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Hausnotruf

ASB: Vertauschter Schlüssel sorgt für Ärger

Eine 91-jährige Seniorin hat über den ASB einen Hausnotruf samt hinterlegtem Hausschlüssel. Als sie das Schloss an ihrer Türe auswechselt, fordert sie vom ASB ihren alten Schlüssel zurück. Dabei stellt sich heraus: Der Sozialdienstleister hat ihren Schlüssel vertauscht und wäre im Notfall nur mit der Feuerwehr reingekommen. Der Geschäftsführer beteuert: Es handelt sich um einen Einzelfall.

So sehen die Schlüsselschränke in den Rettungswagen der Anbieter von Hausnotrufen aus. Archivfoto: dpa
So sehen die Schlüsselschränke in den Rettungswagen der Anbieter von Hausnotrufen aus. Foto: dpa

Ludwigsburg. Waltraud Gärtner* kann es noch immer nicht fassen. Die Sache hat sie ganz schön durcheinandergebracht und vor allem geärgert. Doch das Schlimmste ist für sie, dass ihr Vertrauen erschüttert wurde. Was ist geschehen?

Waltraud Gärtner ist eine rüstige Seniorin von 91 Jahren. Ihr Mann ist schon lange tot, in ihrer Wohnung lebt sie seither alleine. Zur Sicherheit hat sie seit vier Jahren über den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) einen Hausnotruf. Sie hat sogar das bessere Paket für 37 Euro im Monat gebucht. Darin ist nicht nur der Hausnotruf enthalten, die Kunden können auch einen Hausschlüssel hinterlegen, damit der Rettungsdienst im Notfall schnell und unkompliziert in die Wohnung kommt. Die Schlüssel werden vom ASB im Rettungsfahrzeug aufbewahrt.

Zuerst glaubt man ihr nicht

Im Sommer hat ein Verwandter von Waltraud Gärtner seinen Schlüsselbund verloren. Da dabei auch ein Hausschlüssel zu ihrer Wohnung verschwunden ist, entschied die Seniorin, ihr Schloss auszutauschen. Nachdem die Handwerker fertig waren, bat sie den ASB, vorbeizukommen, um den Schlüssel zum alten Schloss abzugeben und stattdessen den neuen Schlüssel zu verwahren.

Gleich nach dem Anruf kommt ein junger Mann zu ihr. Dieser entfernt einen Schlüssel von einem Anhänger mit einer Nummer, gibt ihr den Schlüssel und befestigt den neuen wieder an dem Anhänger. „Als er weg war, habe ich festgestellt, dass das gar nicht mein alter Schlüssel ist“, erzählt Waltraud Gärtner. Sie ruft sofort beim ASB an. Der junge Mann kehrt zurück, schenkt ihr aber keinen Glauben. „Er sagte zu mir, dass das mein alter Schlüssel sein müsse, und ging wieder.“

Waltraud Gärtner ruft den für den Hausnotruf Verantwortlichen beim ASB Ludwigsburg an. Auch dieser beteuert, dass sie den richtigen Schlüssel habe. Wenn sie nicht zufrieden sei, könne sie ja kündigen, sagt er zu ihr.

Erst am nächsten Tag – offenbar hat der ASB die Sache dann doch untersucht – meldet sich wieder der junge Mann. Der richtige Schlüssel sei jetzt doch gefunden worden, er bringe ihn sofort vorbei. Waltraud Gärtner fragt ihn, wo der Schlüssel denn jetzt aufgetaucht sei. „Er hat auf einem Schrank gelegen“, so die Antwort des jungen Mannes.

Die Sache lässt Waltraud Gärtner keine Ruhe. Sie ärgert sich darüber, wie sie behandelt wurde, fragt sich aber auch: „Was wäre geschehen, wenn ich wirklich Hilfe gebraucht hätte? Wie wäre der ASB dann in meine Wohnung gekommen?“ Die 91-Jährige ist fassungslos darüber, wie es passieren konnte, dass die Schlüssel vertauscht wurden. Und sie hat einen schlimmen Verdacht: „Wem gehört der falsche Schlüssel? Wurden noch weitere Schlüssel vertauscht? Stünde der ASB im Notfall auch bei anderen Kunden vor verschlossener Haustüre und käme nur mit Hilfe der Feuerwehr hinein?“ Und: „Ist der ASB vielleicht schon mal vor einer Tür gestanden und kam nicht hinein?“

Geschäftsführer spricht von Einzelfall

Laut Daniel Groß, dem Regionalgeschäftsführer des ASB, sei es lediglich zur Verwechslung dieses einen Schlüssels gekommen. Was für ein Schlüssel Frau Gärtner zuerst ausgehändigt wurde, kann er nicht sagen. Grund für die Verwechslung sei ein Unfall des Rettungswagens gewesen. „Durch die Wucht des Aufpralls bei dem Unfall hat sich der im Fahrzeug verbaute Schlüsselkasten geöffnet. Trotz aller erforderlichen Sorgfalt ist es anschließend zu besagtem Zuordnungsfehler gekommen“, sagt Groß. Im Notfall wäre die Türe der Hausnotrufteilnehmerin durch die Feuerwehr geöffnet worden, ergänzt er. Dies sei auch bei allen Kunden der Fall, die das Basis-Paket ohne hinterlegten Schlüssel gebucht haben. Dass im Fall von Waltraud Gärtner aber vielleicht wichtige Zeit verloren gegangen wäre, weil der ASB erst nicht in die Wohnung kommt und dann auf die Feuerwehr warten muss, erwähnt Daniel Groß nicht.

Weitere Verwechslungsgefahr sieht der Geschäftsführer nicht. „Mittlerweile haben wir ein neues Fahrzeug für den Hausnotruf beschafft, in diesem Fahrzeug sind alle Schüssel der Hausnotrufteilnehmenden einzeln separat verschlossen, so dass solche Verwechslungen nach Unfällen zukünftig ausgeschlossen sind.“

Laut Groß hat sich der Abteilungsleiter bei Frau Gärtner nach dem Vorfall entschuldigt. Das bestreitet diese. Lediglich eine Mitarbeiterin habe sie angerufen und gefragt, ob jetzt alles in Ordnung sei. Waltraud Gärtner überlegt jetzt, den Anbieter zu wechseln.

*Name von der Redaktion geändert

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