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Synode

Vaihingen soll Sitz des Dekanats sein

An einer Fusion der Kirchenbezirke Vaihingen/Enz und Ditzingen scheint kein Weg vorbeizuführen. Zum Stand der Gespräche wurde nun eigens eine Sommersynode einberufen.

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Eberdingen. „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.“ Mit diesem populären Kirchenlied hatten sich die Synodalen des Kirchenbezirks Vaihingen/Enz im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche in Nußdorf auf die Sondersynode in Sachen Fusionsplan eingestimmt. Ein geistlicher Schulterschluss, der dann auch in praktischer Hinsicht die Folie der Sommersynode abgab. Denn es ist nicht zuletzt eine Frage des Wellengangs, ob ein Schiff auf Kurs bleiben kann oder nicht.

Dass der Kirchenbezirk perspektivisch mit hohem Wellengang zu rechnen habe, machte Albrecht Noller, der Vorsitzende der Bezirkssynode, eingangs deutlich: „Wir erleben zur Zeit noch die fetten Jahre, die mageren Jahre werden aber mit Sicherheit kommen.“

Mit einer weiter sinkenden Zahl von Gemeindemitgliedern würden die Mittel aus der Kirchensteuer sinken, und auch bei den Pfarrstellen müsse man sich auf weitere Reduzierungen einstellen: von aktuell 19,5 auf 13 „oder weniger“. „Diese Herausforderungen lassen sich in einer größeren Einheit besser bewältigen“, stellte Noller fest.

Vor diesem Hintergrund hatten die Synodalen von Vaihingen und Ditzingen bereits im Herbst in gleichlautenden Beschlüssen die Verantwortlichen mit einem Mandat zu „vertiefenden Gesprächen“ ausgestattet. Die entsprechende „Steuerungsgruppe“ hat inzwischen zweimal getagt. Über den Stand dieser Gespräche zu informieren, war nun der Hauptzwecke der Synode. Einiges ist so schon relativ konkret. Etwa, dass Vaihingen Sitz des neuen Dekanats werden und mit seiner Diakonie selbstständig bleiben soll. Zumal Ditzingen diese Aufgaben bereits an die Bezirksdiakonie übertragen hat und so als Außenstelle fungiert. Die Schuldekanate sollen neu eingeteilt werden. Über die Gestaltung der Verwaltungsorgane wurde ebenfalls bereits verhandelt wie über eine Bezirkssatzung samt Verteilung der Kirchensteueranteile.

So betonte Albrecht Noller: „Die Fusion wird kommen, ob wir wollen oder nicht. Wenn wir das jetzt machen, werden wir nicht von äußeren Zwängen getrieben, müssen nicht reagieren, sondern können noch selbst agieren.“ Ins Feld führte er auch, dass bei einer jetzt ins Werk gesetzten Fusion diese von der Landeskirche mit 800 000 Euro flankiert würde: „Das könnten wir für gemeinsame Projekte und zum Ausgleich von Ungleichheiten verwenden.“

Ähnlich ausgestattet hatten 2013 die Kirchenbezirke Bad Urach und Münsingen fusioniert. Mit Spannung wurden so die Erfahrungsberichte von Edmund Friedl und Reiner Mertens erwartet, die im neuen Gesamtbezirk verantwortliche Positionen innehaben. Auch hier hatten schwindende Mitgliederzahlen die Fusion motiviert und der Gedanke das Vorgehen beschleunigt, „so die Gestaltung selbst in der Hand zu haben“, wie Mertens sagte. Die finanzielle Unterfütterung habe „tatsächlich geholfen“. Wichtig gewesen sei, „dass die Fusion kein Kostenspar-Modell war“. Bewahrheitet habe sich die Erwartung, „dass bei den Pfarrern die Aufgaben besser auf mehrere Schultern verteilt werden können“, sagte Friedl und betonte: „Für Kirchengemeinden sind Kirchenbezirke abstrakte Gebilde. Für die Gemeinden selbst, also für die Basis vor Ort, hat sich wenig verändert.“ Im Prinzip habe sich „definitiv nichts zum Schlechteren gekehrt. Es gab keine Gewinner und Verlierer, sondern alle haben profitiert“.

Bestätigt habe sich auch die Hoffnung auf neue Möglichkeiten der Kooperation, und allein die Zusammenfassung „in einem Haushalt hat Synergieeffekte entfaltet“. Durch die vergrößerte Bezirkssynode habe „die Diskussionsfähigkeit nicht gelitten“.

Ein Fehler sei es gewesen, „die Jugendwerke zunächst außen vorgelassen zu haben“. Ein heikler Punkt, der auch in Nußdorf angesprochen wurde, war die Sorge: Verlust von Nähe in der Arbeit mit den jungen Leuten. Inzwischen haben die beiden Jugendwerke fusioniert. In Vaihingen und Ditzingen geht die Tendenz eher Richtung weiterer Selbstständigkeit. Mertens räumte „Defizite in der Kommunikation mit der Basis ein“. Insgesamt zog er ein positives Resümee: „Man muss auch alte Zöpfe abschneiden. Aber die gute Mischung, auch über alte Grenzen hinweg, war gut, um Strukturen zu lockern. Finanziell war es für die Gemeinden ein Nullsummenspiel. Wir sind gut zusammengewachsen, es herrscht ein guter Geist und ein gutes Miteinander.“