Ludwigsburg | 22. Februar 2017

Anwohnern bleibt vorerst nur Ohropax

Die Autobahn-Anlieger zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Nord und Zuffenhausen müssen noch mindestens fünf Jahre auf einen effektiven Lärmschutz warten. Dies ist das zentrale Ergebnis eines Infoabends der Aktionsgemeinschaft A 81 in Asperg. Das Fernziel eines achtstreifigen Autobahn-Ausbaus zwischen Zuffenhausen und Pleidelsheim rückt demnach sogar erst nach 2030 in Sichtweite.

Die Autobahn zwischen Asperg und Ludwigsburg. Der achtstreifige Ausbau bleibt Zukunftsmusik und auch eine zeitnahe Freigabe der Seitenstreifen ist nicht in Sicht. Foto: Oliver Bürkle
Die Autobahn zwischen Asperg und Ludwigsburg. Der achtstreifige Ausbau bleibt Zukunftsmusik und auch eine zeitnahe Freigabe der Seitenstreifen ist nicht in Sicht. Foto: Oliver Bürkle

Den Bundestagswahlkampf nutzen, um Druck zu machen. Das war die erklärte Absicht der interkommunalen Aktionsgemeinschaft, die sich eine Reduzierung des Autobahnlärms aufs Panier geschrieben hat. Der Infoabend im Asperger Keltensaal verlief indessen nicht so, wie es sich die Initiatoren – Kommunalpolitiker aus Ludwigsburg, Asperg, Möglingen und Freiberg – erhofft hatten. Zum einen war das Publikumsinteresse recht spärlich, die Beteiligung der Politik überschaubar: Lediglich die Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger und Eberhard Gienger (beide CDU) sowie der örtliche Landesparlamentarier Jürgen Walter (Grüne) und Ludwigsburgs Baubürgermeister Michael Ilk waren der Einladung nach Asperg gefolgt, die übrigen Schultheißen ließen sich vertreten oder ignorierten den Termin ganz – so der Asperger Rathauschef Ulrich Storer. Auch die Bundestagskandidaten nahmen den Ball nicht wie erhofft auf – nur Stefanie Knecht und Marcel Distl (beide FDP) und Peter Schimke (Linke) wollten das ihnen gebotene Podium zu kurzen Statements nutzen.

Noch frustrierender als die Publikums- und Promi-Präsenz waren für die Aktionsgemeinschaft – für die der Verkehrslärm in den autobahnnahen Wohngebieten längst die Schmerzgrenze überschritten hat – aber die Aussagen von Politikern und vor allem Behördenvertretern zur Sache. Zentraler Punkt: Die verkehrsabhängige Freigabe der Seitenstreifen der A 81 zwischen Ludwigsburg-Nord und Zuffenhausen und damit auch die den Betroffenen versprochene Kombination aus Flüsterasphalt, Lärmschutzwänden und Schallschutzfenstern wird noch Jahre auf sich warten lassen – und das, obwohl der Baubeginn schon mehrmals nahe schien. Doch statt Nägel mit Köpfen zu machen, so klagten die Ludwigsburger Stadträte Reinhold Noz und Roland Glasbrenner, spielten das Regierungspräsidium sowie die Verkehrsminister in Berlin und Stuttgart seit Jahren Schwarzer Peter – mit dem Ergebnis, dass just diesen stets der Bürger auf der Hand halte.

Die wichtigsten Eckpunkte zum Sachstand im Überblick:

Grundsätze: Sowohl Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) als auch sein baden-württembergischer Ressortkollege Winfried Hermann (Grüne) stehen nach wie vor zu der Absicht, in einem ersten Schritt die Seitenstreifen freizugeben, berichtete Steffen Bilger. Später könne dann ein achtstreifiger Ausbau der A 81 von Zuffenhausen bis Pleidelsheim folgen.

Planungsdetails: Weil der übliche „offenporige“ Flüsterasphalt nicht für die Gefällstrecke zwischen Freiberg und Ludwigsburg taugt, soll der Lärmschutz durch sogenannten Splittmastix-Asphalt erreicht werden. Dem fehlt aber in Teilbereichen noch die bundesbehördliche Anerkennung, so die Landes-Fachleute Eberhard Kries vom Stuttgarter Verkehrsministerium und Jürgen Holzwarth vom Regierungspräsidium. Hinsichtlich der Autobahnbrücken – deren Mittelteile noch von 1938 stammen, während die Endstücke vom Autobahnausbau anno 1970 datieren – zeichnet sich ab, dass sie noch etwa 15 Jahre tagfähig sein werden. Ihre Sanierung ist also nicht mehr vor einer verkehrsabhängigen Freigabe der Seitenstreifen erforderlich, sondern kann nach 2030 im Zuge des achtstreifigen Ausbaus erfolgen. Die Klärung dieser Details habe die Vorbereitung der Planung erheblich verzögert.

Tempolimits: Die Forderungen von Anwohnern, den Autobahnlärm zumindest nachts durch schärfere Tempolimits zu reduzieren, wiesen die Behördenvertreter zurück. Um einen spürbaren Effekt zu erzielen, müsste für Lastwagen nämlich Tempo 60 verhängt werden. Dann aber wäre die Autobahn keine Autobahn mehr, ihr späterer Ausbau würde unter diesen Vorzeichen unmöglich.

Zeitplan: Wenn der Bund bis zum Herbst grünes Licht für den Beginn des Planfeststellungsverfahrens gibt, können die Bauarbeiten für die Freigabe der Seitenstreifen nach Holzwarths Einschätzung etwa viereinhalb Jahre später beginnen. Das wäre also im Frühjahr 2022. Der im zweiten Schritt erhoffte achtspurige Ausbau bis Pleidelsheim bleibt einstweilen eine von fern tönende Zukunftsmusik. Denn im neuen Bundesverkehrswegeplan mit dem Zieljahr 2030 firmiert er nur als weiterer und nicht als vordringlicher Bedarf. Zwar darf ihn das Land trotzdem bereits planen. Doch daraus dürfte laut Eberhard Kries nichts werden, selbst wenn schon vor 2030 Geld für das Projekt – geschätzte Kosten: 141 Millionen Euro – bereitstünde. Denn, so Kries: In Baden-Württemberg gibt es so viele Baustellen der Kategorie „vordringlicher Bedarf“, dass die zuständigen Stellen allein mit deren Planung bis 2030 alle Hände voll zu tun hätten.

Steffen Pross
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