Felsengärten
Hessigheim | 28. August 2017

Bergwacht hofft auf Unterstützung

Die Hessigheimer Felsengärten sind einmalig im Landkreis und beliebtes Ausflugsziel von immer mehr Menschen. Davon profitieren auch die umliegenden Kommunen und die Felsengartenkellerei Besigheim. Um die Pflege des Naturschutzgebietes kümmert sich allerdings in erster Linie die Bergwacht – sie beklagt nun die mangelnde Unterstützung der Institutionen. Doch Hilfe ist in Sicht.

Die Felsengärten sind ein Aushängeschild für die Region, mit dem gern geworben wird.Foto: Bürkle
Die Felsengärten sind ein Aushängeschild für die Region, mit dem gern geworben wird.Foto: Bürkle
Einmal im Jahr mäht die Bergwacht mit weiteren Helfern die Magerwiesen. Archivfoto: Drossel
Einmal im Jahr mäht die Bergwacht mit weiteren Helfern die Magerwiesen. Archivfoto: Drossel

Kaum jemand kennt die Hessigheimer Felsengärten so gut wie Frank Hormann. Der 35-Jährige ist seit seiner Kindheit hier unterwegs, mittlerweile mehrmals in der Woche als Bergwachtleiter der Bereitschaft Unterland. Die Bergwacht pflegt das rund fünf Hektar große Naturschutzgebiet und ist auch zur Stelle, wenn Wanderer oder Kletterer Hilfe benötigen. Eine Aufgabe, der sich Hormann und seine Mitstreiter mit Leidenschaft und Hingabe widmen – die aber auch sehr zeitintensiv ist. Vor allem, weil es immer schwieriger wird, Helfer zu finden. Allein im vorigen Jahr haben die Mitglieder der Bergwacht hier 1400 Arbeitsstunden geleistet – ehrenamtlich. Zuvor waren es sogar 2500 Stunden. Neben den Routinearbeiten wie Müll aufsammeln oder kleineren Pflegemaßnahmen gibt es jedes Jahr zwei große Termine: Einmal im Jahr, meist Ende September, Anfang Oktober, werden die Magerwiesen gemäht. Im Januar steht die große Gehölzpflege an, bei der Sträucher, Büsche oder Bäume zurückgeschnitten werden. Unterstützung bekommt die Bergwacht dabei immer vom Deutschen Alpenverein und Kletterern, die regelmäßig in den Felsengärten unterwegs sind.

Kaum Hilfe gebe es dagegen von den Institutionen, die von den Felsengärten profitierten und auch aktiv damit werben würden, bedauert Frank Hormann und nennt als Beispiel die Gemeinde Hessigheim, auf deren Gemarkung die Felsengärten liegen. Aber auch von der Felsengartenkellerei, die das Naturschutzgebiet sogar in ihrem Namen trägt und direkt unterhalb des Areals liegt, gebe es bisher keine Hilfe. Ebenso wenig wie vom 3B-Team mit den Städten Besigheim, Bönnigheim und Bietigheim-Bissingen. Der Tourismusverband wirbt sehr gerne mit den Felsengärten, um noch mehr Gäste in die Region zu locken.

Bei dem Wunsch nach mehr Unterstützung geht es der Bergwacht aber nicht ums Geld oder große materielle Dinge. „Wir wollen, dass die Leute ein Gespür dafür bekommen, was hinter unserer Arbeit steckt.“ Die Pflegearbeiten würden sich nicht von alleine erledigen, da stecke viel Arbeit und Freizeit der ehrenamtlichen Helfer dahinter. „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen.“

Der frühere Hessigheimer Bürgermeister Martin Schwarz habe zum Beispiel regelmäßig bei den Pflegeaktionen mit angepackt – das sei ein deutliches Zeichen gewesen und habe die Helfer motiviert. Heute dagegen vermisst Hormann die Unterstützung von Schultes und Gemeinderat – auch wenn die nur symbolischer Natur wäre. „Wir erwarten nicht, dass hier jeden Tag geholfen wird“, stellt der Bergwachtleiter klar. „Aber derzeit gibt es weder emotional noch materiell große Unterstützung. Wir fühlen uns schon etwas im Stich gelassen.“ Zwar habe die Gemeinde angeboten, die Kosten für die Verpflegung bei den Pflegeeinsätzen zu übernehmen – „aber uns geht es nicht um 100 Euro“, betont der Bergwachtleiter.

Zumal die Felsengärten immer beliebter werden, bei Einheimischen wie Touristen. So ist der Blick von den Felsengärten aus ins Neckartal im vorigen Jahr auch als „Schönste Weinsicht Württembergs“ ausgezeichnet worden. Mit dieser Auszeichnung wird gerne geworben. „Es ist toll, wenn sich immer mehr Leute für die Felsengärten interessieren und feststellen, wie schön es hier ist“, sagt auch Frank Hormann. Doch mehr Besucher bedeuteten in der Regel auch mehr Arbeit, für die man sich in Zukunft mehr Unterstützung wünsche.

Und dieser Wunsch könnte tatsächlich schnell in Erfüllung gehen: Auf Nachfrage unserer Zeitung sichern Gemeinde, Kellerei und 3B-Tourismus Hilfe zu. „Wo es uns möglich ist, sind wir bereit zu helfen“, sagt Eric Reiter vom 3B-Tourismusteam. Die Felsengärten seien ein herausragendes Ausflugsziel, mit dem man sehr gerne werbe, um mehr Gäste zu generieren. So wäre es zum Beispiel denkbar, den Aufruf nach freiwilligen Helfern für die Mähaktion zu unterstützen.

Aufgeschlossen zeigt sich auch der Vorstandsvorsitzende der Felsengartenkellerei, Dr. Götz Reustle: „Wenn man sieht, wie intensiv wir mit den Felsengärten werben, ist es nicht abwegig zu sagen, dass wir auch unseren Beitrag leisten.“ Man könnte versuchen, die Kellerei-Mitglieder für die Arbeitseinsätze zu mobilisieren, auch eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hessigheim sei denkbar.

Die hat unterdessen schon gehandelt: Mitarbeiter des Bauhofs werden die anstehenden Mäharbeiten nun unterstützen, sichert Bürgermeister Günther Pilz im Gespräch mit unserer Zeitung zu. „Wenn die Bergwacht mehr Unterstützung braucht, stößt sie bei uns auf offene Ohren.“ Allerdings hätte sich der Schultes auch gefreut, wenn die Probleme direkt angesprochen worden wären.

Bergwachtleiter Frank Hormann freut sich über die schnellen Reaktionen und ist zuversichtlich: „Ich bin guter Dinge, dass wir in Zukunft gut zusammenarbeiten und mehr Unterstützung bekommen. Diese Hilfe nehmen wir gerne an.“

Christina Kehl
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