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Werbeprämie gefällt nicht allen

„Der Fachkräftemangel spitzt sich zu“, sagte Bürgermeister Markus Kleemann in der Ratssitzung am Donnerstagabend. Für die Kommune werde es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Eine Werbeprämie soll die Suche erleichtern und mehr Personal das Arbeiten in den Kitas attraktiver machen. Manche Räte scheinen damit aber nicht so ganz glücklich zu sein.

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Wer einen neuen Mitarbeiter für das Rathaus wirbt, bekommt 350 Euro.Archivfoto: Oliver Bürkle

Oberstenfeld. Die eindeutig gefassten Beschlüsse im Gremium waren das eine, die von den Freien Wählern vorgebrachte Kritik das andere. So hielt FW-Gemeinderätin Annette Ulmer wenig von der Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Prämie. Genau 350 Euro sollen ab 1. November Mitarbeiter erhalten, wenn sie einen potenziellen Kollegen oder eine Kollegin für eine Tätigkeit in der Gemeinde werben. Ausbezahlt wird das Geld aber erst, wenn der Umworbene die Probezeit bestanden hat. Für Annette Ulmer sind Werbeprämien der falsche Weg, hohe Wertschätzung sei besser, das Geld sollte lieber an anderer Stelle eingesetzt werden. Bürgermeister Markus Kleemann rechnet mit jährlichen Kosten von 5000 Euro für die Werbeprämien, die von Annette Ulmer sowie ihrer Fraktionskollegin Inge Zimmermann abgelehnt wurden. Die jetzt beschlossene Prämie soll dabei für alle Tätigkeitsbereiche in der Gemeinde gelten.

Nur die Kindertageseinrichtungen betreffen hingegen der erweiterte Personalschlüssel und die erhöhte Anrechnungszeit von Leitungstätigkeit. Beides soll Dauerstress verhindern und die Qualität erhöhen helfen. So mussten jüngst im Kinderhaus Wirbelwind aufgrund eines nicht planbaren Personalmangels die Öffnungszeiten zum Unmut der Eltern kurzzeitig reduziert werden. Die Gemeinde will nun den höheren Personalschlüssel sowie die ausgeweitete Leitungszeit entsprechend den Empfehlungen des evangelischen Landesverbandes verwenden. Während die angepasste Leitungszeit laut Ratsbeschluss für alle Kindertageseinrichtungen gelten soll, wird mit dem höheren Personaleinsatz erst einmal im Kinderhaus Wirbelwind begonnen. Das bedeutet: Zwei zusätzliche Stellen und Mehrkosten von 114 000 Euro im Jahr. Würde die Gemeinde in allen Kitas den Personalschlüssel des evangelischen Landesverbandes umsetzen, müsste sie laut Berechnungen 11,7 zusätzliche Stellen schaffen.

Die Freien Wähler stimmten zähneknirschend zu, nur Michael Sommer enthielt sich des Votums, die Fraktion sparte aber nicht mit Kritik an der Vorgehensweise. Michael Sommer stieß dabei die nichtöffentliche Vorberatung des Themas vor allem zur geschilderten Situation im Kinderhaus Wirbelwind sauer auf. Er habe sich nicht ausreichend informiert gefühlt, so Sommer, der außerdem den Bedarf für die beiden zusätzlichen Stellen anzweifelte. Der sei bei den Eltern abgefragt worden, entgegnete Bürgermeister Kleemann. FW-Rätin Annette Kori sprach von viel Geld für zwei zusätzliche Stellen und bezweifelte, ob die Kommune sich das überhaupt leisten könne.

CDU-Rätin Monika Bächle hielt es für fraglich, ob die Stellenbesetzung überhaupt gelingt, unterstützte aber den eingeschlagenen Weg. Frühkindliche Bildung müsse einem das wert sein, so Bächle. „Wir stehen nicht am Rande des Bankrotts“, meinte SPD-Rat Hanns-Otto Oechsle und sein Fraktionskollege Günter Perlinger unterstrich, dass es sich bei der Kinderbetreuung um eine Pflichtaufgabe handle, die Anpassung an die Empfehlungen des evangelischen Landesverband sollte sukzessive folgen. FW-Rat Michael Meder unterstützte Sommers Kritik zur schlechten Vorstellung in nichtöffentlicher Sitzung, signalisierte aber Zustimmung, so dass die Maßnahmen für Mitarbeiterbindung und -werbung greifen können.