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Ampel-Test: Teil 3
Ampel-Test Teil 3: Die Ludwigsburger Sternkreuzung erinnert an ein Uhrwerk – und fordert von Fußgängern Geduld wie Eile

Zu Stoßzeiten geht es auf der großen Mittelinsel deutlich enger zu. Sehr knapp bemessen ist die Grünphase über das kleine Teilstück der Stuttgarter Straße. Wer langsamer geht, weil er zum Beispiel mit kleinen Kindern unterwegs ist, kann die andere St
Zu Stoßzeiten geht es auf der großen Mittelinsel deutlich enger zu. Sehr knapp bemessen ist die Grünphase über das kleine Teilstück der Stuttgarter Straße. Wer langsamer geht, weil er zum Beispiel mit kleinen Kindern unterwegs ist, kann die andere St
Die Sternkreuzung ist wohl die bekannteste Kreuzung in der Stadt. Nicht nur viele Tausende Autos passieren sie täglich – auch für Fußgänger ist sie von zentraler Bedeutung. Wer hier zu Fuß drüber will, braucht mehrere Etappen und muss sich dann an einer Stelle ganz schön beeilen.

Ludwigsburg. Hoch oben schwebt seit 30 Jahren die Schlange des niederländischen Künstlers Auke de Vries, unten kreuzen Autos, Fahrräder und Fußgänger. Wer das Treiben länger beobachtet, muss vielleicht an ein Uhrwerk denken, bei dem viele kleine Räder ineinandergreifen.

Wer über die mehrspurig angelegten Straßen will, kann das nur an der Wilhelmstraße in einem Rutsch tun. Ansonsten heißt es: Warten auf der Mittelinsel bis die Ampel grün wird und auch der zweite Abschnitt überquert werden kann. Die Mittelinsel fällt in der Schorndorfer Straße klein aus. Immerhin gibt es hier eine Alternative, die allerdings nicht barrierefrei ist. Für die Fußgängerunterführung gibt es keine Wartezeiten wie bei der Ampel. Wer die Unterführung nutzt, muss keine Angst vor einem eiligen Rechtsabbieger aus der Stuttgarter Straße haben. Denn die haben zeitgleich mit den Fußgängern grün und kommen oft sportlich-schnell angebraust.

Gedränge beim Warten in den Stoßzeiten

An der Schlossstraße und der Stuttgarter Straße fallen die Mittelinseln deutlich großzügig und begrünt aus. Trotzdem stehen die Fußgänger zu Stoßzeiten vor allem am Mikrohofhaus dicht an dicht. Wenn im Blühenden Barock die Saison läuft, die Menschen samstags in Richtung Wochenmarkt unterwegs sind oder Veranstaltungen wie der Stoffmarkt in Ludwigsburg stattfinden, ist die Frequenz der Fußgänger an dieser Stelle hoch.

Lesen Sie hier unseren Test auf der Wilhelmstraße und der Stuttgarter Straße

Die Räder des großen Uhrwerks Sternkreuzung scheinen ansonsten gut ineinander zu greifen – die Fußgänger müssen warten, aber trotz der vielen Autos und der breiten, mehrspurigen Straßen hat man nicht das Gefühl, endlos vor der roten Ampel zu stehen. Doch an einer Stelle wird man einfach das Gefühl nicht los, dass da etwas nicht stimmen kann. Von der Mittelinsel auf der Stuttgarter Straße in Richtung Rathaus in der Innenstadt springt die Ampel in sekundenschnelle wieder auf Rot, kaum dass man gemerkt hat, dass es Grün geworden ist. Manch einer hat eine Grünphase komplett verschlafen. Kein Wunder, sie ist auch denkbar kurz. Knapp sieben Sekunden leuchtet das grüne Männchen, schon ist es wieder rot. Wenn es eng zugeht und sich die Menschen an der Ampel drängeln, schaffen es die wenigsten, dieses Teilstück der Stuttgarter Straße bei Grün zu überqueren. Wenn das große Uhrwerk Sternkreuzung vergleichsweise gut zu laufen scheint, an dieser Stelle hakt es, oder?

Ist die Hälfte der Straße geschafft, darf es offiziell rot werden

„Die Dauer der Fußgänger-Grünphase wird grundsätzlich so lang bemessen, dass mindestens die halbe Fußgängerfurt mit normaler Gehgeschwindigkeit bei Grünlicht überquert werden kann“, erklärt Ulrike Schmidtgen, Fachbereichsleiterin Tiefbau und Grünflächen. Und sie beruhigt: „Eine Gefährdung des Fußverkehrs entsteht nicht, da durch die Räum- und Schutzzeit sichergestellt ist, dass der Fußverkehr, der noch in der letzten Sekunde der Grünzeit losläuft, die gesamte Fahrbahn mit normaler Gehgeschwindigkeit räumen kann.“

Dass das Uhrwerk verlässlich läuft, sei sehr wichtig: „Die Sternkreuzung wird an einem 24-Stunden-Durchlauf von 1800 Bussen gequert, die ihren Zeitplan einhalten müssen“, so Schmidtgen. „Eine weitere Herausforderung stellen die Rettungsfahrzeuge dar, für die die Sternkreuzung ebenfalls ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist. Um Verzögerungen zu vermeiden, muss sichergestellt werden, dass es zu keinem längeren Rückstau kommt.“