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Radweg

Anradeln auf der Marbacher Straße

Verkehrsminister Winfried Hermann eröffnet den Radweg in Richtung Neckarweihingen – Umstrittenes Projekt

Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte), Oberbürgermeister Werner Spec (links) und Bürgermeister Michael Ilk (rechts) weihen den Radweg in der Marbacher Straße ein. Foto: Ramona Theiss
Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte), Oberbürgermeister Werner Spec (links) und Bürgermeister Michael Ilk (rechts) weihen den Radweg in der Marbacher Straße ein. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Dass Politiker gerne rote Bänder durchschneiden, ist bekannt. Oft geschieht das, wenn neue Straßen eingeweiht werden. Umso erstaunlicher, dass am Samstag der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann nach Ludwigsburg gekommen war, um das rote Band für den 2,1 Kilometer langen Radweg in der Marbacher Straße zu kappen und somit auch ein Zeichen zu setzen.

Vor der Fahrt mit der in stattlicher Zahl erschienenen Ludwigsburger „Radgemeinde“ auf dem neuen Radweg vom Heilbronner Torhaus nach Neckarweihingen übte der Verkehrsminister Kritik. Denn immerhin hat es fünf Jahre gedauert, bis das Vorhaben nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates fertiggestellt werden konnte. Und es ist gerade mal die erste von zehn geplanten Hauptrouten, die das Radeln in die Ludwigsburger Innenstadt einfacher und sicherer machen soll.

Für den Verkehrsminister eindeutig eine zu lange Zeit, um die Welt zu retten. Er sprach von einem unangemessenen Hin- und Herdiskutieren im Vorfeld, was er in vielen Städten und Gemeinden erlebe. Vor dem Zerreden bereits gefasster Beschlüsse warnte auch Oberbürgermeister Werner Spec. Winfried Hermann lobte dabei den Einsatz von Baubürgermeister Michael Ilk, dem dieses kleine Teilstück nach eigenem Bekunden ans Herz gewachsen ist. Und die ersten Erfahrungen zeigen laut Ilk, dass das durchaus umstrittene Projekt die gewünschte Wirkung zeigt. Der Radweg werde gut genutzt, und der Stau auf der verbliebenen Autofahrspur sei weg, der Verkehr fließe langsam aber flüssig, was weniger Lärm verursache. „Die Rückmeldungen von Anwohnern sind ausgesprochen positiv“, so Ilk. Er erinnerte außerdem an eine hitzig-heiße Sitzung des Ausschusses Bauen, Technik, Umwelt im Juli 2016, als der Start dieses Vorhabens mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme befürwortet wurde. „Danach waren wir alle durchgeschwitzt“, so Ilk.

Insgesamt umfassten die Bauarbeiten in der Marbacher Straße den Radweg, den barrierefreien Umbau von fünf Bushaltestellen, Fahrbahnsanierungen, den Bau der Busschleuse Neckarweihingen sowie umfangreiche Leitungsverlegearbeiten der Stadtwerke. Die Bauarbeiten hatten im Herbst 2017 begonnen und dauerten rund 16 Monate.

Während der Bauzeit hatte es viel Unmut und Kritik gegeben, insbesondere deshalb, weil es häufig zu langen Staus gekommen war. Sogar vom Rückbau des Radwegs war unter Kritikern die Rede (wir berichteten).

Für den Bau des Radwegs lagen die Gesamtkosten bei knapp einer Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg förderte das Vorhaben mit rund 450.000 Euro, was dem Förderhöchstsatz entspricht. In Sachen Mobilität forderte OB Spec, alle Karten zu ziehen, und dazu gehöre eben auch die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur. Nur so gelinge es, mehr Menschen auf das Rad zu bekommen. Das unterstrich auch der Verkehrsminister. Sein Ziel ist es, bis 2030 den Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr im Land auf 20 Prozent zu steigern, momentan sind es gerade mal zehn Prozent. Das Radfahren bezeichnete er neben sauberen Autos, Fußgängerwegen und einem gut ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr als wichtiges Element einer modernen Mobilitätspolitik mit weniger Lärm und Abgasen.

Und um das zu unterstützen, schwangen sich Hermann, Spec und Ilk aufs Fahrrad und fuhren gefolgt von einem großen Tross an Pedalrittern den Radweg ab. Nach der Brücke in Neckarweihingen ging es wieder zurück zum Heilbronner Torhaus, wo der Bürgerverein der Unteren Stadt für die Bewirtung gesorgt hatte.

2,1 Kilometer Radweg sind aber nur die erste Etappe. Die Stadt will schrittweise die weiteren Hauptrouten realisieren. Als nächstes soll die Martin-Luther-Straße fahrradfreundlich umgestaltet werden.

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