Logo

Ampeltest
Ampeltest in Ludwigsburg, Teil 9: Auf dieser Mittelinsel auf der B 27 will niemand stranden

Die letzte Ampel in Richtung Kornwestheim: Wer die B 27 hier überquert, braucht Geduld. Foto: Ramona Theiss
Die letzte Ampel in Richtung Kornwestheim: Wer die B 27 hier überquert, braucht Geduld. Foto: Ramona Theiss
350_0900_40306_Stuttgarter_Strasse.jpg
Fußgänger, die auf der B 27 in Höhe der Königinallee/ Erich-Schmid-Straße auf der Mittelinsel stranden, sollten gute Nerven haben. In diesem Bereich an der Markungsgrenze zu Kornwestheim sind die Fahrzeuge in flottem Tempo unterwegs.

Ludwigsburg. Kaum springt die Fußgängerampel, die über die B27 führt, auf Grün, geht die junge Frau mit dem Kinderwagen zügig los. „Ich bin regelmäßig hier unterwegs“, erklärt sie. 15 Sekunden müssen reichen, um die vielbefahrene Bundesstraße zu überqueren.

Wer erst losmarschiert, wenn die Ampel schon einige Sekunden auf Grün steht, hat schlechte Karten und landet auf der Mittelinsel. Dabei handelt es sich weniger um ein idyllisches Eiland als um einen schmalen Streifen – auch wenn der Sound der vorbeifahrenden Autos einem tosenden Wellengang gleicht.

Wenige Meter vor dem Ortsausgang drücken die Autofahrer aus Richtung Ludwigsburg offenbar etwas stärker aufs Gaspedal – und aus Richtung Kornwestheim kommend fällt das Drosseln des Tempos offenbar nicht so leicht. Eine rote Ampel könnte den Autoverkehr stoppen. Aber darauf müssen Fußgänger zum Beispiel in der Mittagszeit eine Minute und 50 Sekunden lang warten, nachdem sie auf den Schalter am Ampelmast gedrückt und Grün angefordert haben.

Situation ist nicht zumutbar

Nicht zumutbar findet ein Leser unserer Zeitung die Situation. Senioren, die nicht so gut zu Fuß seien, aber auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen würden es nicht schaffen, in einem Zug die Straße zu überqueren, und müssten auf der Mittelinsel ausharren. Die Königinallee führt zur Karlshöhe, wo sich Seniorenheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung befinden, gibt er zu bedenken. Auch Eltern mit kleinen Kindern – ob zu Fuß oder auf dem Rad – und Hundehalter mit betagten Vierbeinern, die von der Südstadt in Richtung Salonwald und umgekehrt unterwegs seien, würden sich schwer damit tun, die Kreuzung ohne den unzumutbaren Stopp auf der Mittelinsel zu queren, so der Kritikpunkt.

Die Ampel ist aber nicht das einzig Tückische. Schließlich gibt es auch die Straßen „Auf der Wart“ und Rechbergstraße, die beide parallel zur B27 verlaufen, sowie Autofahrer, die unerlaubt in die Bundesstraße abbiegen.

Anwohnerin steigt auf das Auto um

Eine ältere Frau, 84 Jahre alt, hat sich ebenfalls wegen dieser Ampel an die LKZ gewandt. Weil die Zeit zum Überqueren des Fußüberweges zu kurz sei, nehme sie oft das Auto, müsse damit aber auch oft lange vor der roten Ampel warten.

Die B27 ist zweifellos die am stärksten befahrene Straße in Ludwigsburg. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind dort täglich circa 14500 Fahrzeuge von Stuttgart kommend stadteinwärts und circa 16500 Fahrzeuge in der Gegenrichtung unterwegs. Die Schaltung der Signalanlagen entlang der Stuttgarter Straße orientiere sich an dem Verkehrsaufkommen, heißt es.

Ampelschaltung passt sich dem Verkehrsaufkommen an

„Wenn sich tagsüber das Verkehrsaufkommen ändern sollte, dann wird hier automatisch durch die Intelligenz des Verkehrsrechners die Programmauswahl angepasst“, so Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen bei der Stadt Ludwigsburg.

Hier finden Sie alle Teile von unserem Ampel-Test

Sie berichtet, dass die Achse von Salonwald und Karlshöhe in Richtung Südstadt sowohl von Radfahrern als auch Fußgängern stark genutzt werde. Dieser Bedeutung ist man sich bei der Stadtverwaltung bewusst. So sei der Taster, mit dem Fußgänger Grün anfordern können, Mitte vorigen Jahres nach vorne in die Fußgängerfurt versetzt worden. Das soll für eine verbesserte Erreichbarkeit insbesondere für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, sorgen. Teilweise sei der Knotenpunkt bereits seit einigen Jahren mit Blindentechnik ausgestattet. Die noch fehlenden Ampelmasten sollen im Laufe dieses Jahres umgerüstet werden, kündigt Schmidtgen an.

Genug Zeit für die sichere Überquerung

Die Fachbereichsleiterin betont, dass die Dauer der Grünphase für Fußgänger so bemessen sei, dass mindestens der halbe Fußgängerüberweg mit normaler Geschwindigkeit überquert werden könne. Die sogenannte Räum- und Schutzzeit stelle sicher, dass Fußgänger, die noch in der letzten Sekunde der Grünphase losgehen, mindestens die Mittelinsel erreichen.

„Für das Überqueren der Straße steht immer deutlich mehr Zeit zur Verfügung, als durch die Grünphase der Ampel angezeigt wird“, so Schmidtgen. Springt die Fußgängerampel auf Rot, sollen Fußgänger, die sich bereits aufder Fahrbahn befinden, ihren Weg fortsetzen. Bei Rot loszugehen ist jedoch keine gute Idee.

Die Straße „Auf der Wart“ sei eine untergeordnete Straße, so Schmidtgen: „Fußgänger und Radfahrer queren diese auf Sicht.“ Das trifft auch für die Rechbergstraße zu. Beide Straßen werden zwar nicht stark befahren, trotzdem sollten Fußgänger sich vor dem Überqueren vergewissern, dass kein Fahrzeug naht. Dort gibt es nämlich keine rettende Insel, so schmal diese auch sein mag.