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Verkehrsführung

34 Autos raus, 247 Radfahrer rein

Stadt hat einen ersten Bericht zur Sperrung in der Alleenstraße vorgelegt – Provisorium soll nicht dauerhaft bleiben

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Ein erster Erfahrungsbericht zeigt: Die Sperrung im oberen Teil der Alleenstraße (siehe Grafik Fahrradstraße) funktioniert. Grafik:LKZ/Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. An einem frühen Morgen zu Schulbeginn hat die Stadt gezählt: Innerhalb nur einer Viertelstunde kamen 247 Radfahrer an, 34 Autos fuhren ihnen in der Alleenstraße entgegen. So sieht es in der Regel aus, aus Sicht der Stadt eine Verbesserung. Auf den Tag gerechnet hat sich die Zahl der Autofahrten von 2500 auf etwas unter 1000 reduziert. „Durch die Fahrradstraße ist die Straße sicherer geworden“, stellt Erich Nestmann vom Fachbereich Stadtplanung fest. „Noch sicherer ist es dort, wo die Straße für Autos ganz gesperrt ist.“

Seit Anfang des Jahres ist die Verkehrsführung bei den Innenstadtschulen verändert. Die Fahrradstraße ist provisorisch eingerichtet, der obere Teil der Alleenstraße zwischen Solitudestraße und Seestraße wurde ab März für Autos gesperrt. Dies auch deshalb, weil die Gemeinschaftsschüler zur Mensa kommen müssen, die Straße aber den Schulhof – er wurde durch den Ausbau des Ganztagsbetriebs gewissermaßen erweitert – zerschneidet.

Sorgen, dass der Verkehr wegen der Sperrung kollabiert, bestätigt die Verwaltung nicht. Wie der Verkehrsplaner im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats berichtet, sei nach ersten Problemen in der Solitudestraße – dort stauten sich die Fahrzeuge vor der Ampel – die Grünphase verlängert worden. Die Autos können inzwischen in die Mathildenstraße abfließen. Direkte Anwohner der gesperrten Straße beklagen vor allem, dass Parkplätze weggefallen sind. „Es ist vertretbar“, so Nestmann zur Frage, ob der Verkehr das verkraftet. „Die Sperrung ist möglich.“ Freie Wähler und CDU ist die Sperrung ein Dorn im Auge. Sie denken vor allem an den Autoverkehr, der in der Innenstadt funktionieren müsse. Laut Reinhold Noz (CDU) habe es massive Beschwerden gegeben, auch die Geschäfte in der Straße hätten Probleme. Er schlägt nur eine zeitlich befristete Sperrung zu Schulanfang vor. „In den Sommerferien oder Abends brauchen wir das nicht.“ Dies wäre mit elektrisch gesteuerten Pollern möglich. Bernd Remmele (Freie Wähler) stimmte dem zu, er verwies auf den innerstädtischen Verkehr, der nicht behindert werden dürfte. Versenkbare Poller fände auch der parteilose Harald Lettrari gut.

Ganz andere Erfahrungen schildert Christine Knoß (Grüne), die selbst mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs ist. Autofahrer seien „massiv durchgefahren“, sie habe auch manche angezeigt, weil sie auf dem Gehweg gefahren sind. „Es braucht eine Gewöhnungsphase, ein Hin und Her wäre nicht gut“, warnte sie. Bei den Geschäften stellte sie infrage, ob der Zustand vorher besser war. „Die Kunden haben vor dem Geschäft auf dem Radweg geparkt.“ Auch Lieferfahrzeuge stünden regelmäßig mitten auf dem Radweg. Sie sprach sich für die Beibehaltung der gesperrten Alleenstraße aus. Viel Verkehr sei aber immer noch auf die Eltern zurückzuführen, die meinen, ihre Kinder könnten nicht Bus oder Rad fahren.

Die Lubu bemängelt, dass es nur einen mündlichen Bericht für die Stadträte gibt. In der Sache steht Elga Burkardt zu der Sperrung. „Das müssen wir so belassen.“

Die Verkehrsführung müsse insgesamt mit dem ZIEL-Projekt abgestimmt werden, forderten CDU, aber auch SPD. „Die Verkehrsbeziehungen mit der Solitude- und der Mathildenstraße müssen berücksichtigt werden“, so Margit Liepins (SPD). „Ganz aufmachen will die Straße wohl keiner mehr“, stellte sie zur Diskussion um den gesperrten Abschnitt fest.

Die Entscheidung über die Alleenstraße soll jedoch nicht auf die lange Bank geschoben werden. Bis das ZIEL-Projekt steht, dauert es, erst nächstes Jahr soll dazu ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. „So lange können wir nicht warten“, erklärt Baubürgermeister Michael Ilk. Das jetzige Provisorium sei „momentan doch etwas verwirrend, wir müssen da zu einer endgültigen Lösung kommen.“