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Evangelische jugendhilfe

Auch das Backen ist Unterstützung

Einmal im Jahr verwandeln sich Büros und Besprechungsräume der Mitarbeiter im Team Flexible Hilfen in eine Backstube: In der Adventszeit werden Familien, die von den den Sozialarbeitern betreut werden, zu diesem Event eingeladen.

Die Adventszeit ist Plätzchenzeit in der Jugendhilfe Hochdorf. Foto: Andreas Becker
Die Adventszeit ist Plätzchenzeit in der Jugendhilfe Hochdorf. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Dabei handelt es sich um ein Angebot aus dem Familienaktivierungsprogramm. Das wurde vor sechs Jahren ins Leben gerufen, um Familien in Not- und Krisensituationen soziale Teilhabe zu ermöglichen. Denn oft führen familiäre Probleme oder Lebenskrisen zu einem Rückzug, Isolation und Abkapselung von anderen Menschen, so die Erfahrung der Sozialarbeiter.

Konkrete Hilfe für Familien

in der Alltagsbewältigung

Träger der Flexiblen Hilfen ist die Evangelische Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg mit Hauptsitz in Remseck-Hochdorf. Regelmäßig gehen die Fachkräfte in die Familie, um sie im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz bei der Lebens- und Alltagsbewältigung zu unterstützen. „Dabei geht es ganz konkret darum, ob die Kinder gut versorgt sind, genug Lebensmittel im Kühlschrank sind oder die Termine für die Untersuchungen beim Kinderarzt eingehalten werden“, erzählte die Sozialpädagogin Vanessa Pickermann bei einem Pressegespräch.

Die Vermittlung erfolgt in der Regel durch das Jugendamt, das wiederum auf Hinweise von Kitas, Schulen und Kinderärzten reagiert, die auf eine Unterversorgung der Kinder aufmerksam geworden sind. Die Gründe dafür können vielfältig sein, wie Michael Rütsche, Fachleitung der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf, erläuterte. „Suchtprobleme, psychische Erkrankung der Eltern, aber auch eine Überschuldung können die Ursache für eine belastende Situation sein“, zeigte er einige Ursachen auf.

In einigen Fällen führen auch Einschränkungen der Kinder wie ADHS oder Asperger Syndrom zu einer Überbelastung in den Familien. Aktuell betreut das Team der Flexiblen Hilfen am Standort Ludwigsburg zwischen 60 und 65 Familien im südlichen Kreisgebiet. Der größte Erfolg ist es für die Mitarbeiter der Flexiblen Hilfen, wenn die Familien es schaffen, alleine ihren Weg zu gehen.

Besonders betroffen von dem sozialen Rückzug sind die Kinder: Während Gleichaltrige nach einem Wochenende von Ausflügen oder Kinobesuchen berichten, haben sie meistens nichts Besonderes erlebt. Hier setzt das Familienaktivierungsprogramm an. Die Sozialpädagogen bieten über die Beratung und Begleitung hinaus Freizeitaktivitäten an.

Basteln, Klettern oder Ausflüge spielen eine wichtige Rolle

„Outdooraktivitäten kommen ebenso wie Angebote, bei denen die Familien sich begegnen können, besonders gut an“, schilderte die Sozialpädagogin Johanna Osswald ihre Erfahrungen. Dazu gehören Ausflüge in den Wildpark oder ins Blühende Barock, Nachtwanderungen, Basteln in der Natur, Trommel-Workshops und Grillnachmittage. Felsklettern, Kanufahrten oder Geocaching richten sich insbesondere an Familien mit Jugendlichen.

Auch für die Sozialpädagogen sind die Unternehmungen wichtig: Übernehmen sie im Rahmen der Familienhilfe oftmals eine Kontrollfunktion, so ermöglichen die Aktivitäten eine Begegnung auf Augenhöhe. Ein echter Klassiker ist die Weihnachtsbäckerei. Während die Kinder die Plätzchen ausstechen und verzieren, haben die Eltern die Möglichkeit zum Gespräch. Für viele von ihnen ist das ein erster, wichtiger Schritt aus der Isolation.

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