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STÄDTEPARTNERSCHAFT

Viele Freundschaften entstanden

Rund 900 Kilometer weit sind St. Martin de Crau und Markgröningen voneinander entfernt und doch sind sie sich ganz nah. Vor 30 Jahren haben die beiden Städte eine Partnerschaft geschlossen. „Ein weitsichtiger Schritt“, ist Bürgermeister Rudolf Kürner überzeugt.

Bürgermeister Rudolf Kürner (Zweiter von rechts) freut sich mit seinem Amtskollegen Dominique Teixier (Zweiter von links) und anderen Gästen aus der Partnerstadt über die gelungene und schon 30 Jahre währende Verbindung der beiden Kommunen.Fotos: And
Bürgermeister Rudolf Kürner (Zweiter von rechts) freut sich mit seinem Amtskollegen Dominique Teixier (Zweiter von links) und anderen Gästen aus der Partnerstadt über die gelungene und schon 30 Jahre währende Verbindung der beiden Kommunen. Foto: Andreas Essig
Entenparade mit einem schwarzen Schaf auf dem Kirchplatz.
Entenparade mit einem schwarzen Schaf auf dem Kirchplatz.
Sonderbriefmarke mit Schaf.
Sonderbriefmarke mit Schaf.
Spezialitäten aus der Partnerstadt.
Spezialitäten aus der Partnerstadt.
Auch vor dem Rathaus wird gefeiert.
Auch vor dem Rathaus wird gefeiert.

Markgröningen. Die beiden Städte vereint unter anderem die besondere Beziehung zum Schaf. Nur, dass in Frankreich zum Frühlingsfest zehn Mal so viele Tiere wie beim Markgröninger Schäferlauf durch die Straßen getrieben werden.

Zum Festakt anlässlich des Partnerschaftsjubiläums waren auch viele „Enten“ aufgebrochen. Ein Dutzend dieser Citroën-Klassiker starteten drei Tage vorher und legte 1180 Kilometer zurück. Denn auf die Autobahn verzichteten die Fahrer der Vehikel mit nur zwölf PS, die sie auf bis zu 105 Stundenkilometer beschleunigen – bergab allerdings. Die am Zielort angebotenen kleinen Stadtrundfahrten mit ihnen nahmen die Markgröninger gerne an. Auf dem Kirchplatz und vor der Stadthalle reihte sich die Entenparade auf. Außerdem wurden provenzalische Spezialitäten angeboten; etwa Stier-Tapé für das die Partnerstadt bekannt ist.

Als Eintrittskarte zum Festabend wurde exklusiv eine Postkarte speziell zum Jubiläum ausgegeben. Das Motiv der Sonderbriefmarke: Schafsköpfe, gestaltet von der Markgröninger Künstlerin Marion Johnen. Dazu war ein auch Sonderstempel erhältlich. Der Philatelistische Club (PCM) stellte einen nostalgischen Briefkasten auf. Dort konnte das Schriftstück an sich selbst adressiert aufgegeben werden. „Oder an jemanden, den so ein Sammlerstück freut“, erklärte Walter Marchart vom PCM. Die Briefmarkenvereine der beiden Kommunen seien eine wesentliche Konstante der Städtepartnerschaft, betonte Wolfgang Milde, der zusammen mit der Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Gudrun Riesenberg, durch den Abend führte.

Lammragout mit Spätzle wurde als Festmahl serviert. Jazz und Folklore spielte die Gruppe „La Malle aux Art“. Die Präsidentengarde der Fasnetsgilde tanzte. Nicht aber die Gäste. Der Versuch, sie dazu zu bewegen, scheiterte. Geschenke wurden ausgetauscht: St. Martin de Crau bekam ein deutsches Ortsausgangsschild mit dem Hinweis, dass es bis Markgröningen noch 900 Kilometer sind. Für die Partnerstadt hatte der frühere Bürgermeister Claude Vulpian ein Bild vom Markgröninger Rathaus gemalt.

Beflügelt von der Idee, in direkten Begegnungen von Mensch zu Mensch für internationale Verständigung und Zusammenarbeit zu wirken, fanden sich im Jahr 1989 Menschen aus St. Martin de Crau und Markgröningen zusammen, um eine Städtepartnerschaft ins Leben zu rufen. „Daraus entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte, aus der Freundschaften wurden“, würdigte Bürgermeister Rudolf Kürner. Er selbst sei in seinem Amt mit der Städtepartnerschaft aufgewachsen, die sich speziell an der Umwelt ausrichtete. „Mir bedeutet diese Jubiläumsfeier viel.“ Damit werde der Wille bekräftigt, die bewährte Partnerschaft zu pflegen und fortzuführen. Er nutzte die Stunde den Bürgern beider Städte, für ihren Einsatz zur deutsch-französischen Freundschaft zu danken. „Ohne das Engagement vieler Einzelner, die sich ihrer historischen Verantwortung bewusst waren und die Chance zur Verständigung ergriffen, wären wir heute nicht so weit.“

In den zurückliegenden 30 Jahren seien die Beziehungen immer stabiler, enger und verlässlicher geworden. Die Verantwortlichen der ersten Stunde hätten haltbare Brücken gebaut. Vielfältigste Kontakte seien entstanden. „Politiker und Unternehmer tauschen sich ebenso aus wie Künstler und Sportler. Vereine und Verbände tragen die Partnerschaft ebenso wie die Schulen“, so Kürner. Seit 1989 hätten so unzählige Begegnungen auf offizieller und persönlicher Ebene stattgefunden. „Städtepartnerschaften sind auf Zukunft gerichtet. Deshalb steht der Jugendaustausch von Beginn an im Mittelpunkt.“ Die gegenseitigen Besuche erweiterten den Horizont und sorgten für Toleranz. Das seien wichtige Kompetenzen in einer globalisierten Welt. „Das ist ein Baustein für eine kosmopolitische Haltung.“

„30 Jahre sind ein Symbol für Treue und Langlebigkeit, die auch diesem Fest Kraft geben“, sagte Bürgermeister Dominique Teixier, der nach seiner Wahl erstmals Markgröningen besuchte. Sie basiere auf dem Wunsch und der Notwendigkeit des Teilens über sprachliche und kulturelle Barrieren hinweg. Städtepartnerschaft lebe in erster Linie von den Begegnungen der Menschen. Beide Städte zeigten den gemeinsamen Willen, den anderen in allen Bereichen täglich ein wenig besser kennenzulernen und zu schätzen. „Diese Städtepartnerschaft ist ein Erfolg.“ Das 30-jährige Jubiläum sei nur eine Etappe. Es soll als Sprungbrett dienen, um eine Zukunft mit vielen Entdeckungen, menschlichen Beziehungen und Freundschaft zu bauen. Am Ende ließen alle Fesgäste die Städtepartnerschaft hochleben.

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