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Zum Beten muss man seinen Teppich selbst mitbringen

Neben den Kirchen dürfen auch die Moscheen inzwischen wieder ihre Türen öffnen – Nicht alle Gemeinden schöpfen die Möglichkeiten gleich voll aus

Wer in der Pleidelsheimer Moschee betet, legt seinen Teppich auf einen der vorbereiteten Teppiche.Foto: Ramona Theiss
Wer in der Pleidelsheimer Moschee betet, legt seinen Teppich auf einen der vorbereiteten Teppiche. Foto: Ramona Theiss

Pleidelsheim/Kornwestheim. Sein Leben lang hatte Sever Kurt kein Abendgebet verpasst, weshalb der Muslim die Einschränkungen durch die Coronakrise vor allem während des Ramadans als „dramatisch“ empfindet. Denn in dieser Zeit – im Jahr 2020 dauert sie vom 23. April bis zum 23. Mai – hat das Zusammenkommen und gemeinsame Warten auf das Fastenbrechen für ihn, wie im Islam generell, eine große Bedeutung. Doch immerhin ist die Pleidelsheimer Moschee der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) seit dem 9. Mai wieder für Gebete geöffnet.

Anstatt der im Islam üblichen fünf Gebete am Tag gibt es laut Sever Kurt, Vorstandsmitglied im Pleidelsheimer Ortsverein der IGMG, derzeit nur drei – morgens, mittags und nachmittags. Die Moschee darf nur mit Schutzmaske betreten werden. „Jeder muss seinen Gebetsteppich von zu Hause mitbringen“, erzählt er weiter, was sich mit der Wiederöffnung geändert hat. Im Gebetsraum wurden Teppiche im erforderlichen Abstand platziert. Darauf legen die Gläubigen dann ihre eigenen. Vor dem Betreten der Moschee muss man zudem die Hände desinfizieren, und alle Besucher werden erfasst.

Während man sich früher nach dem Gebet die Hand gereicht habe, gehe es nun sofort wieder nach Hause, so Sever Kurt. Auf die Einhaltung des Abstands und der weiteren Vorschriften legten er und die anderen Vorstandsmitglieder viel Wert. Die rund 230 Mitglieder aus Pleidelsheim und umliegenden Orten haben sie alle per Brief darüber informiert. „Einige von ihnen sind schon froh, dass sie die Moschee wieder besuchen können“, so Sever Kurt. Freitags- und Ramadangebete wird es bis auf Weiteres aber nicht geben können.

Außerhalb der Gebetszeiten ist in der Moschee nur der Imam jeden Tag mehrere Stunden vor Ort, falls Spender oder andere Besucher vorbeikommen. Er nimmt auch alle zwei bis drei Tage eine kurze Predigt auf, die als Video auf Facebook gestellt wird. Während des Ramadans sind tägliche Lesungen aus dem Koran üblich. Statt in der Moschee können die Mitglieder diese nun in Echtzeit auf Youtube verfolgen. „Das sollen sie lieber von zu Hause machen“, sagt Sever Kurt vor allem im Hinblick auf die älteren Mitglieder, die es zu schützen gelte.

Sehr schade findet er, dass die mit der Gemeinde Pleidelsheim geplanten Aktivitäten ausfallen müssen, darunter ein gemeinsames Essen und Gespräch mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen und Nationen im Ramadan. „Wir sind aber für jeden Schritt dankbar“, so Sever Kurt über die allmählich erfolgenden Lockerungen.

Etwas anders geht man in der Türkisch-Islamischen Gemeinde der Ditib in Kornwestheim mit den neuen Möglichkeiten um. Laut Recep Aydin, dem Ehrenvorsitzenden der dortigen Moschee, bleibt der Gebetsraum zunächst geschlossen, und es werden keine gemeinsamen Gebetszeiten angeboten. „Wir wollen die Verantwortung nicht übernehmen“, sagt er im Hinblick auf die Kontrollen, die erforderlich wären. Alle in der Gemeinde seien nämlich nur ehrenamtlich tätig.

Zudem dürfen aktuell die Waschräume der Moscheen noch nicht wieder geöffnet werden, was laut Recep Aydin aber Fremden oder Menschen, die nicht direkt von zu Hause kommen, den Besuch erschweren würde. Im Vorstand habe man deshalb entschieden, den Gebetsraum noch für etwa zwei bis drei Wochen geschlossen zu lassen. Die Mitglieder hätten dafür Verständnis gezeigt. Gebetet werden könne jedoch im Eingangsraum. Dort fänden bis zu zwei Personen gleichzeitig Platz, weitere müssten gegebenenfalls außen warten. Auch hierfür muss jeder Gläubige seinen eigenen Gebetsteppich mitbringen.

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