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Salonwald

30 Bäume kommen weg

Überwiegend Eschen und Eichen werden an der Salonwaldspitze seit gestern gefällt, um Platz für einen Kreisverkehr zu machen. Damit will die Stadt die Unfallstelle an der Kreuzung Aldinger Straße/Danziger Straße/Königinallee entschärfen. Anwohner hatten das Verkehrsprojekt im Vorfeld kritisiert. Sie hätten eine Ampellösung bevorzugt.

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Ludwigsburg. Es dauerte nicht lange, bis die ersten alten Bäume fielen. Mit einer hydraulischen Zange umklammerte der 18 Tonnen schwere Bagger die einzelnen Stämme und riss sie mit einem Ruck heraus. Bei den über 30 Meter hohen Gewächsen setzte Landschaftsgärtner Steve Lappe-Steiner zuerst weit oben die Säge an, um die breitgewachsenen Kronen zu stutzen. Die Fällarbeiten gingen gestern schnell voran. Dabei hatte es lange gedauert, bis die Entscheidung gefallen war, die Bäume an der Spitze des Salonwaldes zu beseitigen, um Platz für einen Kreisverkehr zu schaffen.

Schon im Jahr 2015 wurde dieser Kreisel im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Zudem hatten Anwohner das Verkehrsprojekt kritisiert und eine Unterschriftenaktion gestartet. Im November 2016 fiel schließlich im Bauausschuss die Entscheidung für den Kreisverkehr. Um den Projektgegnern entgegenzukommen, hatten die Planer eine Lösung gefunden: Der Kreisel soll kleiner als üblich werden, um den Eingriff in den Salonwald in Grenzen zu halten. 33 Meter soll der Durchmesser betragen.

Zum gestrigen Fälltermin waren nur vereinzelt Gegner des Vorhabens erschienen. „Das Ganze ist eine große Frustration. Deshalb will niemand zusehen“, sagte eine Passantin. In ihren Augen sei die Aktion eine Farce. „Wenn die Bäume eine Gefahr darstellen und deshalb wegkommen, müsste man ja alle Bäume im Salonwald fällen“, sagte die Frau. Außerdem würden Fledermäuse und Spechte durch den Eingriff Lebensraum verlieren. Anstelle des Kreisels hätte ihrer Meinung nach eine Ampel gereicht, um die derzeit schwierige Situation an der Kreuzung zu verbessern.

Bernd Wenger vom städtischen Fachbereich Tiefbau und Grünflächen könne nachvollziehen, dass es für die Anwohner schwer sei, immerhin handele es sich zum Teil um über 100 Jahre alte Bäume. Allerdings sei es an der Ecke immer wieder zu Verkehrsunfällen gekommen, so der Projektleiter. Zwischen drei und sechs Mal hatte es jedes Jahr dort gekracht – oft mit Leichtverletzten, im Jahr 2011 erlitt ein Autofahrer schwere Verletzungen. Die Option einer Ampel sei geprüft worden, so Wenger, jedoch habe sich herausgestellt, dass ein Kreisel die beste Lösung für den Verkehrsfluss sei und um die Unfallstelle zu entschärfen.

Mit dem Kreisverkehr wolle sich die Stadt auch an dem historischen Erscheinungsbild der Königinallee orientieren. Mitte des 19. Jahrhunderts habe es an der Kreuzung mit der heutigen Aldinger Straße bereits einen Kreisel für Kutschen gegeben, sagt Wenger. Der neue Kreisverkehr soll hochwertig gestaltet werden mit einer Grünfläche in der Mitte.

Für das Vorhaben müssen zwölf gesunde und kranke Bäume an der Spitze des Salonwalds entfernt werden. Elf weitere lässt die Stadt aufgrund der Verkehrssicherheit fällen. Diese Eschen und Eichen, die unmittelbar an dem Kreisel stünden, seien morsch und von Pilzfruchtkörper befallen. So ist der Salonwald zwar ein Landschaftsschutzgebiet, jene Bäume, die aufgrund des Verkehrsprojekts wegkommen, liegen jedoch außerhalb dieses Gebiets. Zusätzlich werden sieben Bäume entlang der Allee entfernt. „Sie sind gefährlich“, sagt Wenger. Sobald der Kreisel gebaut ist, sollen dort Bäume nachgepflanzt werden. Im Zuge der Fällarbeiten lässt die Stadt Kronen weiterer Bäume pflegen, damit kleiner gewachsene auch Licht abbekommen.

Bevor die Fällarbeiten gestern starten konnten, untersuchte der ökologische Baubegleiter Fritz Kusterer Höhlen in den Bäumen, von denen man vermute, dass dort geschützte Tierarten wie Fledermäuse nisten. Dazu drang der Landschaftsarchitekt mit einem Endoskop mit Beleuchtung in die Höhlen ein und sah nach, ob sich darin etwas bewegt. Nach einer Stunde stand fest: „Ich habe Löcher gefunden, aber keine Bewohner“, sagte der Landschaftsarchitekt der Werkgruppe Grün aus Stuttgart. Weil diese Höhlen den Fledermäusen jedoch auch als Sommerquartiere dienen könnten, lässt die Stadt als Ersatz einige Fledermauskästen im Salonwald aufhängen. „Mit einem Monitoring wollen wir kontrollieren, ob die Kästen angenommen werden“, erklärte Bernd Wenger.