Interview
Ludwigsburg | 17. Mai 2018

„Der Populismus ist am Ende“

Der ecuadorianische Botschafter Manuel Mejia Dalmau über seine Ziele als Diplomat und Julian Assange

Der ecuadorianische Botschafter Manuel Mejia Dalmau.
Der ecuadorianische Botschafter Manuel Mejia Dalmau.

Ludwigsburg. Seit drei Monaten ist der neue ecuadorianische Botschafter in Deutschland, Manuel Mejia Dalmau, im Amt. Bisher war der 70-Jährige in der Wirtschaft tätig. Von Präsident Lenin Moreno ließ er sich überreden, der höchste Diplomat Ecuadors in Deutschland zu werden. Wir haben mit ihm bei seinem Besuch in Ludwigsburg gesprochen.

Herr Mejia Dalmau, dies ist Ihre erste diplomatische Position. Was hat Sie dazu bewegt, mit 70 Jahren nochmals einen beruflichen Neustart zu wagen und nach Deutschland zu ziehen?

Mejia Dalmau: Ich bin mit dem Präsidenten, Lenin Moreno, seit etwa 40 Jahren gut befreundet. Wir haben vor seinem Unfall oft zusammen Tennis gespielt. Im August des vergangenen Jahres hat er mich gefragt, ob ich Botschafter in Deutschland sein könnte. Ich habe natürlich ja gesagt.

Sie haben vor 50 Jahren einige Zeit in München gelebt und dort auch Deutsch gelernt. Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit mit Deutschland?

Mein Ziel ist es, eine engere Beziehung mit Deutschland in Bezug auf die Wirtschaft, Investitionen und der Arbeit deutscher Stiftungen in Ecuador zu erreichen. 38 Stiftungen aus Deutschland arbeiten in Ecuador, die sich aber oftmals untereinander nicht kennen.

Wer in Deutschland an ecuadorianische Botschafter denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Julian Assange. Seit 2012 sitzt der Wikileaks-Gründer in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Er flüchtete dorthin, um einer möglichen Auslieferung in die USA zu entgehen. Wie schätzen Sie seine Lage ein?

Der Fall ist ein großes Problem des ehemaligen Präsidenten. Für mich war das eine Eitelkeit des Präsidenten Rafael Correa. Das ist meine Meinung.

Woran machen Sie dies fest?

Das ist meine Meinung über seine Persönlichkeit.

Wo sehen Sie dabei das Problem?

Julian Assange hat während seiner Zeit in der Botschaft zu viel gesprochen. Jetzt hat man ihm den Internetanschluss abgeschaltet. Denn als Gast in der Botschaft sollte er nichts unternehmen, das die Beziehungen zu anderen Staaten gefährdet. Das Ganze wird in einigen Monaten enden.

Wie meinen Sie das?

Präsident Moreno hat etwas Schönes gesagt: Er könne nicht erlauben, dass wir Assange gehenlassen, er ausgeliefert und getötet würde. In Ecuador gibt es keine Todesstrafe. Das könne er als Mensch nicht erlauben. Wenn sie versprechen würden, dass er nicht getötet wird, oder in ein Land, in dem es keine Todesstrafe gibt, ausgeliefert wird, dann würde er ihn herausgeben.

Die Haltung Ecuadors hat sich unter Moreno also geändert?

In einigen Monaten wird es beendet sein. Es hat viel Geld gekostet, Julian Assange in der Londoner Botschaft unterzubringen. Allein die Miete für die Botschaftsmitarbeiter, die seitdem nicht mehr in der Botschaft unterkommen, beläuft sich auf 25 000 Pfund im Monat.

Ist der Vorschlag der ecuadorianischen Außenministerin Maria Fernanda Espinosa, ein drittes Land als Mediator hinzuzuziehen, damit hinfällig?

Ja, Espinosa ist zwar noch Ministerin. Das wollen wir aber ändern. Der Populismus geht in Südamerika zu Ende. Wir sehen das in Venezuela, in Bolivien und in Nicaragua. In Ecuador sind wir damit fertig.

Fragen von Andreas Schmaltz
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige