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Selbsterzeuger
Wieder Hoffnung für den Hofverkauf in Erligheim

Kann nur noch dieses Jahr an gewohnter Stelle bleiben: der Hofverkauf der Familie Umbach in der Löchgauer Straße. Archivfoto: Holm Wolschendorf/LKZ
Kann nur noch dieses Jahr an gewohnter Stelle bleiben: der Hofverkauf der Familie Umbach in der Löchgauer Straße. Archivfoto: Holm Wolschendorf/LKZ
Gute Nachrichten für die Familie Umbach: Das Ludwigsburger Landratsamt prüft nun nochmals, ob der geplante alternative Standort für ihren Selbsterzeuger-Verkauf nicht doch in Erligheim möglich ist – auch dank der Berichterstattung unserer Zeitung.

Erligheim. Voller Spannung blickt der Erligheimer Bürgermeister Rainer Schäuffele auf die Entscheidung, die das Landratsamt Ludwigsburg zu einem Hofverkauf in seiner Kommune treffen wird. Denn für den Pflanzenstand der Familie Umbach wird ein neuer Standort in der Gemeinde gesucht. Am bisherigen Platz auf dem Areal Große Scheune/Grüner Baum kann er nicht bleiben (wir berichteten). Das Gelände in der Ortsmitte soll umgestaltet werden, die denkmalgeschützten Gebäude darauf saniert und die übrigen für Neubauten abgerissen werden. Um den Plänen der Gemeinde nicht im Weg zu stehen, haben Umbachs ihr Grundstück an sie verkauft.

Es gibt einen alternativen Platz

Einen alternativen, ebenso zentralen Platz hatte man bereits im Auge, ein bislang unbebautes Grundstück hinter der örtlichen Bäckerei. Mit den Eigentümern sind sich Umbachs auch schon einig geworden. Sie würden es ihnen zur Verfügung stellen, um dort für den saisonalen Verkauf eigener Erzeugnisse eine Zeltkonstruktion als Verkaufsstand zu errichten. Doch muss dies von behördlicher Seite erst noch bewilligt werden. Das Problem dabei: Formale Gründe sprechen gegen den Selbsterzeuger-Verkauf an dieser Stelle. Das Grundstück liegt nämlich in einem Allgemeinen Wohngebiet. Deswegen sind dort eigentlich nur nicht störende Handwerksbetriebe sowie Läden, die der Versorgung des Gebiets dienen, zulässig. Beides trifft auf den Selbsterzeuger-Verkauf der Umbachs nicht zu, wie der Gemeinde von der Kreisbehörde zunächst mitgeteilt wurde. Aufgrund dessen musste die Verwaltung dem Ortsparlament nahelegen, das Einvernehmen zum Bauantrag der Umbachs nicht zu erteilen. Doch da spielte der Gemeinderat nicht mit.

Seit rund 60 Jahren in Erligheim

Der Hofverkauf der Umbachs kommt in Erligheim nämlich einer Institution gleich. Seit rund 60 Jahren verkauft die Familie an ihrem in der Ortsmitte gelegenen Gehöft von Frühjahr bis Herbst saisonale Früchte sowie Kräuter im Topf und Gemüsesetzlinge. Die eigene Landwirtschaft in Erligheim hat man zwar vor Kurzem altersbedingt aufgegeben. Doch Klaus Umbach, der den Stand auch mit frischer Ware seiner Heilbronner Gärtnerei versorgt, führt ihn dennoch weiter. Unsere Zeitung hatte mit ihm über die nach wie vor starke Verbindung seiner aus Erligheim gebürtigen Familie sowie die Bedeutung des Verkaufs dort für seinen Betrieb gesprochen und über die Debatte im Gemeinderat dazu berichtet – was offenbar auch im Landratsamt aufmerksam verfolgt wurde. „Das hat im Landratsamt Widerhall gefunden“, frohlockt Schäuffele. An höchster Stelle liege die Angelegenheit derzeit: „Es wird geprüft, ob es Möglichkeiten für eine Ausnahme gibt.“ Seitens der Kreisbehörde wird dies bestätigt. Aufgrund des Votums des Erligheimer Gemeinderats prüfe man nochmals, ob eine Genehmigung als sonstiger nicht störender Gewerbebetrieb ausnahmsweise in Betracht kommt, teilt die Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage mit. Ausnahmsweise könnten auch sonstige nicht störende Betriebe zugelassen werden. Allerdings müssten immer beide Seiten betrachtet werden, das Interesse des Bauherrn, aber auch jenes der Anwohner. Mehr könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen, weil die Prüfung noch nicht abgeschlossen sei

Jetzt heißt es abwarten

In Erligheim hat man Hoffnung geschöpft, dass der Selbsterzeuger-Verkauf doch eine Zukunft im Ort hat. „Es ist doch nicht alles so in Stein gemeißelt, dass es unbedingt abgelehnt werden muss“, stellt Schäuffele mit Erleichterung fest. Vor allem freut ihn auch, dass die Stimme des Erligheimer Gemeinderats in der Kreisstadt nicht ungehört geblieben und nochmals Bewegung in die Angelegenheit gekommen ist. Jetzt heißt es abwarten.