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Zwist um Festwagen endet mit gegenseitigen Einladungen

Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma ist aus Zeitgründen nicht beim Schäferlauf dabei – Bürgermeister und „Zigeunergruppe“ nach Heidelberg eingeladen

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Die umstrittene Gruppe des Festzugs. Die Darstellung ihrer Minderheit sei stigmatisierend, der Begriff Zigeuner rassistisch, so die Beschwerde des Zentralrats im August 2016. Foto: oH

Markgröningen. Der Streit um die Benennung eines Umzugwagens beim Schäferlauf ist nun auch aus Sicht des Zentralrats der Sinti und Roma weitestgehend beigelegt. „Ja, das könnte man so sagen“, sagte dessen wissenschaftlicher Leiter Herbert Heuß auf Nachfrage am Mittwoch. Gemäß den Empfehlungen eines Gutachtens, das Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner beauftragt hatte, wird der „Zigeunerwagen“ nun mit dem Zusatz „historisch“ versehen teilnehmen, um zu verdeutlichen, dass man auf die Ortsgeschichte und einen Spottnamen eingehe.

Die Einladung an Romani Rose als Festzug-Ehrengast (wir berichteten), die nach Angaben vom Dienstag noch nicht beim Zentralrat eingegangen war, kann dieser aber nicht annehmen. „Der Vorsitzende ist zum fraglichen Zeitpunkt bei Gedenkfeiern zum Pogrom in Rostock-Lichtenhagen“, sagte Heuß. „Rose hat aber angekündigt, dass er mal nach Markgröningen kommen wird“, so Heuß über den Inhalt eines Schreibens an den Bürgermeister. Bei dieser Gelegenheit habe er Kürner und die Mitglieder der „Zigeunergruppe“, die seit 30 Jahren am Festzug teilnimmt, auch nach Heidelberg eingeladen. „Wir haben hier ein Dokumentationszentrum mit großer Ausstellung, das alleine wäre schon einen Ausflug wert“, so Heuß auf die Frage nach einem Programm für ein Treffen.

Für den wissenschaftlichen Leiter ist „die Krux an der Sache, dass der Bürgermeister sagte, die Sinti seien als ansässige Bürger in der Stadt anerkannt gewesen. Dann aber werden sie mit einem solchen Wagen dargestellt, was ja gerade eben nicht ansässig bedeutet. Das ist also sehr wohl eine Reproduktion von Klischees.“

Der Zentralrat hatte Anfang August 2016 Beschwerde bei der Stadt wegen der Verwendung des Begriffs „Zigeuner“ eingereicht und dies auch an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes weitergeleitet. Kürner hatte daraufhin die Bilder der Gruppe von der Stadt-Homepage entfernt, beim Festzug selbst wurde der kritisierte Begriff vermieden. Heuß verwies in der Debatte auf die hohe Sensibilität der Minderheit vor dem Hintergrund der Verfolgung. Auch Familien mit Geburtsort Markgröningen seien in der NS-Zeit nach Auschwitz gebracht worden, so Recherchen des Dokumentationszentrums.