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Literatur

Wider den allgegenwärtigen Ernst

Ursula Jetter präsentiert den neuesten Band der „Exempla“-Literaturzeitschrift

Ursula Jetter. Foto: Holm Wolschendorf
Ursula Jetter. Foto: Holm Wolschendorf
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Möglingen. Satire – was sonst wäre in diesen Zeiten, in denen die Coronapandemie auf bisweilen kuriose Weise den Rhythmus des Alltags diktiert, als Thema angemessener für eine Literaturzeitschrift? Das dachte sich auch Ursula Jetter und arbeitete in der ersten Jahreshälfte fieberhaft an dem neuesten Band ihrer „Exempla“ weiter, die bereits im 45. Jahrgang erscheint. Dass es eine Satire-Ausgabe werden würde, war allerdings schon Ende vergangenen Jahres klar. „Ich hatte da irgendwie einen Riecher“, sagt Jetter und schmunzelt.

22 Autoren konnte die Herausgeberin diesmal für diese Publikation unter schwierigen Umständen gewinnen – sie selbst ist natürlich ebenfalls mit zwei Texten („Die Blockade“, „Die Karrierefrage“) darin vertreten. Natürlich geht es auch, aber bei Weitem nicht nur um das leidige Virus, sondern oft um Liebe, gesellschaftspolitische Themen – oder schlicht alltäglichen Nonsens.

Bei der aktuellen „Exempla“-Ausgabe, die in einer Auflage von 400 Stück erscheint, hatte Ursula Jetter mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen: Coronabedingt gab es keine finanzielle Unterstützung von außen, sie hatte keine Sekretärin und auf die übliche Druckerei konnte sie auch nicht zurückgreifen. Hier und da stimmt daher das Layout nicht ganz, manches ist improvisiert. „Ich dachte mir halt: Entweder ich mache etwas, so wie es eben geht, oder ich lasse es bleiben“, erzählt Jetter. Doch sie wollte die älteste Literaturzeitschrift des Landes nicht ruhen lassen – also machte sie. „Es ist ein echtes Corona-Produkt, mit Charme und eigentlich ganz hübsch“, sagt sie nun und lächelt. Etwas anders zu sein – das passt ja auch irgendwie zur Satire. Herausgekommen ist dabei jedenfalls ein vergnüglicher und geistreicher Querschnitt durch die vielen satirischen Formen, „gereimt und ungereimt“, optisch ansprechend ergänzt durch Illustrationen von Klaus Bushoff.

Viele Veranstaltungen seien in den vergangenen Monaten abgesagt worden, klagt Ursula Jetter, darunter drei Lesungen, zwei Vorträge und ein Kabarettabend zum „Exempla“-Band. Und ihre Schreibwerkstatt bei der Katholischen Erwachsenenbildung ohnehin – bei maximal fünf Teilnehmern (statt 16) wäre das zwecklos und ungerecht gewesen, Schreiber auszuwählen. Stattdessen habe sie nun viel Zeit für das neue Heft gehabt, wie sie sagt. „Ich hätte das sonst kaum fertiggebracht.“

Info: Ursula Jetter (Hrsg.): „Exempla“-Literaturzeitschrift, Ausgabe 2019/2020, Jahrgang 44/45, „Satirischer Zugriff, gereimt und ungereimt“, Ludwigsburg 2020, 76 Seiten, 10 Euro. Erhältlich ist der Band in der Mörike-Buchhandlung in Ludwigsburg und bei der Herausgeberin, Telefon (07141) 24 19 46.

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