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Wachsende Risse auf Reaktorkuppel projiziert

Spektakuläre Aktion der Atomkraftgegner am GKN II – Nicht angemeldete Aktion verzögert sich durch technische Probleme

Nächtliche Aktion am Kernkraftwerk Neckarwestheim. Foto: Ausgestrahlt
Nächtliche Aktion am Kernkraftwerk Neckarwestheim. Foto: Ausgestrahlt

Neckarwestheim/ Gemmrigheim. Atomkraftgegner haben am frühen Mittwochmorgen mit einer spektakulären Aktion auf neu festgestellte Risse an den Dampferzeuger-Heizrohren im Kernkraftwerk Neckarwestheim aufmerksam gemacht.

Die nicht angemeldete Aktion hätte eigentlich vor Mitternacht stattfinden sollen. Mit einem Beamer wollten die Aktivisten von „Ausgestrahlt“ aus Hamburg Risse auf die Reaktorkuppel von GKN II projizieren. Doch technische Probleme zwangen fast dazu, die Aktion abzublasen. Erst gegen vier Uhr morgens gelang es, den Beamer in Stellung zu bringen. Auf der Betonkuppel erschienen fiktive Risse und das Motto der Aktion: „Riss-Reaktor abschalten bevor es kracht“.

Anlass der Aktion, die schon einmal in dieser Form stattgefunden hatte, waren Informationen der Anti-Atom-Organisation, dass sich angeblich neue Risse in den Dampferzeuger-Heizrohren des Kraftwerks gebildet haben sollen, wie Franz Wagner vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) betonte (wir berichteten). Das sei das Ergebnis der aktuellen Riss-Untersuchungen, sagt Wagner, über die weder die EnBW Kernkraft als Betreiberin noch das Umweltministerium bisher informiert hätten. „Atomkraftgegner fordern deshalb, den Riss-Reaktor abzuschalten“, unterstreicht Herbert Würth vom Aktionsbündnis aus Ludwigsburg. Um diese Gefahr deutlich zu machen, projizierten die Aktivisten einen wachsenden Riss auf die Reaktorkuppel.

Seit 2018 sei bekannt, dass der Reaktor im gestörten Betrieb sei, erklären die Organisatoren der Aktion weiter. Damals wurden die ersten Risse an den Heizrohren der vier Dampferzeuger von GKN II gefunden. Nach Reparaturen der schadhaften Rohre im Zuge der Revisionen ging Neckarwestheim II jeweils wieder ans Netz.

Die geschädigten Dampferzeuger seien bisher nicht ausgetauscht worden. „Ein Kraftwerk in einem derart gestörten Zustand weiterzubetreiben, widerspricht nicht nur dem deutschen kerntechnischen Regelwerk, sondern missachtet auch international geltende Sicherheitsstandards“, betont Franz Wagner. Das AKW hätte bereits 2018 nicht mehr ans Netz gehen dürfen, ergänzt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND Baden-Württemberg. Die erneuten Rissfunde belegten, dass der Reaktor nicht sicher betrieben werden könne. Ende 2022 soll GKN II als letztes deutsches Atomkraftwerk vom Netz gehen.

Erst vor wenigen Monaten habe die Reaktorsicherheitskommission ausdrücklich davor gewarnt, dass solche Risse jederzeit auch sehr schnell wachsen könnten. Reiße auch nur ein einziges der mehr als 16.000 Heizrohre ab, sei das bereits ein komplizierter Störfall, der sich bis zum Super-GAU entwickeln könne. „Die Atomaufsicht muss eine Wiederinbetriebnahme ohne vorherigen Austausch aller vier defekten Dampferzeuger untersagen“, fordert Herbert Würth.

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