Manfred Hollenbach
22. Juni 2012

Nach 40 Jahren: Bürgermeister sagt Servus

Manfred Hollenbach wird am heutigen Freitag in den Ruhestand verabschiedet

Manfred Hollenbach an seinem Schreibtisch
Manfred Hollenbach an seinem Schreibtisch.
Archivbilder: Zeller, Drossel
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Hollenbach in der Festlimousine zusammen mit seinem Steinheimer Kollegen Alfred Ulrich (rechts)
Hollenbach in der Festlimousine zusammen mit seinem Steinheimer Kollegen Alfred Ulrich (rechts).
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Im Jahr 2000 in Bietigheims Innenstadt:
Im Jahr 2000 in Bietigheims Innenstadt: Da war Angie noch nicht Kanzlerin. Von rechts: Oberbürgermeister Manfred List, die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel, Kultusministerin Annette Schavan und Lantagskandidat Hollenbach.
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Hollenbach als „Straßenkehrer“ beim Murrer Fasching
Hollenbach als „Straßenkehrer“ beim Murrer Fasching.
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SGV Murr: Jubiläumsstaffel mit Hollenbach (links) und Gemeindekämmerer Albrecht Keppler
SGV Murr: Jubiläumsstaffel mit Hollenbach (links) und Gemeindekämmerer Albrecht Keppler.
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Natürlich hat er sich über das Abschiedsgeschenk seines Gemeinderats gefreut. Die Räte waren kreativ und haben so etwas wie eine Puppenstube gebastelt: Auf der einen Seite ein Sitzungssaal, in dem sich 14 Playmobilmännchen um einen großen Tisch gruppieren – jedes von ihnen trägt das Foto eines Gemeinderates. Auf der anderen Seite einer Mauer – mit Durchbruch! – ein Garten samt Liegestuhl und Sonnenschirm, in dem ein Playmobil-Männchen mit Funkgerät und Megafon steht. Klar, das ist der Bürgermeister a.D., der (vielleicht?) doch noch ein Auge auf das politische Geschehen im Rathaus hat.
Aber ein Liegestuhl? „Das passt doch gar nicht zu mir“, sagt Manfred Hollenbach. Der zwar am 30. Juni den Rathausschlüssel abgibt, aber weiterhin im Land- und im Kreistag aktiv sein wird. Und wenn ihm der Teilzeit-Ruhestand doch etwas mehr Freizeit verschaffen sollte, „dann ziehe ich lieber öfters die Laufschuhe an“.
Nein, ein Manfred Hollenbach, der sich auf die faule Haut legt und in den Tag hineinträumt, das ist schwer vorstellbar. Das passt nicht zu dem Mann, der 40 Jahre als Bürgermeister die Geschicke von Murr gelenkt hat, der sich als Nachtmensch bezeichnet, der auch mal problemlos bis morgens um fünf durcharbeiten kann, der am Computer seine privaten Angelegenheiten regelt, wenn seine Frau Margot Sonntag abends den „Tatort“ anschaut.
Manfred Hollenbach, 1946 in Creglingen geboren, dürfte dem Idealbild eines schwäbischen Schaffers ziemlich nahekommen: Zielstrebig, ohne dabei den Blick fürs Machbare zu verlieren, und dabei doch bescheiden und vor allem sparsam. Unter dieser Maxime stand seine Amtszeit in Murr, und wenn er auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurückschaut, dann sagt er: „Was ich mir vorgenommen habe, habe ich auch umgesetzt“ – ganz ohne falsche Bescheidenheit.
