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Museumstag

Alte Schätze, aber nicht angestaubt

In Neckargröningen gibt es Einblicke in das Waschhaus, die historische Schmiede und die alte Ölmühle

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In nostalgischer Kleidung informiert Helga Schlieter über das Pressen von Ölen. Fotos: Andreas Essig
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Erika Müller ist die letzte Waschfrau Neckargröningens.
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Seifen und Waschpulver von früher.

Ludwigsburg. Sie sind klein, aber fein: In Neckargröningen befinden sich drei Mini-Museen, die Einblicke in die Alltagskultur früherer Zeiten vermitteln. Dass jedes von ihnen aus nur einem Raum besteht, macht den Charme aus. Am Tag der Museen am Sonntag hatten erstmals alle drei Räume gleichzeitig geöffnet und waren gut besucht.

„Hier war die ganze Zeit ein Kommen und Gehen“, zog Erika Müller Bilanz. Sie ist die letzte Waschfrau Neckargröningens und betreut in dem Fachwerkgebäude an der Wasenstraße 54 eine kleine Sammlung historischer Waschgeräte und Utensilien, die früher benötigt wurden. Auch was die Menschen früher darunter trugen, ist hier zu bestaunen. „Hatten früher nicht alle Leute eine Waschmaschine?“, fragte ein kleiner Junge ungläubig und erfuhr, dass die elektrischen Vollwaschautomaten, wie man sie heute kennt, erst in den 60er Jahren Verbreitung gefunden haben. Vor dieser Zeit war die große Wäsche ein mordsmäßiges Geschäft und Frauensache. Vor allem die kleinen Museumsbesucher hatten Spaß daran, draußen vor dem Eingang in einem Trog mit Lauge Wäschestücke zu stampfen.

„Das Waschpulver ist 25 Jahre alt, schäumt aber noch immer“, stellte Erika Müller zufrieden fest. Von 1978 bis 1992 war das heutige Museum ihr Arbeitsplatz: Hier kamen die Frauen aus dem Dorf, um große Wäscheteile in den Industriemaschinen waschen zu lassen. An einen Waschgang für Wolle, Feines oder Schonschleudern war damals aber noch nicht zu denken.

„Ich finde dieses Mini-Museum richtig toll“, sagte Daniela Trost, die mit ihren drei Kindern und ihrem Mann in die Zeit eintauchte, in der die große Wäsche noch mit richtiger Arbeit verbunden war. Faszinierend fand sie auch die alten Lichtschalter, die gedreht werden müssen. Erika Müller, seit drei Monaten im Ruhestand, hat jetzt noch mehr Zeit, die Sammlung zu vergrößern. „Das ist ein altes Taufkleid, das habe ich in Ludwigsburg auf einem Flohmarkt gefunden“, sagte sie, während sie das weiße Stoffteil aufknöpfte. Vor allem die Kinder, so ihre Erfahrung, finden es klasse, das kleine Museum zu besuchen und sich alles anzuschauen.

Schräg gegenüber hatte die historische Schmiede ihre Tür geöffnet. „Viele Leute fragen, ob die Wände und die Decke schwarz gestrichen worden sind, aber es ist Ruß“, erzählte Werner Kuhn, der an diesem Tag die Besucher informierte. Wer die Werkstatt betritt, könnte den Eindruck erhalten, dass der Schmied jeden Moment das Feuer entzündet und mit seiner Arbeit beginnt. Das Inventar ist noch komplett erhalten, an den schwarzen Wänden hängt das Werkzeug. Funktionsfähig ist der riesige Blasebalg, der sowohl von Hand als auch mit einem Motor betrieben werden kann. Eine architektonische Meisterleistung ist der Erhalt der 331 Jahre alten Werkstatt, die sich vom Jahr 1688 bis 1964 im Besitz der Familie Krauß befunden hat. Der Bereich im Erdgeschoss ist erhalten geblieben, während das restliche Gebäude darüber abgerissen und durch einen Neubau ersetzt worden ist. Bis zum Jahr 1968 fertigte der Schmied Werner Suckert hier Ritterrüstungen an, so Werner Kuhn. Der Beruf des Schmieds war früher enorm wichtig. Er fertigte die Werkzeuge an, die in der Landwirtschaft benötigt wurden. „Einen Baumarkt gab es früher noch nicht“, scherzte Werner Kuhn.

Helga Schlieter, normalerweise im Handwerkermuseum in Aldingen aktiv, nahm die Gäste in der alten Ölmühle an der Ludwigsburger Straße 46 in nostalgischer Kleidung in Empfang. Auch hier scheint die Zeit still zu stehen. Von 1788 bis 1968 betrieb die Familie Ege, der das Gebäude auch noch gehört, die Ölmühle. Hier sind Gerätschaften wie Walzwerk, Pumpen und Pressen zu bestaunen. „In Neckargröningen wurde früher vor allem Mohn gemahlen“, erfuhren die Besucher von Helga Schlieter. Doch irgendwann wurde der Mohnanbau verboten. Dann wurden vor allem Leinsamen, Walnüsse und Sonnenblumen gepresst.

Der Oßweiler Heimatdichter August Lämmle (1876 – 1962) beschreibt, wie er als Kind die Mühle besucht hat. Besonders begehrt waren die Pressrückstände, die sogenannten Kuchen, des Mohns – wohl auch wegen ihrer berauschenden Wirkung. Er beschreibt aber auch das aus heutiger Sicht traurig anmutende Dasein des Mühlengäules. Das kleine Pferd musste den ganzen Tag im Kreis herumlaufen, um das Mahlwerk zu betreiben. Auch wenn das Tier abends draußen auf die Weide gelassen wurde, sei es im Kreis herumgelaufen, so Helga Schlieter. Weil die gehaltvollen Pressreste an die Schweine verfüttert wurden, waren diese besonders fett. Die Ölmühle wurde stillgelegt, weil sie nicht mehr rentabel war. 1968 hat die Stadt sie gepachtet, die Geräte für die nachfolgenden Generationen bewahrt und aus der Ölmühle eines der drei kleinen Museen in Neckargröningen gemacht.