Grundschulen
Ludwigsburg | 01. August 2017

Rezepte gegen den Lehrermangel

Rektor der Pädagogischen Hochschule: Gymnasiallehrer zusätzlich qualifizieren und mehr Studienplätze einrichten

Foto: Fotolia
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Lehrer fehlen vor allem an den Grundschulen. Viele Stellen bleiben vakant, weil es schlicht und einfach keine Bewerber gibt. Die Rede ist von 400 bis 500 Stellen in Baden-Württemberg, die nicht besetzt werden können. „Gegenwärtig besteht die Herausforderung darin, unter den Bedingungen eines begrenzten Bewerberangebots eine stabile Unterrichtsversorgung zu gewährleisten“, so beschreibt Hubert Haaga, Leiter des Staatlichen Schulamtes Ludwigsburg, auf Anfrage unserer Zeitung die Lage. Allerdings sei die Phase der Lehrereinstellung noch nicht abgeschlossen. „Angespannt ist die Lage besonders im Bereich der Sonderpädagogik. Hier konnten bisher noch nicht alle zur Verfügung stehenden Stellen besetzt werden“, so der Schulamtsdirektor.

Handlungsbedarf sieht Prof. Dr. Martin Fix, Rektor der Pädagogischen Hochschule. Sein Vorschlag, um dem Mangel an Grundschullehrern zu begegnen, lenkt den Blick auf freie Kapazitäten aus der Ausbildung für andere Schulformen. „Durch Weiterbildung von Lehrern dieser Schulformen, zum Beispiel dem Gymnasialbereich, könnte relativ kurzfristig dazu beigetragen werden, diesen Bedarf zu decken“, findet er. Und: „Die Pädagogischen Hochschulen könnten temporäre Programme auflegen und entsprechende Weiterbildungszertifikate anbieten“, sagte er im Gespräch.

Auch wenn es sich auf den ersten Blick überraschend anhören mag, dass Gymnasiallehrer nicht einfach Erst- bis Viertklässler an den Grundschulen unterrichten können, so ist es für den Bildungsexperten Fix ein Muss. Nicht auf Goethe oder Schiller, sondern auf die Vermittlung von Grundkompetenzen komme es an. „Der Anfangsunterricht ist sehr speziell, deshalb würden wir gerne passgenaue Fortbildungen anbieten.“ Zwei Jahre würde es dauern, so Martin Fix, bis ein Gymnasiallehrer für den Unterricht in der Grundschule gewappnet wäre. Das ist deutlich schneller, als wenn jemand neu mit einem Studium beginnt: Inklusive Referendariat dauert die Ausbildung zum Grundschullehrer rund sechs Jahre. Bewährt habe sich eine Weiterqualifizierung für Lehrer von Haupt- und Werkrealschulen, die von Schulschließungen betroffen sind, so Fix. Diese werden zwei Jahre lang zu Sonderpädagogen ausgebildet. Jeweils 50 Lehrer nehmen an diesem Programm teil, das die Pädagogischen Hochschulen Heidelberg und Ludwigsburg anbieten. Die Sonderschulpädagogen werden mit Blick auf die Inklusion, also den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap, dringend benötigt. „Inklusion ist alternativlos, weil es sich dabei um eine Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen handelt“, so Fix. Im Idealfall sind an jeder Grundschule ein bis zwei Sonderschulpädagogen fest verankert. Im Schuljahr 2016/17 wurden 25 Schüler inklusiv an den Grundschulen in Ludwigsburg unterrichtet, so die Auskunft des Schulamtes.

„Das ist ein Beruf, in dem man sehr viel positive Rückmeldung erhält“, wirbt der Hochschulrektor für den Arbeitsplatz Grundschule. Obwohl es eigentlich gar keiner Werbung bedürfte, denn der Beruf ist sehr gefragt. Aktuell bewerben sich an der Hochschule in Ludwigsburg zwischen fünf bis sieben junge Frauen und Männer auf einen der 270 Erstsemesterplätze für die Primarstufe. Zum Vergleich: Pro Semester werden 260 Studienplätze für die Lehrerausbildung in der Sekundarstufe I und 270 Plätze für die Ausbildung zu Sonderschulpädagogen vergeben. Als Reaktion auf die starke Nachfrage hat die PH für die Vergabe der Plätze für das Lehramtsstudium im Grundschulbereich eine Rangliste eingeführt, die auf einem Punktesystem beruht.

„Viele Menschen wollen Lehrer werden. Wir könnten die Zahl der Studienplätze um 20 Prozent erhöhen“, so Fix. Allerdings gibt das Kultusministerium vor, wie viele Studenten aufgenommen werden dürfen. Grundlage bilden statistische Erhebungen. Um zu verhindern, dass zu viele Lehrer ausgebildet werden, die dann arbeitslos werden, ist der Bedarf vor einigen Jahren anhand statistischer Daten ermittelt worden. Der prognostizierte Geburtenrückgang ist nicht eingetreten, wohl aber die Zahl der Studienplätze reduziert worden. So sind an der PH Ludwigsburg die Bereiche Erwachsenenbildung sowie frühkindliche Bildung zulasten der Lehrerausbildung in der Primarstufe aufgebaut worden. Bedingt durch den Zuzug durch Flüchtlinge und Menschen aus anderen Bundesländern sind die Prognosen der Statistiker allerdings nicht eingetroffen.

von marion blum
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