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Zwischen abwarten und absagen

Das Sozialministerium Baden-Württemberg und das Landratsamt im Kreis Ludwigsburg empfehlen, wegen des Coronavirus Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern abzusagen. Wie gehen die Kommunen und die Veranstalter im Kreis Ludwigsburg damit um?

Großveranstaltungen mit Fragezeichen: Wenn die Behörden es nicht untersagen, spielt Bülent Ceylan (links) am Donnerstag in der ausverkauften MHP-Arena. Auch im Kornwestheimer „K“ (hier die Show „Glanz auf dem Vulkan“) beobachtet man die Lage.Fotos: D
Großveranstaltungen mit Fragezeichen: Wenn die Behörden es nicht untersagen, spielt Bülent Ceylan (links) am Donnerstag in der ausverkauften MHP-Arena. Auch im Kornwestheimer „K“ (hier die Show „Glanz auf dem Vulkan“) beobachtet man die Lage. Foto: Dominik Rossbach/dpa, Benjamin Stollenberg
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Kreis Ludwigsburg. „Sowohl bei Veranstaltungen ab einer Größenordnung von rund 1000 Besuchern, als auch Seniorenfeiern empfehlen wir die Absage der Veranstaltung“, erklärt Andreas Eschbach vom Landratsamt Ludwigsburg in einem Schreiben an die Städte und Gemeinden. Denn hier bestehe ein erhöhtes Infektionsrisiko. Aber wer kommt für den Schaden auf, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird? Das hängt nach Auskunft aus dem Landratsamt zunächst von den jeweiligen Verträgen ab. Eventuell würden die Vermieter der Räume wegen der besonderen Situation Entgegenkommen zeigen. In der Regel würden die Kosten aber zulasten der Veranstalter gehen. Das Landratsamt stellt schon mal vorsorglich klar, dass es bei Absagen keine Kosten übernehmen kann.

Ludwigsburg: Auch wenn sie beteuern, das Thema Coronavirus ernst zu nehmen, halten sich die meisten Kulturveranstalter in der Barockstadt noch bedeckt. Das liegt auch daran, dass die standardmäßig abgeschlossenen Versicherungen im Falle einer Absage wegen des Virus meist nicht zahlen würden – am Ende blieben die Veranstalter also auf den gesamten Kosten sitzen. Der künstlerische Leiter des Forums, Lucas Reuter, betont, dass Prognosen schwierig seien, da sich die Situation täglich ändern könne. „Wir werden Veranstaltungen erst absagen, wenn es dazu eine Anordnung der Behörden gibt“, sagt er. „Stand jetzt läuft der Betrieb aber weiter.“ Auch Absagen vonseiten der Künstler aus dem Forum-Programm gebe es bislang nicht.

„Unsere Veranstaltungen werden planmäßig stattfinden, sofern kein Verbot ausgesprochen wird“, erklärt auch Daniel Niedrich vom Ludwigsburger Veranstalter Eventstifter, der als nächste größere Veranstaltungen am 19. März die Musikshow „Rock meets Classic“ in der MHP-Arena und drei Tage später Konstantin Wecker im Forum im Programm hat.

„Wir beobachten das natürlich intensiv und wollen mögliche Gefahren nicht herunterspielen – aber wir können auch nicht einfach alles absagen.“ Man dürfe die Tragweite nicht unterschätzen, auch was die Künstler und die beteiligten Firmen angehe, gibt er zu bedenken.

Ob an diesem Donnerstag Bülent Ceylan in der ausverkauften MHP-Arena die Bühne betreten wird, ist indes noch offen. Der Veranstalter „im&k“ aus Schwäbisch Gmünd verweist in einer E-Mail lediglich darauf, dass eine Entscheidung über die Absage von Veranstaltungen den lokalen Gesundheitsbehörden obliege. Auch hier müsste also erst eine entsprechende Anordnung erfolgen. Der städtische Eigenbetrieb Tourismus & Events fungiert in Sachen MHP-Arena übrigens nur als Vermieter und entscheidet damit nicht über die Frage, ob Veranstaltungen stattfinden können. Sollte eine Behörde eine Absage anordnen, würden beide Seiten – Veranstalter und Vermieter – auf ihren jeweiligen Kosten sitzen bleiben.

