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Ampeltest

Ampeltest in Ludwigsburg, Teil 8: Verwirrend: Ampel ist grün und rot zugleich in der Keplerstraße

Wer die Keplerstraße, die sich an die stark befahrene Schwieberdinger Straße anschließt, überqueren will, muss gut achtgeben. Die Ampeln zeigen zeitversetzt grün – und irritieren nicht nur Blinde und Sehbehinderte, sondern auch diejenigen, die in Richtung Bahnhof auf Bus und Zug eilen.

Die einen dürfen, die anderen nicht: Die Ampelphase reicht trotzdem nicht, um bei Grün die Straße komplett zu überqueren. Foto: Holm Wolschendorf
Die einen dürfen, die anderen nicht: Die Ampelphase reicht trotzdem nicht, um bei Grün die Straße komplett zu überqueren. Foto: Holm Wolschendorf
Die einen dürfen, die anderen nicht: Die Ampelphase reicht trotzdem nicht, um bei Grün die Straße komplett zu überqueren. Foto: Holm Wolschendorf
Die einen dürfen, die anderen nicht: Die Ampelphase reicht trotzdem nicht, um bei Grün die Straße komplett zu überqueren. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. An diesem Nachmittag herrscht wieder starker Berufsverkehr, Autos und Lkw fahren dicht an dicht. Wer aus der Südstadt zum Bahnhof oder zur MHP-Arena über die Keplerstraße will, muss erst mal warten. Eine Minute und 15 Sekunden dauert es, bis die Ampel reagiert – doch dann hat erst die Gegenseite grün. Die Wartenden drüben laufen los, während direkt an einem die Autos vorbeibrausen.

Ein Umstand, den Blinde und Sehbehinderte kritisieren. Die zeitversetzte Regelung bemerken auch sie. Vor allem dann, wenn sie losgehen und das Signal abbricht, bevor sie die Straße komplett überquert haben. Denn wie der Test ergab: Auch bei normaler Schrittgeschwindigkeit schafft man es nicht, bei Grün die andere Straßenseite zu erreichen. Mitten auf der Fahrbahn schaltet die Ampel auf Rot, ein Signalton ist nicht mehr zu hören.

1,2 Meter lege man als Fußgänger pro Sekunde zurück, so die Fachbereichsleiterin Ulrike Schmidtgen im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats. „Das reicht in der Regel, wenn man auf dem Weg keine SMS auf dem Handy liest“, meinte sie. Auch an der Keplerstraße sei es möglich, die Straße komplett zu überqueren. Blinde sollten sofort bei Signal beziehungsweise Grün losgehen, rät sie. „Die Berechnungsgrundlage ist gemäß Regelwerk ausgeführt und bisher lagen uns keine Anregungen zu dieser Signalanlage vor“, teilt sie auf Nachfrage weiter mit.

Der Verkehr ist sehr laut, das Signal ist jedoch noch zu hören. Der Nachteil: Oft muss man in der Mitte der Straße auf der Verkehrsinsel stehen bleiben, wie ein Leser an die LKZ schreibt. Werde dann in der Mitte die Blindenampel gedrückt, folgt der Signalton – doch der sei für die Strecke, die er schon zurückgelegt hat. Wer jetzt einfach loslaufe, kollidiere mit den Autos. Auch stadteinwärts bestehe dieses Problem. Die Ampel sollte „gleichzeitig für die komplette Straße grün geben und nicht nur für die Hälfte“, so der Leser. „Die Blindenampel kann tödlich sein“, meint er.

Leser finden das gefährlich

Der zeitliche Versatz sei für Blinde kein Problem, ist die Stadt überzeugt. Eine Änderung auf ein durchgängiges Grün sei an dieser Stelle nicht möglich. Es müssten die „Räum- und Einfahrtszeiten“ berücksichtigt werden, die Ampelphasen geben dann diese Abfolge vor, heißt es. Was darauf schließen lässt, dass der Autoverkehr auf der stark befahrenen Durchgangsstraße Vorrang hat.

Ein weiterer Leser, der die Ampel gut kennt und nicht blind oder sehbehindert ist, weist ebenso darauf hin, dass gleichzeitig rot und grün an den Ampeln schon öfters zu gefährlichen Situationen geführt habe. Viele Wartende würden verleitet, loszulaufen, obwohl noch der Verkehr mit hohem Tempo50 an einem vorbeifahre.

Fußgängerfreundlich sei das alles nicht, findet der Sehbehinderte. Er bedauert zudem, dass es in Ludwigsburg unterschiedliche Blindenampeln gibt. Oft seien die Signaltöne auch zu leise, kaum hörbar. Nicht blindengerecht seien Ampeln an der B27, etwa in der Stuttgarter Straße, unter anderem beim Schloss. 130 Ampeln gibt es in der Stadt, mehr als hundert seien umgerüstet, so Schmidtgen dazu. Bei Um- und Neubauten an Straßen würden die Ampeln mit der Blindentechnik ausgestattet. Die Ampeln an der Sternkreuzung werden jetzt mit Blindenampeln ausgestattet, was eigentlich an einer derart stark genutzten Stelle dringend nötig ist.

Neue Techniken sind laut Schmidtgen am Schillerplatz und in der Wilhelmstraße im Einsatz. Wer als Blinder eine spezielle App auf dem Smartphone habe, kann einen Suchton auslösen, um schneller den Ampelmast zu finden. Die Fürsorge für die Blinden sei in der Verwaltung präsent, der Fachbereich stehe regelmäßig in Kontakt mit Blinden, um sich mit ihnen auszutauschen, betont Schmidtgen. „Die Rückmeldungen sind sehr positiv.“

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