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Oststadt

Anwohner halten neue Lidl-Pläne für zu massiv

Planungen für den Markt an der Hindenburgstraße gehen in eine weitere Runde – Anwohner verärgert, Stadt wertet Entwurf positiv

Der alte Entwurf orientierte sich in der Fläche noch am bestehenden Gebäude, sollte aber mit den Wohnungen auf dem Markt bis zu 17 Meter hoch sein. Dagegen regte sich Widerstand bei den Anwohnern.
Der alte Entwurf orientierte sich in der Fläche noch am bestehenden Gebäude, sollte aber mit den Wohnungen auf dem Markt bis zu 17 Meter hoch sein. Dagegen regte sich Widerstand bei den Anwohnern.
Der nächste Entwurf scheiterte im März 2018 im Gemeinderat, weil nach wie vor der Markt im 1. Stock und das Parkdeck ebenerdig sein sollte. Nur die Gebäudekante war etwas zurückversetzt worden.
Der nächste Entwurf scheiterte im März 2018 im Gemeinderat, weil nach wie vor der Markt im 1. Stock und das Parkdeck ebenerdig sein sollte. Nur die Gebäudekante war etwas zurückversetzt worden.
Der aktuelle Entwurf reduziert die Gebäudehöhe, überplant dafür aber die gesamte bisherige Parkfläche mit dem Markt. Die Anwohner sind besorgt wegen des massiven Bauwerks.Illustrationen: Lidl/Stadt Ludwigsburg
Der aktuelle Entwurf reduziert die Gebäudehöhe, überplant dafür aber die gesamte bisherige Parkfläche mit dem Markt. Die Anwohner sind besorgt wegen des massiven Bauwerks.Illustrationen: Lidl/Stadt Ludwigsburg

Für den Lidl in der Oststadt hat das Unternehmen einen neuen Entwurf vorgelegt. Das Gebäude wird niedriger, dehnt sich aber über den bisherigen Parkplatz hinweg auf die ganze Fläche aus. Ein Volumen, das die Anwohner erschreckt, die inzwischen von einem „Mega-Monster-Lidl“ sprechen. Die Interessengemeinschaft „Grüner Lidl“ lehnt sich gegen diese Planungen auf, sie hatte erwartet, dass man sich am bisherigen Bestand orientiert.

Die Stadt sieht dagegen in diesen Plänen wesentliche Verbesserungen und schlägt dem Ausschuss für Stadtplanung, Hochbau und Liegenschaften des Gemeinderats vor, das Bebauungsplanverfahren in Gang zu setzen. Damit geht das Lidl-Projekt, für das es schon mehrere Anläufe gab, am kommenden Donnerstag in eine weitere Beratungsrunde.

Strittig war anfangs vor allem die Höhe des Gebäudes, auf dem Markt sollten zwei Ebenen mit Wohnungen entstehen. Von den 17 Metern ist Lidl abgerückt, die Rede ist nun von zehn bis 15 Metern. Umstritten war auch, ob der Markt im ersten Obergeschoss angesiedelt wird, das Parkdeck dafür ebenerdig bleibt. Für den Investor eine Kostenfrage, eine Tiefgarage kam für ihn nicht in Frage. Der Gemeinderat lehnte im März 2018 jedoch genau dies ab und verlangte, den Markt ebenerdig anzulegen und Tiefgaragen zu bauen.

Charakter der Wohnstraße gestärkt

Um die Pattsituation aufzulösen, sollte die Stadtverwaltung auf Antrag von CDU, Freien Wählern und SPD den Gesprächsfaden mit Lidl wieder aufnehmen. Die Verwaltung wertet den aktuellen Entwurf des Unternehmens positiv. Von Vorteil sei, heißt es in ihrer Vorlage für die Beratung am Donnerstag, dass der Kundenparkplatz überbaut und die Andienung durch Lastwagen verbessert werden. Auch werde der Bau im Vergleich zur bisherigen Planung von der Steuben- und Max-Elsas-Straße abgerückt. Wohnungen werden eingeschossig auf dem Dach sowie entlang der Steubenstraße angeordnet, so dass dort „der Charakter der Wohnstraße“ gestärkt werde. Stadtplaner Martin Kurt sieht in diesen Änderungen „viele positive Aspekte“, sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Anwohner sehen das ganz anders. Sie sind irritiert über Äußerungen aus der Stadtverwaltung. Es könne erst gebaut werden, wenn der Markt, wie der Gemeinderat entschieden habe, ins Erdgeschoss verlegt werde – dies sei ihnen im Mai dieses Jahr von Baubürgermeisterin Gabriele Nießen in einem Schreiben versichert worden. Das Gegenteil scheint nun der Fall: Der aktuelle Entwurf von Lidl geht davon aus, dass der Markt im Obergeschoss liegt und die Parkierung ebenerdig bleibt. Wie Kurt mitteilt, sei die Stadt – so wie von Nießen angekündigt, die in dem Brief an die Anwohner lediglich den Zielkonflikt beschrieben habe – nochmals auf Lidl zugegangen. Das Unternehmen bleibe jedoch bei seinem Ansatz, den Markt nicht ebenerdig einzurichten. „Uns wäre der Markt im Erdgeschoss lieber, müssen aber die Realitäten sehen“, so Kurt. Außerdem sei Lidl in vielen Punkten den Anregungen nachgekommen, was auch den Anwohnern nütze.

Die reiben sich jedoch wegen der schieren Größe des Marktes die Augen. Die überbaute Fläche habe sich „mindestens verdoppelt und das Gebäudevolumen mindestens vervierfacht“, schreibt die Interessengemeinschaft. Genaue Angaben zur Höhe des Bauwerks mit bis zu vier Geschossen und zum Flächenverbrauch mache die Stadt nicht, bemängelt Eike Sautter, ein Sprecher der Interessengemeinschaft, gegenüber unserer Zeitung. Dabei habe Lidl bereits dargelegt, dass zu den 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche (bisher rund 1000) weitere 1000 Quadratmeter an Nebenflächen dazukämen. Dies vor allem für ein großes Zwischenlager und für Sozialräume.

„Wir vermissen die Transparenz“, so Sautter, der das Verfahren wie auch das Ziel in Frage stellt, die Nahversorgung in der Oststadt zu sichern. „Eine Vergrößerung des Lidl ist überflüssig“, so die Anwohner. Sautter: „Die Stadt vertritt zu sehr die Interessen von Lidl.“

Dass auch die Anzahl der Stellplätze für die Quartiersgarage verringert worden ist, werde von der Stadt nicht erwähnt. Ebenso sorgen sich die Anwohner, dass aus der Idee des Gestaltungsbeirats, einen neuen sozialen Mittelpunkt mit einem schönen Café zu bekommen, möglicherweise nichts wird. Momentan werde nur von einem „Backshop“ gesprochen.

Die Stadt ihrerseits kann trotz allem den jetzigen Entwurf mittragen, manches sei „städtebaulich sehr gut“ gelöst, so Kurt. Wichtig ist der Stadt auch der Bau von Mietwohnungen, für das Quartier entstehen zusätzlich Parkplätze. Lidl hat bisher 98 Stellplätze, künftig sollen es 214 sein. Davon 45 für das Quartier, der Rest für Mieter, Beschäftigte und Kunden.

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