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Natur

Wasserbüffel als Landschaftspfleger

Wasserbüffel werden sich ab dem kommenden Frühjahr in der Talaue zwischen Großbottwar und dem Steinheimer Ortsteil Kleinbottwar tummeln. Die kernigen Urviecher sollen dort als Landschaftspfleger tätig werden.

Auf diesem zwölf Hektar großen Areal, das vom Radweg (unten im Bild) und der alten Straße von Klein- nach Großbottwar begrenzt wird, sollen ab Frühjahr Wasserbüffel grasen.Fotos: Oliver Bürkle
Auf diesem zwölf Hektar großen Areal, das vom Radweg (unten im Bild) und der alten Straße von Klein- nach Großbottwar begrenzt wird, sollen ab Frühjahr Wasserbüffel grasen. Foto: Oliver Bürkle
Projektpartner und Sponsoren fanden sich gestern zum Spatenstich ein. Für die Büffel muss ein Weideunterstand gebaut werden. In der Mitte Initiator Claus-Peter Hutter.
Projektpartner und Sponsoren fanden sich gestern zum Spatenstich ein. Für die Büffel muss ein Weideunterstand gebaut werden. In der Mitte Initiator Claus-Peter Hutter.

Großbottwar/Steinheim. Claus-Peter Hutter von der Stiftung Nature Life International hatte die „Landschaftspflege mit Biss“ schon 2014 gemeinsam mit dem Kabarettisten Christoph Sonntag ins Spiel gebracht. Die Idee, in der Aue der Bottwar ein Dutzend Wasserbüffel anzusiedeln, war allerdings nicht auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Der Steinheimer Gemeinderat und der Ortschaftsrat Kleinbottwar sprachen sich gegen das Vorhaben aus, die Großbottwarer Stadträte dagegen unterstützten das Projekt mehrheitlich.

Hutter und seine Projektpartner konnten sich aber gegen alle Widerstände durchsetzen, und so fiel gestern der offizielle Startschuss. In einem ersten Schritt entsteht unweit des Radwegs in der Talaue, etwa auf halber Strecke zwischen Groß- und Kleinbottwar, ein Weideunterstand. Die Betonplatte ist bereits gegossen, in den kommenden Wochen soll das Gebäude entstehen.

Bis zum Frühjahr wird ein etwa zwölf Hektar großes Areal zwischen dem Radweg auf der einen und der Landesstraße 1115 auf der anderen Seite der Bottwar mit Elektrozäunen eingefasst. Auf dieser Fläche werden – je nach Vegetationsstand – ab April oder Mai zunächst sechs Wasserbüffel weiden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere Tiere folgen, so dass schließlich ein Dutzend Büffel die Talaue bevölkern werden. Auf einer Brücke können die Rinder die Bottwar überqueren.

„Im Prinzip machen wir hier nichts anderes als Rinderhaltung“, erläuterte Hutter gestern den erschienenen Projektpartnern und Sponsoren. Ganz nebenbei erfüllen die in ausgewachsenem Zustand bis zu 500 Kilogramm schweren, als gutmütig geltenden Wasserbüffel eine wichtige Funktion als Landschaftspfleger. Die ausdauernden Graser verhindern die Verbu-schung und vertilgen auch minderwertige, aber dominante Futterpflanzen wie Binsen, Seggen oder Brennnesseln. An deren Stelle treten weniger dominante Arten wie Sumpfdotterblume, Blutweiderich oder Sumpf-Vergissmeinnicht, die sich sonst nicht durchsetzen könnten.

Wenn es im Sommer heiß wird, suhlen sich die Tiere gerne im Schlamm. So entstehen Kuhlen, die sich mit Wasser füllen und wichtige Refugien für Reptilien wie die Gelbbauchunke oder den Wasserfrosch bilden. Hutter geht davon aus, dass auch andere Tierarten wie die bereits ansässige Ringelnatter davon profitieren. Durch das Suhlen formen die Wasserbüffel zudem dynamische Uferstrukturen, in denen gefährdete, auf solche Lebensräume spezialisierte Pflanzen gedeihen.

Hutter ist überzeugt davon, dass auch diverse Vogelarten wie Kiebitz, Bekassine oder Uferschnepfe die strukturreichen Wiesen und Schlammflächen schätzen werden. Nicht zuletzt soll die Talaue Lebensräume für Insekten bieten. „Die Insektenbestände in Deutschland und Europa sind wegen der massiven Verwendung von Düngemitteln und Pestiziden in der Landwirtschaft um 70 bis 80 Prozent eingebrochen“, mahnte Hutter.

Vielfältige Lebensräume seien wichtiger denn je. Das Wasserbüffelreservat könne natürlich nicht alle Probleme lösen, sei aber ein wichtiger Baustein im nachhaltigen Landschaftsmanagement. „Wir brauchen möglichst viele solche ökologischen Bausteine“, betonte Hutter.

Zum Erfolg des Projekts sollen auch eine wissenschaftliche Begleitung und die Öffentlichkeitsarbeit beitragen. Von den Weinbergen aus können Spaziergänger das gesamte Areal überblicken und sich auf einem Erlebnispfad per Smartphone über die Lebensweise der Wassserbüffel und anderer Tiere in der Talaue informieren. Auch mit Schulen, etwa der Kleinbottwarer Paul-Aldinger-Schule, will die Stiftung Nature Life zusammenarbeiten. „Es geht uns darum, Natur und Kultur zusammenzubringen und ganzheitliches Denken zu fördern“, betonte Hutter.

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