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Akademiehof Ludwigsburg: Jungpolitiker kritisieren Platzschließung

Nachwuchs von SPD, Grünen und FDP fordert anderen Umgang mit jungen Leuten

Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Jusos Ludwigsburg, die Grüne Jugend im Kreis und die Jungen Liberalen Ludwigsburg fordern in einer gemeinsamen Presseerklärung, die nächtliche Lage am Akademiehof differenzierter zu betrachten und junge Menschen nicht pauschal aus dem öffentlichen Raum verdrängen zu wollen. Die drei Jugendorganisationen kritisieren, dass die Anwesenheit junger Menschen im öffentlichen Raum durch die aktuelle Debatte zu stark problematisiert wird.

Stattdessen wird vorgeschlagen, die Problemlage ganzheitlicher anzugehen. Dafür seien beispielsweise öffentlich zugängliche Plätze für junge Menschen, insbesondere in Zeiten der Pandemie, notwendig. „Ludwigsburg hat das Problem, dass Räume für junge Menschen weniger werden oder ganz wegfallen. Das letzte Beispiel hierfür ist die Schließung der Rockfabrik. Als Stadt mit 93000 Einwohnern und knapp 9000 Studenten verfügt Ludwigsburg nun kaum noch über ein Nachtleben“, heißt es in der Mitteilung.

Seit dem Ausbruch der Pandemie seien junge Menschen bei der Freizeitgestaltung noch stärker auf öffentliche Plätze unter freiem Himmel angewiesen. Wenn die Öffentlichkeit von Jugendlichen einfordere, die pandemische Lage bei der Freizeitgestaltung ernst zu nehmen, dann müsse es auch möglich sein, seinen Abend unter freiem Himmel verbringen zu können, macht Colin Sauerzapf, Kreisvorsitzender der Jusos Ludwigsburg, deutlich.

„Einzelne Maßnahmen an einzelnen Plätzen werden das Problem nicht lösen, sondern nur an andere Orte, eventuell in andere Städte, verlagern. Wir brauchen in Ludwigsburg eine Jugendpolitik, die Räume für junge Menschen schafft, statt die Räume, die junge Menschen sich aussuchen, für sie zu schließen“, meint Laura Oehlschläger, die Sprecherin der Grünen Jugend Ludwigsburg. Andrey Belkin, Kreisvorsitzender der Julis Ludwigsburg, fügt an: „Polizeikontrollen, Videoüberwachung und Verweilverbote sind unverhältnismäßige Maßnahmen, die die freie Abendgestaltung junger Menschen einschränken, weil einzelne Individuen sich unsittlich oder kriminell verhalten. Stattdessen müssten die Ordnungsbehörden gezielt und präventiv vergehen. Der weitaus überwiegende Teil junger Menschen gestaltet seine Freizeit friedlich, auch abends auf dem Akademiehof.“

Die politischen Nachwuchsorganisationen verurteilen die Gewaltbereitschaft, die Sachbeschädigung und die Vermüllung auf dem Akademiehof. Um zu einem sozialeren Miteinander zurückzukehren, erwarten sie von der Stadtverwaltung aber parallel zur aktuellen Ordnungspolitik auch klare Maßnahmen, die jungen Menschen eine Perspektive statt weiterer Ausgrenzung bieten. (red)