Energiepolitik
Kreis Ludwigsburg | 19. Juli 2012

Potenzial für 400 neue Windräder

Landesregierung will Anteil der Windenergie ausbauen und Region Standorte zur Erzeugung erneuerbarer Energien ausweisen – Zehn Flächen sind derzeit im Raum Ludwigsburg vorgesehen

Windrad
Ein Techniker auf einem Windrad.
Bild: Patrick Pleul/dpa
Ausgewiesene Windräder-Standorte im Kreis
Ausgewiesene Windräder-Standorte im Kreis Ludwigsburg. Zur Vergrößerung der Grafik können Sie auf den unten angefügten Link klicken.

Die grün-rote Landesregierung will den Anteil der Windenergie an der gesamten Stromproduktion im Südwesten bis 2020 von derzeit rund einem auf zehn Prozent ausbauen.
In ganz Baden-Württemberg befinden sich Kommunen seit geraumer Zeit auf der Suche nach geeigneten Standorten für neue Windräder. Die Zeit drängt, denn laut Windenergieerlass werden die bereits in Regionalplänen ausgewiesenen Flächen zum 1. Januar 2013 aufgehoben.
Das heißt: Wenn die Kommunen bis dahin keine sogenannten Vorranggebiete für neue Windräder bestimmt haben, verlieren sie ihre Planungshoheit – und die Möglichkeit, die Errichtung neuer Anlagen nach ihren Vorstellungen zu steuern.
Um das zu verhindern, kooperieren hiesige Städte und Gemeinden mit dem Verband Region Stuttgart (VRS). Denn in einem dicht besiedelten Ballungsraum fällt die Suche nach geeigneten Standorten schwer. „Alleine hätten die Kommunen nicht die Möglichkeit, Vorranggebiete im regionalen Grünzug auszuweisen“, so VRS-Chefplaner Thomas Kiwitt. „Außerdem haben sie so weniger Verfahrensaufwand und größere Rechtssicherheit.“
Mittlerweile sind Städte und Gemeinden fündig geworden, haben dem VRS mögliche Standorte mitgeteilt. Die Verbandsverwaltung fasste anschließend die aus ihrer Sicht geeigneten Vorranggebiete zusammen.
Die Kriterien: An den einzelnen Standorten muss der Wind jeweils mit mindestens 5,3 Metern pro Sekunde blasen. Zudem dürfen neue Windräder das Landschaftsbild nicht erheblich beeinträchtigen. Deshalb hat der VRS 33 sogenannte Landmarken wie den Harzberg bei Großbottwar, den Hohenasperg oder die Neckarschleife bei Hessigheim benannt, in deren Umfeld die Errichtung von Windrädern nicht erwünscht ist.
Auch Aspekte wie Abstände zu bestehenden Siedlungsflächen, eventuelle Überschneidungen mit Landschafts- und Vogelschutzgebieten sowie regionalplanerische Ziele, etwa die Ausweisung von neuen Gewerbe- oder Wohngebieten, wurden in die Auswahl einbezogen.
Das Ergebnis: Der VRS kommt auf 96 Vorranggebiete in der gesamten Region Stuttgart. Nur acht dieser Areale liegen im Landkreis Ludwigsburg (siehe unten stehende Grafik), wo im Vergleich zu anderen Teilen der Region nur ein recht laues Lüftlein weht. Hinzu kommen zwei direkt oder nahe an der Kreisgrenze gelegene Flächen.
Deutlich mehr potenzielle Standorte sind in den Landkreisen Esslingen, Göppingen und im Rems-Murr-Kreis vorgesehen. In vielen Vorranggebieten könnten Investoren mehrere Windräder errichten, so dass nach jetzigem Stand laut VRS bis zu 400 neue Windkraftanlagen in der Region möglich wären.
Ob es tatsächlich so viele werden, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. Denn das Planungsverfahren steht erst am Anfang. „Wir gehen mit einer Maximalkulisse ins Rennen“, betonte Chefplaner Kiwitt, als er den aktuellen Stand gestern im VRS-Planungsausschuss präsentierte.
Mit Informationsveranstaltungen und Veröffentlichungen auf seiner Internetseite www.region-stuttgart.org will der Verband nach der Sommerpause für den Ausbau der Windkraft werben. „Wir planen Anlagen, die die Kommunen massiv beeinträchtigen können“, sagte Kiwitt. „Da reicht es nicht, die Pläne in den Landratsämtern auszulegen.“
In vielen Kommunen herrsche großes Misstrauen, gab Regionalrat Matthias Hahn (SPD) zu bedenken. „Viele denken, dass der Nachbar das Windrad auf die gemeinsame Grenze stellt. Deshalb werden wir sicher einige Standorte verlieren.“ Die „Hurra-Rufe“ hätten sich bei Präsentationen einzelner Projekte in den Gemeinderäten in Grenzen gehalten, sagte Alfred Bachofer (Freie Wähler). Vorbehalte gegenüber neuen Anlagen seien nach wie vor ausgeprägt. „Man muss die Bevölkerung noch überzeugen.“
Der Planungsausschuss stimmte dem Konzept ohne Ausnahme zu. Am Mittwoch wird die Regionalversammlung über das Thema beraten.

Frank Klein
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