Kriminalität
Ludwigsburg | 18. August 2018

Die Maschen der Telefonbetrüger

Deutschlandweit agierende Betrüger geben sich derzeit als „Vollzugsbehörde Stuttgart“ aus und drohen am Telefon mit einer Pfändung. Auch eine unserer Leserinnen hat unlängst solch einen Anruf erhalten. Die Polizei warnt davor, auf diese Masche reinzufallen.

Auf vielen Wegen versuchen Betrüger über das Telefon an das Geld ihrer Opfer zu kommen.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Auf vielen Wegen versuchen Betrüger über das Telefon an das Geld ihrer Opfer zu kommen.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Das Gemeine ist, dass man auf die Anrufe der Telefonbetrüger überhaupt nicht vorbereitet ist. Auch unsere Leserin Annerose Meyle denkt sich nichts Böses, als vor wenigen Tagen bei ihr zu Hause das Telefon klingelt. Das Display zeigt eine Stuttgarter Nummer an. Dass anstatt einer realen Person eine Ansage vom Band spricht, verwundert sie zwar, aber erst der Inhalt lässt sie aufhorchen. „Eine ‚Vollzugsbehörde Stuttgart’ hat mir gesagt, dass ein Pfändungsbeschluss gegen mich vorliegt“, erzählt Annerose Meyle. Auch wenn sie weiß, dass gegen sie nichts vorliegt, ist sie im ersten Moment erschrocken.

Dann sagt die Stimme, dass sie nun die Taste 1 oder die 2 an ihrem Telefon drücken soll. Bei 1 erfahre sie die Höhe des Betrags, bei 2 weitere Hintergründe zu der Pfändung. „Ich war kurz schockiert und habe 2 gedrückt“, sagt Meyle. „Da kam dann eine Warteschleife und Musik und ich war mir ziemlich sicher, dass das keine Behörde ist.“ Kurz meldet sich eine Frauenstimme, die echt zu sein scheint und eine Weiterleitung ankündigt, dann ist der Anruf beendet. Glück im Unglück, denn die Warteschleife dürfte nach der Erfahrung anderer Betroffener kostenpflichtig gewesen sein.

„Ich habe danach sofort beim Amtsgericht Stuttgart angerufen. Dort hat man mir gleich erzählt, dass das eine Masche von Betrügern ist und es in letzter Zeit viele Beschwerden gegeben hat“, erzählt Annerose Meyle.

Tatsächlich ist sie nicht die Einzige, bei der es die Betrüger als „Vollzugsbehörde Stuttgart“ versucht haben. Im Internet beschweren sich Hunderte Betroffene aus ganz Deutschland über die Anrufe der Nummer (07 11) 2 99 90 60. Viele haben die Nummer gleich sperren lassen.

Kostenpflichtige Warteschleife

Auch viele Polizeistellen etwa in Ahlen, Siegen oder Fürstenwalde warnen vor den Anrufen aus Stuttgart. Die Ansagen auf dem Band gibt es offenbar in zwei Varianten: Zum einen wird der Angerufene dazu aufgefordert, Geld – laut Ansage für eine außergerichtliche Einigung – zu überweisen, um die Pfändung damit abzuwenden. In der anderen Variante werden die Anrufer wie im Fall von Annerose Meyle dazu aufgefordert, die Taste 1 oder 2 des Telefons zu drücken. Auf diesem Weg werden sie dann mit einer kostenpflichtigen Warteschleife verbunden. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren die Anrufe einer „Vollzugsbehörde Hamburg“. Die hat dann allerdings passend eine Hamburger Vorwahl.

Laut der Pressesprecherin der Ludwigsburger Polizei, Tatjana Wimmer, überlegen sich die Telefonbetrüger immer neue Maschen, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Oft werden bewährte Methoden dafür immer leicht abgewandelt.

Der „Klassiker“ beim Telefonbetrug ist weiterhin das sogenannte Gewinnversprechen. Die Methode dabei sei immer die gleiche, heißt es in einer Informationsbroschüre der Polizei: „Vor einer Gewinnübergabe werden die Opfer dazu aufgefordert, eine Gegenleistung zu erbringen, zum Beispiel ‚Gebühren‘ zu bezahlen, eine kostenpflichtige Hotline anzurufen oder an Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen minderwertige Ware angeboten wird.“

Dass diese Methoden leicht abgewandelt immer wieder auftauchen, beweisen zwei Fälle, die sich vor wenigen Tagen in Kornwestheim und Vaihingen ereignet haben. Dabei hatten sich die Täter als Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei beziehungsweise eines Gewinnspielunternehmens ausgegeben. Die Angerufenen hätten angeblich größere Geldsummen gewonnen, wurden aber aufgefordert für die Servicegebühren, Gutscheinkarten für einen Onlinehandel zu kaufen. Beide Senioren verloren auf diesem Weg Geld, glücklicherweise aber nicht die von den Betrügern geforderten 4000 Euro.

Wenn die Ansagen nicht vom Band stammen, stecken laut Polizei oft geschulte Anrufer hinter den Betrügern, die überwiegend aus der Türkei heraus agieren. Zielgruppe sind zumeist ältere Menschen. Oft werden dafür die Telefonbücher nach Namen durchsucht, die nach Personen klingen, die heute im Seniorenalter sind. „Um ihre Opfer in falscher Sicherheit zu wiegen, geben die Anrufer vor, im Auftrag von Rechtsanwälten und Notaren anzurufen, und teilen den angeblichen Gewinnern eine Rückrufnummer für die weitere Gewinnabwicklung mit. Melden sich die ‚Gewinner‘ daraufhin bei den ‚Notaren‘ oder ‚Rechtsanwälten‘, werden sie dazu aufgefordert, angeblich angefallene Kosten zu zahlen“, so die Polizei.

Im Zweifel einfach schnell auflegen

In anderen Fällen haben sich Betrüger am Telefon auch schon als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Richter ausgegeben und behauptet die Angerufenen spielten in einem Ermittlungsverfahren der Polizei eine wichtige Rolle. Zur Unterstützung der Behörden sollten die Angerufenen dann Geld überweisen.

Folgende Punkte sollte man laut Polizei beachten, um sich vor den Telefonbetrügern zu schützen:

Geben Sie niemals Geld aus, um einen vermeintlichen Gewinn einzufordern.

Machen Sie keinerlei Zusagen am Telefon.

Geben Sie niemals persönliche Informationen wie Kontodaten weiter.

Noch einfacher ist es, bei dubiosen Anrufen einfach sofort kommentarlos aufzulegen.

Christian Walf
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