verkehr
Ludwigsbug | 14. Juli 2018

Saubere Luft durch Technik

Die Angst geht um. Ein Bündel von digitalen Maßnahmen soll helfen, das Fahrverbot für Ludwigsburg abzuwenden. Der Gemeinderat steht geschlossen hinter dem Zwölf-Millionen-Euro-Paket, kritisiert wird jedoch der enge Fokus auf die Technik. Zeit ist wenig: Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid sind zu hoch, die kurzen 1,5 Jahre Projektlaufzeit sind eine Herausforderung.

Es ist keine Platzierung, auf die man stolz sein kann: Ludwigsburg liegt mit dem zehnten Platz vorne in der Liste der deutschen Städte, die am stärksten durch Stickstoffdioxid belastet sind. Oder anders gesagt: Im Kampf um saubere Luft hinkt die Stadt hinterher. Jetzt hat sie sich 6,1 Millionen Euro Förderung vom Bund sowie den einstimmigen Rückhalt des Gemeinderats gesichert: Für insgesamt 12,2 Millionen Euro will Ludwigsburg den digitalisierten Verkehr vorantreiben, und das bis Ende 2019. Das erklärte Ziel: die Stickstoffdioxidgrenzwerte zu reduzieren, um Dieselfahrverbote zu vermeiden.

Mehr Details gefordert, „was die einzelnen Maßnahmen bringen“

Die avisierten Maßnahmen (siehe rechts) seien „ein Quantensprung an Technologie“, sagte Oberbürgermeister Werner Spec am Donnerstagabend im Gemeinderat. Dieses fast euphorische Urteil teilte Michael Vierling (Grüne) nicht, der von einer „extrem technikgeprägten Liste“ sprach. Es sei ein erster Schritt, aber „die Digitalisierung an sich ist noch keine Lösung“. Der Ausbau der Radwege wie auch des Car Sharing stocke. Es gehe darum, attraktive Alternativen zum Auto anzubieten, um die Mobilität zu fördern, auch im Öffentlichen Nahverkehr. „Wie fördern wir den Umstieg?“ Auch Elga Burkhardt (Lubu), die die „wunderbare Auflistung aller technischen Möglichkeiten“ lobte, blies ins selbe Horn. „Alle Punkte beziehen sich auf den Autoverkehr.“

Für die Verringerung der Schadstoffwerte „brauchen wir mehr als Maßnahmen“, kritisierte auch SPD-Rat Daniel O’Sullivan. „Wir werden nicht alles verwirklichen können.“ Es gehe um den Blick auf das Ganze. Der Verkehr müsse nicht nur verflüssigt, sondern auch verringert werden. Die vorgelegte Liste sei teils „abstrakt“, formulierte er und prophezeite für die Einzelentscheidungen „ganz intensive Diskussionen“. Für diese „sehr große und grundsätzliche Vorlage“ benötige der Gemeinderat mehr Informationen, „was die einzelnen Maßnahmen bringen“.

Auch der städtische Eigenanteil von 6,1 Millionen Euro ließ manchen Stadtrat schlucken, O’Sullivan sprach von einem „Batzen“. Er monierte, die Stadt schreibe ohne Debatte „fünf Millionen Euro in den Etat 2019 rein“. Die Kritik ließ allerdings Reinhard Weiss (FW) laut werden. Es sei alles klar, nun werde „im Kreis diskutiert“. Die Digitalisierung sei nur ein Teil der Maßnahmen, die nötig seien.

Auch der Oberbürgermeister verwies auf eine Palette von parallelen Maßnahmen. Der Ausbau der Radwege etwa sei nicht aufgeführt, weil er nicht zum Förderrahmen gehöre. Von Konkurrenz könne keine Rede sein. Heinz Handtrack vom Referat Nachhaltige Stadtentwicklung nannte Projekte wie den Ausbau der E-Busse oder Ladesäulen für E-Autos. Mit dem Städtetag seien im Verbund 146 Ladesäulen, teils mit Firmen, beantragt. Diesmal eine positive Platzierung: „Damit liegen wir in Deutschland unter den ersten zehn.“

„Die Luft in Ludwigsburg ist

deutlich sauberer geworden“

„Es ist nicht die Frage, ob wir das eine oder andere umsetzen“, betonte Spec, die Mobilitätsfragen würden einbezogen. „Wenn wir alle Möglichkeiten nutzen, können wir um eine Fahrverbotsdiskussion herumkommen.“ Voraussetzung für die Förderung ist ein Masterplan Green City, der derzeit von der Firma Siemens fertiggestellt wird und auch die geforderten Details liefern dürfte. Laut Handtrack soll er am 25. Juli präsentiert werden. Eine weitere Baustelle: Das Land muss einen Luftreinhalteplan vorlegen, das Regierungspräsidium sei aber überlastet.

Klaus Herrmann (CDU) lobte das stetige Sinken des Stickstoffdioxidwertes, der schon über 70 Mikrogramm gelegen habe. „Die Luft in Ludwigsburg ist deutlich sauberer geworden.“ Er zeigte sich wie Heinz Handtrack zuversichtlich: Der Durchschnittsjahreswert von derzeit 51 Mikrogramm könne „sehr wahrscheinlich“ noch dieses Jahr auf den erlaubten Grenzwert von 40 Mikrogramm gesenkt werden.

Zögerlicher äußerte sich Jochen Eisele (FDP), der das Digitalisierungsprogramm mit einem Restaurantbesuch verglich. „Wir sind gerade beim Gruß aus der Küche.“ Er warnte vor „Panikmache“: Dies seien Maßnahmen„die greifen werden, ohne dass Fahrverbote nötig sind“.

Herrmann thematisierte auch die Grüne Welle: „Es ist mir ein Rätsel, warum nicht mehr möglich ist.“ Wunder dürften nicht erwartet werden, konterte Handtrack auf dem Weg von der virtuellen in die reale Welt. Wenn die Autobahn zu sei, staue es sich in der Stadt. „Sie werden nicht jeden Super-GAU bewältigen. „Wenn vor der Tür 10 000 Autos mehr stehen“, sagte er, „geht das mit der besten Digitalisierung nicht.“

von janna werner
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