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Demografischer Wandel

Wohnen erhält eine zentrale Rolle

Altersgerechtes Wohnen, Ruftaxis und Telemedizin – Der baden-württembergische Demografiebeauftragte Thaddäus Kunzmann hat über Herausforderungen des demografischen Wandels gesprochen.

Besigheim. Viel zitiert und wohl noch mehr gescholten, das wird der demografische Wandel. Aber was steckt hinter dem Begriff? Und was bringt diese gesellschaftliche Entwicklung mit sich? Mit Fragen wie diesen hat sich Thaddäus Kunzmann, der Demografiebeauftragte des Landes Baden-Württemberg, in seinem Vortrag „Der demografische Wandel und seine Herausforderungen“ beim Neujahrsempfang der CDU Besigheim im Sportstättenrestaurant beschäftigt.

Dabei umriss er zunächst die Situation in Baden-Württemberg in den kommenden 40 Jahren. Diese weicht erheblich von jener in anderen Bundesländer ab. „Baden-Württemberg wird noch eine beträchtliche Zeit bevölkerungsmäßig wachsen. Damit ist es ein Unikat in Deutschland.“ Der Grund hierfür sei die wirtschaftliche Stärke des Landes. Durch die flächendeckend starke Wirtschaftsstruktur gebe es außerdem kein ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle. Davon, dass Dörfer aussterben wie anderenorts, sei man deswegen weit entfernt. Allenfalls im Schwarzwald und auf der Alb seien gebietsweise Bevölkerungsrückgänge zu verzeichnen. Der Landkreis Ludwigsburg indes sei in der Fläche ein Wachstumslandkreis. Dennoch verändere sich die Demografie, indem auf die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Jahre geburtenschwache nachfolgen.

„Das Problem dabei ist nicht, dass mehr Menschen älter werden. Die Herausforderung ergibt sich durch die Verschiebung der Verhältnisse“, betonte Kunzmann. „Auf die vielen Älteren kommen weniger Jüngere.“ Daran könne auch die jetzt wieder steigende Geburtenzahl nichts ändern. Ebenso lasse sich dies nicht durch den Zugewinn von Arbeitskräften auffangen. Zumal die osteuropäischen Ländern –. „unser bisheriges Reservoir an Arbeitskräften“ – selbst massive Bevölkerungsrückgänge zu verzeichnen hätten. „Jeder muss sich also selbst vorbereiten.“ Hierfür hat Kunzmann vier Handlungsfelder ausgemacht: Wohnen, Versorgung, Mobilität und Gesundheit.

Eine zentrale Rolle kommt dabei für Kunzmann vor allem dem Wohnen zu. Denn die meisten wollen und werden in ihren eigenen vier Wänden älter. Eine große Herausforderung hierbei sei, dass gleichzeitig Familienstrukturen sich zurückentwickeln, sprich die Zahl der Ledigen und Geschiedenen zunimmt. Derweil betrifft der Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel auch Pflegeberufe. „Wir müssen uns mit dem Wohnungsbestand auseinandersetzen“ – von dem 70 Prozent in keiner Weise barrierefrei sei. Davon, dass es zu wenig gibt, könne man hingegen nicht sprechen. „Wir haben kein Wohnraumproblem. Den haben wir in Hülle und Fülle, aber er ist schlecht genutzt“, meinte Kunzmann. Denn vielfach lebten gerade ältere Menschen in großen Häusern. Kunzmanns Lösungsansatz: „Wer Wohnraum für junge Familien schaffen will, muss altersgerechten Wohnraum schaffen.“ So ließen sich die Themen Wohnen und Versorgung näher zusammenbringen. Wichtig hierfür sei vor allem, dass altersgerechtes Wohnen in den Ortsmitten entsteht. Zudem brauche es eine Förderung privater Wohnungsumbauten. Schließlich könne sich nicht jeder den Umzug in eine Neubauwohnung leisten.

Zum Thema Mobilität stellte Kunzmann klar, dass es hierbei um viel mehr geht als um die Frage, wie man wo hinkommt. „Mobilität beginnt für ältere Menschen bereits an der Haustüre.“ Damit gehe es für diese zugleich um Teilhabe. Denn wer sein Haus nicht mehr verlasse, der vereinsame. Weil herkömmliche große Busse bei älteren Menschen, wie Umfragen ergeben hätten, wenig Akzeptanz finden würden, seien kleinere Angebote wie etwa Bürgerbusse und Ruftaxis gefragt. Zudem müsse man sich im öffentlichen Raum auf Senioren einstellen durch beispielsweise gute Ausleuchtungen und Ruhebänke.

Angesichts des Mangels an medizinischen und Pflegekräften komme des Weiteren dem Thema Gesundheit eine große Bedeutung zu, wobei es vor allem um Krankheitsprävention gehen müsse. Eine Rolle dabei werde aber auch die Telemedizin spielen.

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