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S-Bahn

Viertelstundentakt der S-Bahn am Samstag in zwei Schritten

Für die Korntaler und Ditzinger ist es schon seit neun Jahren Standard, für die Anwohner der Linien S4 und S5 soll das Angebot jetzt in zwei Schritten folgen: Die S-Bahn fährt tagsüber künftig auch an Samstagen im Viertelstundentakt. Die erste Stufe – der 15-Minuten-Takt zwischen 13 und 18 Uhr – soll ab Dezember gefahren werden.

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Kreis Ludwigsburg. Nach vorangegangener Klausursitzung und einem Grundsatzbeschluss im Juli schien das gestrige Votum des Verkehrsausschusses des Verbandes Region Stuttgart (VRS) eigentlich Formsache. Doch Freien Wählern und AfD kommt die zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember zündende erste Stufe zu schnell; den Beginn des kompletten Programms ein Jahr später trugen aber auch sie mit. Den Teilstart schon im Winter setzten CDU/ÖPD, Grüne, SPD und Linke/Piraten aber auch so mit breiter Mehrheit durch.

Die stufenweise Einführung des Viertelstundentakts auf allen sechs S-Bahnlinien vor vier Jahren – zunächst nur unter der Woche und zu den Stoßzeiten – habe der S-Bahn einen enormen Schub gebracht, sagt VRS-Verkehrschef Jürgen Wurmthaler. Den versprechen sich Verbandsverwaltung und Regionalparlament nun auch von der zweistufigen Taktausweitung an Samstagen.

Denn der Samstag ist auch in der Region längst der Tag mit dem stärksten Einkaufs- und Freizeitverkehr. Zwischen 2015 und 2019 – also vor dem Einschnitt durch Corona – wuchs die Nachfrage bei der S-Bahn an Samstagen um 20 Prozent. Zwar ist das Fahrgastaufkommen durch die Pandemie eingebrochen. Doch, so die Überzeugung der deutlichen Ausschussmehrheit: Mit dem verbesserten Angebot werde man einem veränderten Freizeit- und Konsumverhalten gerecht: Das biete die Chance, die allmählich wieder erstarkenden Fahrgastzahlen über den sogenannten Gelegenheitsverkehr vollends zu normalisieren und so auch neue Stammkunden hinzuzugewinnen. Außerdem erhofft sich das Gros der Regionalräte schon vom ersten Schritt eine schnelle Wiederbelebung des Einzelhandels und der Innenstädte – nicht nur in Stuttgart.

Allerdings geht die Region als Aufgabenträgerin für die S-Bahn diesen Schritt im Alleingang – ohne die Landkreise, die sich schon bei der Einführung des Viertelstundentakts unter der Woche übergegangen gefühlt hatten. Der Böblinger Alt-Landrat Bernhard Maier (FWV) nannte das jetzige Vorgehen des VRS daher ein „grobes Foul“ an den Kreisen: Mit ihnen müsse man vor der Einführung des neuen Samstagsangebots sprechen – auch weil sie für die Busse zuständig sind, die die ÖPNV-Kunden zur S-Bahn bringen oder abholen sollen. Deshalb solle man erst 2022 starten, dann aber gleich mit dem vollen Angebot.

Die anderen Fraktionen widersprachen: Ein fairer Umgang mit den Kreisen sei wichtig, entscheidend für den Erfolg des ÖPNV sei aber der Kunde, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Dieter Scheerer. Außerdem, so Sozialdemokrat Thomas Leipnitz, werde die Verkehrsumlage, die von den Landkreisen an die Region zu überweisen ist, geringer ausfallen als bisher prognostiziert. Das bessere Angebot an die Kunden koste die Kommunen also kein zusätzliches Geld. „Wir stellen die Signale auf Grün“, sagte CDU-Mann Rainer Ganske, sehr zur Freude des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen, Michael Lateier. Es sei kein Beinbruch, wenn nicht gleich alle Busse im Gleichtakt mit der S-Bahn führen, sagte der.

Dass der Viertelstundentakt an Samstagen ab Dezember erst einmal nur an den Nachmittagen gefahren werden soll, liegt tatsächlich weniger am Geld als am Fahrpersonal. Das muss erst rekrutiert werden und ist bekanntlich rar. Ab Dezember 2022 sollen die S-Bahnen dann samstags auf allen Linien von 8.30 bis 20.30 Uhr viertelstündlich fahren. Eine Einschränkung allerdings bleibt: Wegen der knappen Trassenkapazitäten kommt der 15-Minuten-Takt auch samstags nur dort, wo die S-Bahn von montags bis freitags ebenfalls alle 15 Minuten fahren kann. Der Viertestundentakt auf der S4 bricht also auch samstags in Marbach, für Erdmannhausen und Kirchberg bleibt es beim Halbstundentakt der S40.

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