Dabei seien er und die Gemeinderäte, die ihn durch die Jahre begleitet haben, immer einer Richtschnur gefolgt: „Die Messlatte nie zu hoch legen“. Was der 66-Jährige damit meint, verdeutlicht er an einem Beispiel: In den späten 70er Jahren kam der Wunsch auf, Murr mit einem Schwimmbädle zu beglücken – das hat er den Gemeinderäten nach und nach ausgeredet. „Und ich bin immer noch sicher, dass das richtig war, sonst sähe unsere finanzielle Situation heute anders aus.“
Aber um die eigenen Vorstellungen durchzubringen, ist Überzeugungsarbeit nötig. Auch ein schwäbischer Dorfschultes bekommt über kurz oder lang Probleme, wenn er seinen Gemeinderat nicht hinter sich bringt. Das hat Manfred Hollenbach früh begriffen und genauso klar war ihm, dass Überzeugungsarbeit auch Zeit braucht. So hat er schon Mitte der 70er Jahre Klausursitzungen eingeführt, dort neue Ideen vorgestellt, die dann reifen konnten. Heute würde man sagen, er hatte dabei einen Masterplan im Hinterkopf. Hollenbach formuliert es etwas anders: „Ich hab gewusst, was ich aus Murr machen will!“ Ein Satz, der impliziert, dass der damals noch junge Schultes auch wusste, was er nicht will: zum Beispiel Hochhäuser im Ortskern. Pläne, die Gebäude mit bis zu zwölf Stockwerken vorsahen, gab es schon, als Hollenbach Bürgermeister wurde. Bei der Verhinderung von „Klein-Manhattan an der Murr“ spielten Hollenbach zwar auch die Folgen der ersten Ölkrise in die Hände, aber ebenso seine Fähigkeit, die Gemeinderäte zu überzeugen. Und so blieb Murr von der Struktur her das Straßendorf, das es immer gewesen ist. Doch Ortskernsanierung und Umgehungsstraße bildeten die Grundlage dafür, dass zahlreiche Häuser entlang der Hauptstraße im Laufe der Zeit erneuert und verschönert wurden. Und dass der zentral gelegene Dorfplatz entstand, neben dem vor 23 Jahren eingeweihten Bürger- und Rathaus. Hollenbach hatte die Gemeinderäte auch davon überzeugt, alte Pläne für ein neues Rathaus bei der Gemeindehalle – und damit an der Peripherie – zu beerdigen.
Freilich, auch Überzeugungsarbeit gelingt nicht von heute auf morgen und nicht jede Entscheidung im Gemeinderat fiel einstimmig. „Aber es war mir immer wichtig, auch die mitzunehmen, die anderer Meinung waren“, sagt Hollenbach rückblickend: „Da bin ich einfach Fußballer: Knochenhart, aber nicht nachtreten.“
Korrekt und unbestechlich, das sind weitere Attribute, die der 66-Jährige für sich in Anspruch nimmt. Ein „korrekter Umgang“ mit den Mitarbeitern im Rathaus, den Bürgern, den Gemeinderäten, das sei ihm immer wichtig gewesen; und dass der Mann, der das „R“ so charakteristisch rollen kann, keiner für Mauscheleien ist, hat sich offenbar schnell herumgesprochen. „Zu mir kam nie jemand, um sich irgendwo einen Vorteil zu verschaffen.“ Da wäre er auch „richtig bös“ geworden.
Eigentlich wollte der junge Manfred Hollenbach Fernmeldeingenieur werden, doch dieser Traum platzte. Eher zufällig – „ich habe damals die Bewerbung eines Freundes abgeschrieben“ – landete er in der Verwaltung, begann 1962 seine Ausbildung in Blaufelden. Die ganze Bandbreite der Aufgaben lernte er kennen, „und nach einem dreiviertel Jahr habe ich gemerkt: Das erfüllt mich.“
Mit dieser Einschätzung lag er richtig, „die hat sich über die ganze Berufszeit erhalten“. Manfred Hollenbach war Bürgermeister durch und durch, und er hat es nie bereut, in Murr geblieben zu sein: „Mir ist es hier schon gutgegangen,“ sagt er mit einem leisen Lächeln. Und er wäre nicht Manfred Hollenbach, wenn er dafür nicht dankbar wäre.

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