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Verwüsteter Platz monatelang unbespielbar

Das neue Jahr hat für den TSV Unterriexingen schlecht begonnen: Die Trainingsfläche ist von Spritköpfen umgepflügt worden – Wie geht es jetzt weiter?

„Unser Verein spielt eine große Rolle im Dorf. Die Leute leiden mit uns“: Marleen Noack, Vorstandsmitglied des TSV Unterriexingen, auf dem malträtierten Rasenplatz. Unten sind die tiefen Furchen zu sehen – gegraben von Autoreifen. Fotos: Benjamin Sto
„Unser Verein spielt eine große Rolle im Dorf. Die Leute leiden mit uns“: Marleen Noack, Vorstandsmitglied des TSV Unterriexingen, auf dem malträtierten Rasenplatz. Unten sind die tiefen Furchen zu sehen – gegraben von Autoreifen. Foto: Benjamin Stollenberg, Alfred Drossel
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Markgröningen. Marleen Noack steht auf dem Trainingsplatz des TSV Unterriexingen an der Enz und schüttelt den Kopf. Sie blickt auf tiefe Furchen, die sich durch den Rasen ziehen. Am Spielfeldrand räumt sie abgeschossene Silvesterraketen beiseite. Die Grashalme sind umgepflügt, das Geläuf an der Jahnstraße ist nur noch ein besserer Acker. Die Spuren stammen eindeutig von Autoreifen, die Chaoten hier wohl am vergangenen Wochenende glühen ließen (wir berichteten). Das Vorstandsmitglied sagt am Freitag: „Wir sind immer noch richtig wütend. Unser Verein spielt eine große Rolle im Dorf. Die Leute leiden mit uns.“ Unterriexingen kommt auf rund 2400 Einwohner, 800 von ihnen sind Mitglied im TSV.

Dabei sind sie in Unterriexingen Kummer gewöhnt. Im Sommer steigt die erste Mannschaft aus der Bezirksliga ab. Im Winter wird der Hauptplatz gesperrt, weil das Wasser von oben nicht vernünftig abfließen kann. Die letzten Ligaspiele müssen nach Oberriexingen verlegt werden, mit den Nachbarn unterhalten die Unterriexinger eine Spielgemeinschaft. Außerdem ist es für den TSV keine Premiere, dass Spritköpfe die Spielfläche umpflügen. Bereits im Dezember heizen Unbekannte über den Rasen. „Dieses Mal war es aber schlimmer“, sagt Noack.

Der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner hat in dieser Woche den Betriebshofleiter Ottmar Deffner nach Unterriexingen geschickt. Seine Diagnose lautet: Die Fahrspuren auf dem unteren Sportplatz können nicht mehr repariert werden. „Wir müssen die gesamte Fläche jetzt mit Spezialgeräten wieder herrichten lassen“, sagt Kürner unserer Zeitung. Eine Fachfirma soll den Schaden beziffern, dann kommt die Tat zur Anzeige bei der Polizei.

Allerdings kann der Schaden laut Stadt wohl erst bei einigermaßen trockenem Wetter behoben werden. Bespielbar ist der Rasen aber erst nach einigen Wochen – und zwar nach Ende der Reparaturarbeiten. Der Bürgermeister macht klar: „Der Trainingsplatz fällt für Monate aus.“

Noch halten sich die Auswirkungen in Grenzen, weil sich die TSV-Fußballer von den Bambinis bis zu den Altherren in der Winterpause befinden. Doch die Gespräche mit den Oberriexingern, die ihre Infrastruktur auch den Unterriexingern zur Verfügung stellen könnten, seien laut Noack schon angelaufen.

Die Frage, wie Chaosfahrer künftig vom Unterriexinger Trainingsplatz ferngehalten werden können, ist aktuell noch unbeantwortet. „Eine umläufige Barriere, wie es sie früher einmal gab, wäre sinnvoll“, sagt der Bürgermeister Kürner. Allerdings fehlt sie derzeit an drei Seiten des Sportplatzes. Der Grund: Er befindet sich im Überschwemmungsgebiet der Enz. „Wenn das Schmelzwasser aus dem Schwarzwald kommt, steht unser Trainingsplatz komplett unter Wasser“, sagt Noack. „Das passiert alle paar Jahre.“ Den Hauptplatz für die Ligaspiele und Pokalmatches hat die Stadt deshalb erhöht anlegen lassen. Außerdem wurde das Vereinsheim verlegt. Die meisten Balustraden hat die Stadt vor einiger Zeit abbauen lassen: Weil Treibgut sie bei Hochwasser angegriffen hatte.

Bisher wollte der TSV Unterriexingen keine Barrieren um die gesamte Anlage. „Wir sind ein offener Verein“, sagt Noack. Kinder oder ein Team des evangelischen Jugendwerks zocken in ihrer Freizeit auf dem Gelände. Der TSV-Vorsitzende Thomas Arnold betont jedoch unter dem Eindruck der jüngsten Chaosfahrt: „Es sollte ein Weg gefunden werden, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen.“ Kürner und seine Mitarbeiter aus dem städtischen Bauamt wollen nun die baurechtliche und wasserrechtliche Situation prüfen – und danach entscheiden, ob, und auf welche Art, die Anlage gesichert werden kann. „Aufgrund der häufig auftretenden Hochwasser ist genau zu überlegen, was an dieser Stelle sinnvoll ist“, sagt der Bürgermeister unserer Zeitung. „Hindernisse könnten das Hochwasser verstärkt in den Ort leiten.“

Eine heiße Spur gebe es laut Kürner noch nicht. Der Rathauschef hat am Freitag aber für Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.

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