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Klärschlamm

Widerstand gegen Klärschlammverwertungsanlage in Gemmrigheim wächst

Beim Stichwort Klärschlamm gehen die Emotionen hoch. In Gemmrigheim steigen einige Bürger wegen der geplanten Anlage auf die Barrikaden. Sie wollen sich mit Hilfe der Politik gegen den geplanten Bau auf dem Gelände des Walheimer Kraftwerks wehren.

Die geplante Klärschlammverwertungsanlage ist in dieser Visualisierung neben dem bestehenden Kohlekraftwerk zu erkennen. Fotomontage: EnBW
Die geplante Klärschlammverwertungsanlage ist in dieser Visualisierung neben dem bestehenden Kohlekraftwerk zu erkennen. Fotomontage: EnBW

Gemmrigheim/Walheim. Seit bekannt wurde, dass die EnBW eine rund 80 Millionen teure Klärschlammverwertungsanlage, kurz KVA, errichten will, laufen die Anrainer, allen voran in Gemmrigheim, Sturm. Sie wollen keine Klärschlammverwertungsanlage in unmittelbarer Nähe von bewohntem Gebiet (wir berichteten mehrfach). Der Grund: Sie befürchten Geruchsbelästigung, Schadstoff- und Verkehrsbelastung.

Doch nicht nur die Bürgerschaft in Gemmrigheim stemmt sich gegen das Projekt, auch die Politik hat keine Freude an den Plänen der EnBW. Am heutigen Dienstag stehe ein Treffen mit dem Landtagsabgeordneten und Kirchheimer CDU-Gemeinderat Tobias Vogt an, teilen Manfred Sannert und Sven Herold, beide CDU-Mitglieder des Gemmrigheimer Ortsgremiums, im Gespräch mit unserer Zeitung mit. „Im Moment ist es so, dass es sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene Politiker gibt, die sich irritiert zeigen, ob der Pläne der EnBW“, fügt Herold hinzu.

Wie bereits in der Julisitzung des Gemeinderats zeigt er sich emotional: „In der Bürgerschaft herrscht Entsetzen über das geplante Projekt.“ Er finde es „ziemlich frech, so ein Ding an dieser Stelle bauen zu wollen, betont Herold. Mit der geplanten Anlage bekommt Gemmrigheim neben dem bestehenden Kraftwerk einen zweiten Klotz vor die Nase gesetzt.“ Nach Herolds Dafürhalten habe die EnBW „das Maß verloren“: Erst sei das Endlager in Neckarwestheim gekommen, das als Zwischenlager deklariert worden sei, nun sei die Klärschlammverbrennungsanlage geplant. Was kommt als Nächstes?, fragt er sich. „Ein Giftlager?“ Dass eine KVA auf dem Areal des Walheimer Kohlekraftwerks entstehen soll, erschließe sich ihm immer noch nicht, ärgert sich Sven Herold, denn in Heilbronn betreibe die EnBW eine „Riesenanlage“. Warum der Klärschlamm nicht dorthin gebracht werde, kapiere er nicht. „Wir sind der Mülleimer der EnBW“, fügt Herold enttäuscht hinzu.

Bestürzt über die Pläne der EnBW ist sein Gremiumskollege Manfred Sannert. „Wir sind gegen das Teil, das in diesem sensiblen Bereich des Naturdenkmals Steillagen entstehen soll. Dadurch wird ein Kulturgut zerstört.“ Die Gemmrigheimer seien die Hauptleidtragenden, ärgert sich Sannert, denn je nachdem, „aus welcher Richtung der Wind weht, bekommen wir 80 Prozent der entstehenden Gerüche ab. Die Walheimer bekommen wenig bis gar nichts davon mit“. Sannert ist davon überzeugt, dass die Nachbarkommune sich damit keinen Gefallen tut und, was die Lebens- und Wohnqualität anbelangt und mittel- bis langfristig gute Chancen vergibt. Aber auch in Walheim, soll sich – laut Sannert einem Gerücht zufolge – Widerstand gegen den geplanten Standort formieren. Jedenfalls, betont Sannert, stehe man mit den umliegenden Kommunen in Kontakt und spreche sich ab, „wir wollen die Anlage nicht“.

Dem kann Rudi Ringwald nur zustimmen: „Wir kämpfen mit allen Mitteln, dass die Anlage nicht gebaut wird.“ Der Gemmrigheimer ist – wie berichtet – einer von zahlreichen betroffenen Anwohnern, die die Entwicklung des Projekts mit Sorge betrachten, da er nur wenige Meter Luftlinie entfernt von der geplanten Anlage wohnt. Allein schon die Begrifflichkeit stört ihn, dürfe es nicht Klärschlammverwertungsanlage, sondern müsse korrekt Klärschlammverbrennungsanlage heißen.

Um so positiver gestimmt ist Ringwald, Rückendeckung vom Gemmrigheimer Gemeinderat zu haben. Der hat nämlich in seiner Sitzung vor der Sommerpause, mit 13 Ja-Stimmen und einer Enthaltung die Pläne der EnBW missbilligend zur Kenntnis genommen. Doch damit nicht genug, denn Ringwald betont: „Wir haben auf allen politischen Ebenen alle Register gezogen und Statements der beiden Landtagsabgeordneten Vogt und Tayfun Tok von den Grünen, die die Pläne der EnBW betreffen.“

Und wie ist nun der Stand der Dinge? Aktuell gibt es in Sachen Klärschlammverwertungsanlage keinen wesentlich neuen Sachstand, teilt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit. „Die EnBW hatte Anfang Juni die Kommunikation gestartet, um so früh wie möglich und transparent über unser Vorhaben zu informieren. Und um in die Diskussion mit der Öffentlichkeit in Walheim und benachbarten Kommunen zu gehen und dabei die mit einem solchen Projekt einhergehenden Fragen offen zu beantworten. Hierzu hat es in diesem Sommer mehrere Termine gegeben.“ In den vergangenen Wochen haben, bedingt durch die Urlaubzeit, keine weiteren Gespräche stattgefunden. „Klar ist aber, dass der Bedarf für eine solche Anlage unverändert groß ist– sowohl für die weitere Bearbeitung der Rückstände kommunaler Kläranlage aus der Region, als auch wegen des Themas Phosphor-Recycling“, teilte der Konzernsprecher mit. Die Planungen sowie Ausschreibungen für die KVA seien inzwischen weiter fortgeschritten und die interne Investitionsentscheidung für das Projekt werde entsprechend vorbereitet. „Sollte die Entscheidung positiv ausfallen, wird das Projektteam die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Stuttgart vorbereiten, um den Antrag Mitte 2022 einreichen zu können.“

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