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Natur
Wünsche nach mehr Badeseen in der Region Stuttgart bleiben wohl unerfüllt

Das macht Lust auf einen Ausflug: Menschen planschen im Seewaldsee nahe dem Vaihinger Stadtteil Horrheim. Oberer und unterer See liegen etwas versteckt im Wald, die Wasserqualität gilt als ausgezeichnet. Foto: Alfred Drossel
Das macht Lust auf einen Ausflug: Menschen planschen im Seewaldsee nahe dem Vaihinger Stadtteil Horrheim. Oberer und unterer See liegen etwas versteckt im Wald, die Wasserqualität gilt als ausgezeichnet. Foto: Alfred Drossel
Nur elf Badegewässer gibt es rund um Stuttgart – darunter sind die Seewaldseen bei Horrheim. Doch weitere kommen voraussichtlich nicht dazu.

Kreis Ludwigsburg. Eine ältere Dame lässt sich auf ihrer Luftmatratze gemächlich über den See treiben, ein Mann kreist bei Außentemperaturen um 30 Grad um sie herum. Die Wasserqualität ist hier top – das hat die Europäische Umweltagentur den beiden Seewaldseen im Vaihinger Ortsteil Horrheim attestiert. In den 80er Jahren hat die Stadt die Gewässer anlegen lassen. Gespeist werden sie jedoch aus natürlichen Waldquellen, heißt es.

Die beiden Seewaldseen gehören zu elf offiziell ausgewiesenen Badeseen in der Region Stuttgart. Weitere finden sich in den Kreisen Rems-Murr und Esslingen. Böblingen, Göppingen und Stuttgart liegen dagegen auf dem Trockenen – und das wird wohl so bleiben, auch wenn die Linkspartei jetzt versucht hat, eine Offensive für mehr Badestellen einzuleiten. Der Stuttgarter Regionalrat Christoph Ozasek sagte in dieser Woche im regionalen Planungsausschuss: „Badeseen sind Magnete für Erholungssuchende.“

Bei Unfällen sind Bürgermeister mit einem Bein im Gefängnis

Die Linke ist davon überzeugt, dass die Seen-Sucht der Menschen in den kommenden Jahren angesichts von Hitzestress, anhaltender Trockenheit und Waldbrandgefahr steigen werde. Darüber hinaus könnten naturnahe Gewässer laut Ozasek eine Schutzfunktion bei Starkregen oder Hochwasser einnehmen.

Doch im Ausschuss ging seine Fraktion trotzdem baden. Ursächlich dafür sind die Kommunen, die neue Seen durchwinken und betreiben müssten. „Die Zurückhaltung ist groß“, sagt Christine Baumgärtner, Landschaftsplanerin beim Verband Region Stuttgart. Sie hat in den vergangenen Monaten Gespräche mit Verwaltungen geführt und eine Sorge gespürt: dass Bürgermeister bei möglichen Unfällen mit einem Bein im Gefängnis stehen.

Vor zwei Jahren verurteilte ein Amtsgericht in Nordhessen den Rathauschef der Kommune Neukirchen wegen fahrlässiger Tötung – begangen durch Unterlassen. In einem Dorfteich ertranken drei Kinder, 5, 8 und 9, weil sie ohne ihre Eltern an der Badestelle gespielt hatten. Die Staatsanwältin argumentierte: „Ein Bürgermeister trägt die Verantwortung für seine Bürger.“ Der Schultes war der Ansicht, dass die Nutzung des Gewässers dem allgemeinen Lebensrisiko obliege. „Leider ist es heutzutage so, dass man immer einen Schuldigen suchen muss“, sagte der Stuttgarter Regionalpräsident Thomas Bopp im Ausschuss. „Beim Baden wird man aber nun einmal nass.“

Hochsicherheitstrakte mit Stacheldraht will keiner

Um der Haftung zu entkommen, müssten Kommunen nun Personal bereitstellen, viel Geld investieren und rund um die Seen Schilderwälder anlegen, das will aktuell aber so gut wie keiner. An Gewässern, die zudem Hochsicherheitstrakten mit Stacheldraht ähneln, findet auch der Linke Ozasek keinen Gefallen.

Die Region will den Blick jetzt Richtung Flüsse richten. Seit einigen Jahren versucht sie, die Naherholungsqualität des Neckars unter dem Motto „Adressen am Fluss“ zu erhöhen. Projekte laufen in Besigheim, Mundelsheim oder Remseck. „Wasser hat eine hohe Anziehungskraft und Faszination für die Menschen“, sagt der CDU-Regionalrat Roland Schmid. Eine Allgemeinverfügung verbietet es allerdings, im Neckar zu baden oder zu schwimmen. „Die Leute machen es trotzdem“, sagt Schmid. Auch Grüne und SPD bezeichnen es als „richtigen Gedanken“, Pläne am Neckar weiterzuverfolgen, die über Strandpromenaden hinausgehen.

Der örtliche Regionalrat Kai Buschmann gab sich im Ausschuss als Fan des Remsecker Neckarstrandes zu erkennen. An der Remsmündung buddeln die Menschen hier im Sand, lesen, picknicken oder schauen einfach nur aufs Wasser. Wegen der schlechten Wasserqualität empfiehlt es die Stadt nicht, im Neckar zu baden oder zu schwimmen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt warnt zudem vor Schleusen, großen Schiffen und schnellen Sportbooten, die den Sprung in den Fluss gefährlich machen.

Am Neckarstrand sorgt eine Sicherheitsfirma für Ordnung

Remseck hat der Neckarstrand nicht nur Freude gebracht. Laut Buschmann müsse der Sand regelmäßig ausgetauscht werden. Müllsammler seien hier ständig im Einsatz. Darüber hinaus laufe ein privates Sicherheitsunternehmen Streife. Die Kosten für die Kommune hätten sich vervielfacht. Der Remsecker Liberale Buschmann ist sich sicher: „Hätte man von diesen Problemen im Vorfeld gewusst, wäre der Neckarstrand in Remseck niemals umgesetzt worden.“