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Schwarzpulverschießen

Wieder Wildwest auf der Obstwiese

Hunderte Westernfreunde haben auch beim 41. Internationalen Schwarzpulverschießen ihre Zelte wieder auf der Obstbaumwiese in Sersheim aufgeschlagen.

Cowboys unter sich : Die Ausrüstung muss stimmen. Die Schießwettbewerbe sind allerdings nur ein Teil des Spektakels. Foto: Alfred Drossel
Cowboys unter sich : Die Ausrüstung muss stimmen. Die Schießwettbewerbe sind allerdings nur ein Teil des Spektakels. Foto: Alfred Drossel

Sersheim. Sersheim liegt seit Ostern im Wilden Westen: Pulverdampf und Indianer, Wigwams und Saloonstimmung. Das 41. Internationales Schwarzpulverschießen findet zwar erst anfang Mai, in zwei Wochen statt, doch das Lagerleben hat schon längst begonnen. Zu dem Westerntreffen kommen die Hobbyisten aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland.

Mehr als 600 Westernfreunde lassen historische Figuren aus dem Wilden Westen und dem amerikanischen Bürgerkrieg für zwei Wochen auferstehen. Einige Tausend kommen als Besucher in die kleine Zeltstadt.

Western-Treffen heißt: Es wird bunt. Und es wird laut. Trapper, Indianer, Fellhändler und Soldaten treffen sich in originalgetreuer Kleidung. Mit ihren Traditionswaffen treten sie in zahlreichen Schießwettbewerben im Sersheimer Schützenhaus an. Der Verein ist auch Gastgeber des größten Westernspektakels in Süddeutschlands.

Doch das Westerntreffen ist nicht nur etwas für Schützen. Es ist ein Familientreff. Kinder können sich im Bogenschießen messen. Ein Spaziergang durch das Camp vermittelt Jahrmarkt-Atmosphäre. Ebenfalls auf dem Programm: Trapperlauf mit Fährtenlesen, Hufeisenwerfen und Goldwaschen.

Händler bieten Decken, nachgebildete Waffen, Kleidung und Schmuck an. Handwerker lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen. Auch Livemusik nach Western Art wird es geben. Im Saloon gibt es deftiges Essen wie im Wilden Westen.

Egal, ob Anwalt, Arzt oder Arbeiter: Alle sitzen zusammen am Lagerfeuer, beschreibt „Graubart“ Robert Supper die Faszination des Hobbyisten-Treffens. Seit 41 Jahren organisiert der „Graubart“ als Marshall das Treffen. Auch in diesem Jahr hat er das Geschehen im Griff. Seine Wohnung hat er zusammen mit seiner Frau in eine Holzhütte am Waldrand verlegt, damit er mittendrin sein kann.

Zum Treffen kommen viele Freunde. David Bernhard aus Lüneburg beispielsweise. Der 58-jährige ist Beamter und schlüpft – wann immer es geht – in die historischen Klamotten. Der 52-jährige Fahrlehrer Klaus Jost aus Pforzheim hat vor zwölf Jahren das Westernleben entdeckt und ist voll infiziert.

Trapper und Indianer kommen aus Frankreich und England, aus Österreich und den Niederlanden. Aber auch aus der Region. In der Brust der 51-jährigen Ute Bemsel aus Stuttgart schlagt jetzt zwei Wochen lang das Herz einer Indianerin. Michaela Hoffmann aus Kornwestheim (53) ist von Beruf Krankenschwester. Seit 25 Jahren kommt sie zum Westerntreff nach Sersheim. Auch Christian Steinenbronn, der ursprünglich aus Kornwestheim stammt, jetzt aber in Mönchengladbach lebt und Drucker von Beruf ist, hat umgeschaltet und denkt nur noch wie ein Marshall im Wilden Westen.

Amerikanische Geschichte nicht nur hören, sondern live sehen und miterleben, das wollen die Bewohner des Westernlagers bei Sersheim. George Washington, der Einfluss der Kolonialmächte, Stamm der Apachen, Thomas Jefferson, Mardi Gras, Buffalo Bill, Civil War sind bekannte Namen und Begriffe aus der amerikanischen Geschichte, die jeder schon mal gehört hat.

Umso spannender wird es, das alles live mitzuerleben. Und das ist in Sersheim jetzt möglich. Die Hobbyisten, die dies im Authentikbereich eindrucksvoll leben und zeigen, freuen sich, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit den Besuchern zu teilen.

„Graubart“ Supper stellt zufrieden fest, dass sich vermehrt auch junge Leute im Westernlager wohlfühlen. Die 14-jährige Giorgina kommt schon seit ihrem ersten Lebensjahr mit den Eltern nach Sersheim. Jetzt hat sie ein eigenes Schlafzelt. Im einfachen Kleid einer Indianerin fühle sie sich wohl, sagt sie.

Schon Ende Januar beginnen in der Regel die Vorbereitungen zum Westerntreffen. Jetzt an Ostern wurde der Platz dann freigegeben. Und im Nu waren die Zeltplätze mit den großen weißen Wigwams am Waldrand und mit den flachen Wohnzelten samt Küchenvorbau auf der Obstbaumwiese belegt.

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