander Maier befürchtet, dass unter Umgehung der Sozialbindung reguläre Wohnungen durch die Hintertür gebaut werden könnten. Seine Fraktionskollegin Sonja Hanselmann-Jüttner hatte das Thema „Sozialbindung“ noch einmal aufgewärmt, obwohl es bereits von der Mehrheit im Rat abgewiesen worden war. „Der Investor ist bereit, zwei günstigere Wohnungen für das Pflegepersonal zu stellen“, erwiderte Bernhard. Schließlich einigte man sich darauf, das über einen städtebaulichen Vertrag festzuzurren.

Rewied gehört das 6000 Quadratmeter große Gelände bereits seit sechs Jahren und es liegt überwiegend ungenutzt brach. Die ursprüngliche Idee, dort neben einem Restaurant ein Hotel mit 100 Zimmern für Businessgäste zu errichten, machte Corona zunichte. Vor drei Monaten wurde dann ein komplett neues Grobkonzept vorgelegt, das in zahlreichen Sitzungsrunden mit Forderungen und Erwartungen überfrachtet wurde. Beinahe wäre, wie die LKZ ausführlich berichtete, das gesamte Projekt daran gescheitert. Letztendlich stimmten nun alle, bis auf Jürgen Hottmann, dem Grobkonzept zu, die Sozialdemokraten aber, wie sie sagten, nur mit einem schalen Nachgeschmack.