Umwelt
Beilstein | 07. März 2018

Empörung über Schutt im Wald

Spaziergänger beobachten, wie Bauschutt in Waldwegen vergraben wird. Das Landratsamt sagt: „Alles in Ordnung.“

Schutt und was sonst vergraben worden ist, hat Peter Kochert dokumentiert. Fotos: privat
Schutt und was sonst vergraben worden ist, hat Peter Kochert dokumentiert. Fotos: privat

Die Spaziergängerin war schockiert: Mitten im Wald bei Beilstein lagen riesige Mengen an Bauschutt, daneben standen Container und ein Bagger. Die Frau dokumentierte, was sie sah, und wandte sich an Peter Kochert. Der 64-Jährige ist Naturpädagoge, BUND-Mitglied, wohnt in Pfaffenhofen im Zabergäu und hat bei sich im Wald schon Ähnliches entdeckt. Empört ging er an die Öffentlichkeit, wandte sich ans Landratsamt, startete eine Petition – und stieß ziemlich schnell an Grenzen. Denn rechtlich gibt es kaum eine Handhabe gegen diese Art von Umweltfrevel.

Mitte Januar war Peter Kochert im Zaberfelder Wald auf eine Bauschuttentsorgung größeren Ausmaßes gestoßen. „Dort wurden 2500 Tonnen unsortierter Bauschutt mit Sondermüll, transportiert durch 125 Lkw in den Waldboden eingebracht, deklariert als Waldwegebau“, schreibt Kochert in einer E-Mail an unsere Zeitung. Es handelt sich um ein FFH-Gebiet sowie um ein Landschaftsschutz- und Vogelschutzgebiet.

Nachdem die örtliche Zeitung darüber berichtete hatte, habe sich die Frau an ihn gewandt und ähnliche Vorfälle im Stadtwald von Beilstein und Ilsfeld geschildert. Kochert fuhr mit Kamera und Metalldetektor hin.

In den beiden vergangenen Wochen habe er sich gemeinsam mit dem BUND Lauffen ein Bild von dem Ausmaß gemacht, schreibt Kochert und schickt Fotos mit. Man sieht darauf grüne Container einer Firma aus dem Kreis Ludwigsburg, und Berge von Bauschutt. Aber auch andere Dinge hat Kochert bei seinen Kontrollgängen gefunden und dokumentiert: „Teerbrocken, Kabelreste, Glasscherben, große Betonbrocken mit Eisenstäben, Teile von Plastik, Styropor, Teile von Glasfenstern Getränkeflaschen, Silikonreste...“

Das Material sei in der Gemarkung Bräunersberg und Kohlkammer oberhalb der Bottwar in vorhandene und neu angelegte Waldwege eingegraben worden. Und die sähen – nachdem alles verbaut ist – einwandfrei aus.

„Am meisten entsetzt mich“, sagt Peter Kochert im Gespräch mit unserer Zeitung, „wie hier mit der Natur umgegangen wird. Einem Bürger, der Bauschutt zum Recyclinghof bringt, wird ganz genau auf die Finger geschaut, aber die Industrie darf ihren Bauschutt großzügig entsorgen, da guckt man lieber ein bisschen weg.“ Das bestreitet das Landratsamt Heilbronn.

„Die betreffenden Wegebaumaßnahmen Bräunersberg und Kohlkammer befinden sich allesamt im Stadtwald Beilstein“, teilt Manfred Körner, der Sprecher des Landratsamts Heilbronn auf Nachfrage mit, „es geht dabei um die Befestigung von vorhandenen Maschinenwegen (Erdwegen) zum Transport des geschlagenen Holzes aus dem Waldbestand an die Waldstraße (Fahrweg). Diese Maßnahmen sind notwendig, da in frostfreien milden Wintern – was immer häufiger der Fall ist – das Holz ansonsten nicht ohne Bodenschäden an die Waldstraße transportiert werden kann. Insgesamt geht es um rund drei Kilometer auf mehreren Teilstrecken. Für diese Wegebaumaßnahmen liegt eine naturschutzrechtliche Genehmigung des Landratsamtes Heilbronn vor“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Das ausführende Unternehmen werde überwacht und habe schließlich „null Komma null Interesse, Sondermüll zu verbauen“, fügt der Sprecher des Landratsamtes an; ein geringer Anteil von Müll lasse sich bei diesen großen Mengen allerdings kaum vermeiden. Eingebaut wurde „sortiertes und grob zerkleinertes Recyclingmaterial, welches die Zuordnungswerte nach Z1.1 (Vorläufige Hinweise des Umweltministeriums zum Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial) zuverlässig einhält (Analyseergebnisse des beprobten Recyclingmaterials liegen dem Forstbetrieb vor)“. Damit würden die geltenden Bestimmungen zum Wegebau im Wald mit Recyclingmaterial eingehalten.

Mit anderen Worten: Dieses so genannte Recyclingmaterial darf auf Waldwegen verbaut werden. „Man hat keine rechtliche Handhabe dagegen“, sagt Christine Fabricius. Die studierte Forstwissenschaftlerin ist Naturschutzreferentin beim BUND Baden-Württemberg und sie wird im Gespräch deutlich: „Es ist trotzdem eine Sauerei, das ist Umweltfrevel. Bauschutt hat im Wald nichts verloren, der Außenbereich ist keine Deponie.“

Peter Kochert jedenfalls will keine Ruhe geben. Eine Petition, die er bei Campact gestartet hatte, war nach juristischer Intervention einer beteiligten Recyclingfirma abgeblasen worden – man hatte auf Fotos das Logo der Firma erkennen können. Den engagierten Naturpädagogen bremst das nicht: „Ich lasse mir den Mund nicht verbieten!“ Auch die Spaziergängerin im Wald will am Ball bleiben: „Ich bin da jetzt wachsam“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Und Peter Kochert, der im Ehrenamt Realschülern das Wissen um die Natur nahebringt, hat einen guten Grund dafür: „Wir müssen unseren Enkeln doch eine intakte Natur hinterlassen.“

Andrea Nicht-Roth
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige