Verkehr
Vaihingen | 14. September 2017

Region erlaubt Eingriffe in die Natur

Der Stuttgarter Regionalverband billigt den Neubau der B 10 bei Vaihingen, auch wenn damit die Landschaft stark verändert wird.

Enztal in Vaihingen: Hier soll die neue Bundesstraße 10 einmal entlangführen. Foto: Albert Arning
Enztal in Vaihingen: Hier soll die neue Bundesstraße 10 einmal entlangführen. Foto: Albert Arning

An der Enz in Vaihingen sind Zauneidechsen und Totholzkäfer zu Hause. Auf den Streuobstwiesen wachsen Äpfel, aus denen Most gewonnen wird. Radler und Jogger ziehen hier ihre Runden. Die Vaihinger Landwirte bewerten die Böden als fruchtbar.

Doch damit ist es bald vorbei. Seit mehr als 40 Jahren kämpfen die meisten Menschen im Vaihinger Ortsteil Enzweihingen dafür, dass die Bundesstraße 10 ihren rund 3800 Einwohner großen Flecken nicht mehr durchschneidet – und knapp 30 000 Fahrzeuge künftig eine Umfahrung nehmen. Gestern sind die Enzweihinger ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen.

In Stuttgart beschloss der Regionalverband VRS mit großer Mehrheit, dass der Schutz der Menschen vor Lärm, Schadstoffen und Zehntausenden Autos vor der Haustür höher einzustufen ist, als Eingriffe in die Natur – wenn sie auf ein unabdingbares Maß beschränkt werden. Im Gegenzug plädiert der Verband für begrünte Lärmschutzwände, die Umsiedlung von Tieren und Ausgleichsvorhaben an der Enz und am Strudelbach.

Der Großbottwarer CDU-Regionalrat Michael Schreiber sagte im regionalen Planungsausschuss: „Es ist uns bewusst, dass es sich um eine sehr sensible Lage handelt. Allerdings kann es für die Einwohner in Enzweihingen und die Autofahrer, die auf der B 10 täglich im Stau stehen, so nicht weitergehen.“

Einwände gegen die Umfahrungspläne formulierte nur die Linke. „Solche Straßenbauprojekte sind völlig aus der Zeit gefallen und für uns nicht tragbar“, sagte der Stuttgarter Regionalrat Christoph Ozasek. Er trat am Mittwoch erfolglos für „andere Möglichkeiten“ ein. Darunter fallen für ihn Tempolimits. Dieser Argumentation wollten nicht einmal die Grünen folgen. Die Backnanger Regionalrätin Ulrike Sturm, die im Sommer Bürgermeisterin in Oberriexingen werden wollte: „Es handelt sich hier um die B 10 und nicht um eine beliebige Kreisstraße.“

Dem Bund ist das Projekt, das hinter der Enzweihinger Steige beginnt und in den Enzkreis führt, rund 32 Millionen Euro wert. Dafür entsteht die B 10 auf 2,6 Kilometern und zwei Spuren neu, mit Brücken, Rampen und einem Viadukt.

Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch (Freie Wähler), der ebenfalls Mitglied in der Regionalversammlung ist, am Mittwoch bei der Sitzung des Planungsausschusses aber nicht anwesend war, hatte immer wieder betont: „Es wird Zeit, dass jetzt etwas passiert.“ Er geht davon aus, dass der Baustart im Jahr 2020 erfolgen könnte.

Der VRS rechnet damit, dass der Verkehr in Enzweihingen stark zurückgehen wird, wenn die B 10 aus der Ortsmitte verbannt werden könnte. Der Planungsdirektor Thomas Kiwitt nannte gestern eine Reduzierung von rund 77 Prozent. Er sagt: „Beim Schwerverkehr ist die Entlastung mit bis zu 94 Prozent noch höher.“

 

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Philipp Schneider
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