Im Scala, wo sich einzelne Veranstaltungen schon mal der Tausendermarke nähern, will man sich auf Nachfrage nicht detailliert äußern. Stattdessen verweist man auf eine Mitteilung, die mittlerweile auch auf der Homepage steht. „Wir informieren uns tagesaktuell über den Stand zum Coronavirus“, heißt es dort. „Wir appellieren an den gesunden Menschverstand unseres Publikums – wer grippeähnliche Symptome hat, sollte abwägen, ob der Besuch von öffentlichen Veranstaltungen ratsam ist.“

Die Stadt Ludwigsburg möchte auf Grundlage der Empfehlungen die anstehenden Veranstaltungen neu bewerten. Dafür wird sich der Stab für außergewöhnliche Ereignisse heute Vormittag zusammensetzen, um Entscheidungen zu treffen. Bereits abgesagt wurde die Hauptversammlung der Feuerwehr am 13. März. Deren Einsatzfähigkeit soll gewährleistet bleiben. Auch der Historische Verein für Stadt und Kreis hat gestern reagiert und seinen Vortrag mit Klaus Herrmann und die Mitgliederversammlung am Donnerstag im Staatsarchiv abgesagt.

Unklar ist, was aus dem verkaufsoffenen Sonntag Märzklopfen am 22. März wird. Da werden Tausende Besucher in der Innenstadt erwartet. Die geplante Präsentation von Virtual-Reality-Brillen durch die Stadt wurde bereits gestrichen. Der Verein der Innenstadthändler Luis will morgen über das Thema beraten, so der Citymanager Markus Fischer. Eine Absage würde den Verein einen fünfstelligen Betrag kosten. „Leider sind die schwammigen Aussagen der Behörden nicht besonders hilfreich für uns“, so Fischer.

Marbach: Über 66.000 Besucher strömten im vergangenen Jahr zu den Ausstellungen auf der Schillerhöhe, damit ist das Thema Coronavirus auch für das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) hochaktuell. Das Veranstaltungsprogramm im Literaturmuseum der Moderne und im Schiller-Nationalmuseum laufe bis auf weiteres wie geplant, erklärt DLA-Sprecherin Alexa Hennemann, gleichwohl gebe es entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. „Bei Veranstaltungen werden Besucherinnen und Besucher mit ihren Kontaktdaten erfasst, um gegebenenfalls eine Rückverfolgung zu gewährleisten“, erklärt sie. Die Museen seien regulär geöffnet, es liegen Informationen zu Hygienevorkehrungen aus, außerdem werden häufig berührte Oberflächen verstärkt gereinigt und desinfiziert.

Kornwestheim: Im Moment finden alle Veranstaltungen in Kornwerstheim statt – sowohl im Kulturzentrum „Das K“ als auch in der Sporthalle Ost. „Wir beobachten die Lage aber mit großer Sensibilität. Es kann sein, dass wir in den nächsten Tagen anders entscheiden“, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Allerdings habe die Stadt auch keinen Veranstaltungsraum, der mehr als 1000 Personen fasse. In der Sporthalle Ost hätten 800 Leute Platz.

Bietigheim-Bissingen: „Wir reagieren mit Umsicht“, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Annette Hochmuth. Einige Veranstaltungen habe man schon abgesagt, interne Treffen zum Beispiel sowie Schüleraustausche. Ob weitere Veranstaltungen abgesagt werden, ist noch nicht sicher. „Wir prüfen das intensiv. Wenn eine Veranstaltung nicht sein muss, wird es weitere Absagen geben.“ Dies gelte auch für die Ege Trans-Arena.

Strohgäu: Als der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath in der vergangenen Woche den neuen FDP-Ratsherrn Wolf-Dieter Karle verpflichtet, tut er das wegen Covid-19 vorsorglich ohne Handschlag. „In normalen Zeiten wäre das anders gewesen“, sagt Makurath. Am Montag hat er nun die Sportlerehrungen seiner Stadt abgeblasen – aus Gründen der Gesundheitsprävention, wie es etwas gestelzt in einer Pressemitteilung heißt. Auch die Stadt Markgröningen hat sich zu diesem Schritt entschieden und ehrt ihre rund 90 erfolgreichen Sportler nicht am morgigen Mittwoch. Ebenfalls ins Wasser fällt die für den 20. März geplante Hauptversammlung der Kreisjugendfeuerwehr Ludwigsburg in Hemmingen. Die Einrichtung will laut ihres Sprechers Erik Hörnlen so Reputationsrisiken vermeiden. (pat, phs, jok, stew, wa)