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Schwangerenberatung

40 Jahre an der Seite der Frauen

Vieles hat sich geändert, aber der Bedarf ist geblieben: Die Schwangerschaft gilt als eine der größten Umbruchsituationen im Leben einer Frau beziehungsweise eines Paares. Es gibt etliche Fragen, die die Fachfrauen des Kreisdiakonieverbandes Ludwigsburg beantworten. Seit 40 Jahren gibt es hier bereits eine kostenlose Schwangerenberatung.

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Nicht jede Schwangerschaft wird freudig herbeigesehnt. Auch in Konfliktfällen hilft die Schwangerenberatung weiter. Foto: fotolia

Ludwigsburg. Horst Krank, der pensionierte Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle erinnert sich noch an die Anfänge. Die Beratung baute er seinerzeit gegen Widerstände auf, und in der ersten Zeit führte er noch selbst Beratungsgespräche. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau, die im Konfliktfall eigenverantwortlich die Entscheidung für oder gegen das Kind trifft, war im Jahre 1977 noch stark umstritten. Hinzu kam, dass eine Frau mit unehelichem Kind einen schweren Stand in der Gesellschaft hatte. Krank erkannte, dass Frauen Beistand in einer schwierigen Lebensphase brauchen.

Das kann das qualifizierte Team mit Nadine Bernecker als Leiterin sowie Gabriele Holzwarth, Katrin Edelmann und Katrin Holzapfel heute nur bestätigen. Sie betonen dabei, dass es sich bei den jährlich knapp 1000 Beratungen lediglich bei 17 Prozent um Konfliktberatungen handelt, also der mögliche Abbruch ein Thema sei. Ansonsten suchen Frauen und Paare Hilfestellung bei vielen Themen. Es geht um Rechte und Pflichten, um Betreuungsmöglichkeiten und auch um das Finanzielle. Da hilft es beispielsweise, wenn die Kosten für die Baby-Erstausstattung übernommen werden, oder es wird über andere Unterstützungsmöglichkeiten informiert. „Es gibt viele Ängste und Unsicherheiten“, sagt Nadine Bernecker.

Das trifft vor allem auf unerwartete Schwangerschaften zu. So wie im Fall einer 32-Jährigen, die seit Monaten einen festen Freund hat. Sie ist in Vollzeit erwerbstätig, und nach dem positiven Schwangerschaftstest wusste sie nicht mehr, wie es weitergeht. Ein Abbruch kam für sie nicht infrage, die Partnerschaft war in Gefahr. Durch die Beratung gelang es, dass sich beide schließlich auf das Kind freuen konnten, es fand auch nach der Geburt noch ein Gespräch statt. Beide wollen jetzt Elternzeit und Elterngeld beantragen.

Manchmal stehen auch ganz andere Themen im Mittelpunkt der Beratung. Wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt, ist das ebenso konfliktträchtig wie die Entscheidung für oder gegen das Kind, wenn der Arzt bei einer Untersuchung Fehlbildungen beim Ungeborenen festgestellt hat. Verhütung, Körperwissen und ethische Fragen werden überdies bei Präventionsveranstaltungen an Schulen beleuchtet.

Wenn das Kind da ist, dann könnte die Mutter doch ganz im Glück sein. Doch das ist nicht immer so. Das Baby schreit und die Überforderung ist groß. Die Schwangerenberatung arbeitet deshalb auch eng mit den Frühen Hilfen sowie mit Ämtern, Hebammen, anderen Beratungsstellen und Ärzten zusammen. „Aus kleinen Problemen sollen keine großen werden“, lautet das Motto.

Bernecker nennt noch eine weitere Form der Überforderung, die immer mehr um sich greift: Die Ansprüche und hohen Erwartungen an junge Familien und der Perfektionismus in allen Lebensbereichen, der immer mehr Eltern belastet.

Info: Weitere Informationen zur Beratung für Schwangere in der Marktstraße 3 in Ludwigsburg gibt es im Internet unter www.kreisdiakonieverband-lb.de sowie unter Telefon (0 71 41) 9 54 20. Beratungen sind auch in Ditzingen und Bietigheim-Bissingen möglich.

Weniger ungewollte Schwangerschaften

Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und damit auch die der Schwangerschaftsabbrüche ist den letzten Jahren in Baden-Württemberg deutlich zurückgegangen, das berichtete die Professorin Dr. Cornelia Helfferich vom Sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsinstitut in Freiburg bei der Jubiläumsveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen der Schwangerenberatung beim Kreisdiakonieverband.

„Frauen leben 3“ lautet der Titel der Studie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, deren Ergebnisse Cornelia Helfferich vorstellte. So ging im Zeitraum die Quote der ungewollten Schwangerschaften von 18,1 im Jahre 1998 auf heute 9,8 Prozent zurück. Die Wissenschaftlerin gab dabei zu bedenken, dass weniger als die Hälfte der ungewollten Schwangerschaften tatsächlich abgebrochen wird. Als Ursachen für den Rückgang nannte sie eine bessere Verhütung sowie ein neues gesellschaftliches Interesse an Schwangerschaft und Geburt, befördert auch durch Elternzeit und Elterngeld. Der genaue Blick zeigt aber laut Helfferich, dass die soziale Schere hier immer mehr auseinanderklafft. „Das beruflich konsolidierte Ehepaar hat deutliche Vorteile“, stellte die Wissenschaftlerin fest. Die Gründe: Das Elterngeld richte sich nach dem vorherigen Verdienst, was für die hoch qualifizierte Mutter, die außerdem als Berufsrückkehrerin stark umworben werde, Vorteile bringe. „Frauen mit hoher Bildung profitieren eindeutig“, so Helfferich. Verliererinnen seien hingegen gering qualifizierte Alleinerziehende mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder prekären Beschäftigungsverhältnissen. Die schwierige finanzielle Situation wirke sich überdies auf das Verhütungsverhalten aus, die Antibabypille sei schlichtweg zu teuer. Je länger die Mütter ohne Job seien, umso schlechter außerdem ihre Perspektiven. Und je höher die berufliche und finanzielle Unsicherheit, umso höher wiederum der Anteil ungewollter Schwangerschaften. Die Wissenschaftlerin sprach von einer schreienden Ungerechtigkeit. (AB)